Zwischen Kurzarbeit und digitalem Anstoß

Trotz Lockdowns und Pandemie: Große Hammer Unternehmen bleiben zuversichtlich

Das Hochregallager der Firma Claas in Hamm Uentrop Claas baut Traktoren Traktor
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Der Corona-Einfluss hält sich in Grenzen: In der Industrie, hier das Hochregallager von Claas in Uentrop, gibt es durchaus Optimismus.

Produktionsstopp, Kurzarbeit und Hygienekonzepte – die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr viele Firmen stark beeinflusst. So schätzen einige der größten Hammer Arbeitgeber die Lage ein.

Hamm – Der Umsatz ist zurückgegangen, und doch herrscht in so mancher Firma Zuversicht: Die Zahlen der Industrie und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) als Statistischem Landesamt zeigen, dass der Umsatz der 45 Industriebetriebe in Hamm in den ersten neun Monaten 2020 um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken ist. Die Coronapandemie scheint der wichtigste Grund dafür zu sein. Beim Auslandsumsatz war der Rückgang sogar noch deutlicher: Ein Minus von 28,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Wir haben Hammer Industriebetriebe gefragt, wie die Situation aktuell ist. (News zum Coronavirus in Hamm)

Der Mehrheit der Unternehmen sei bisher relativ gut durch die Krise gekommen, heißt es. Nur wenige Mitarbeiter einzelner Industriebetriebe seien derzeit von Kurzarbeit betroffen. Laut IT.NRW ist die Zahl der Arbeitsstunden von 9,2 Millionen (2019) auf nur 8,3 Millionen (2020) gesunken. Das ist ein Minus von 9,4 Prozent. Die Hammer Unternehmen blicken derzeit dennoch verhalten optimistisch in die Zukunft.

Industrie in Corona-Pandemie: Kunden noch zurückhaltend

Bei der Auftragsvergabe seien einige Kunden der Firma Hoffmeier Industrieanlagen noch etwas zurückhaltend, deshalb ist der Betrieb „noch nicht wieder auf dem Niveau aus der Zeit vor Corona“, sagt Geschäftsführer Peter Krone. Und das, obwohl das Unternehmen aus Uentrop einen breit gefächerten Service anbietet: von der Planung über die Fertigung bis hin zur Montage von Industrieanlagen.

Das mittelständische Familienunternehmen mit fast 50 Jahren Erfahrung musste Corona-bedingt für einige Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Wegen der Pandemie habe sich laut Krone aber noch mehr verändert: „Für unsere Monteure gibt es sehr hohe Anforderungen zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen, die über die allgemeinen Anforderungen hinausgehen.“

Dennoch blickt der Hoffmeier-Geschäftsführer positiv in die Zukunft: Es warte zwar noch viel Arbeit auf den Betrieb, doch er sei gut aufgestellt, sodass die Krise überstanden werde.

Trotz Corona: Hella-Werk nahezu ausgelastet

Das Hella Elektronikwerk in Bockum-Hövel stehe laut Unternehmenssprecher Dr. Markus Richter aktuell gut da. „Die Kundennachfrage ist hoch und das Werk nahezu vollständig ausgelastet: „Kurzarbeit gibt es keine“, sagt der Hella-Sprecher. Mitarbeiter, die nicht fest an einem Arbeitsplatz gebunden sind, seien Corona-bedingt angehalten im Homeoffice zu arbeiten. Für alle anderen Mitarbeiter gelte die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen.

Infektionsherde habe es bisher beim Werk in Hamm nicht gegeben. Die Pandemie habe dennoch auf Hella Auswirkungen. Der weltweite Einbruch der Fahrzeugproduktion war auch hier zu spüren. Unter anderem stellt Hella verschiedenste Steuergeräte für Kunden in der Automobilindustrie her. Richter: „Inzwischen zieht das Geschäft aber wieder an.“ Im Juli klang die Lage deutlich schwieriger, Hella strich Stellen am Hauptsitz.

Die Pandemie habe das Unternehmen auch positiv beeinflusst: Hella stellte sich digitaler auf. Schnelleres und effizienteres Arbeiten wurde möglich und soll es auch in Zukunft sein. „So ist jetzt schon klar, dass mobiles, flexibles Arbeiten auch nach der Pandemie weiterhin ein fester Bestandteil der Hella Arbeitswelt sein wird“, so Richter.

Es bleibe jedoch abzuwarten, wie sich das Kundenverhalten in den kommenden Monaten weiter entwickle. Richter: „Grundsätzlich ist das Werk in Hamm für die Zukunft gut aufgestellt, da hier zahlreiche Kernprodukte für automobile Trendthemen wie Elektromobilität und Autonomes Fahren gefertigt werden.“

Claas in Coronazeiten: Ersatzteilgeschäft ist gewachsen

Der Claas-Standort in Hamm habe sich im vergangenen Jahr als besonders leistungsfähig gezeigt, sagt Wolfram Eberhardt, Leiter der Unternehmenskommunikation. An Kurzarbeit sei derzeit beim Landmaschinenhersteller nicht zu denken. „Das von Hamm aus gesteuerte weltweite Service- und Ersatzteilgeschäft ist im letzten Geschäftsjahr weiter gewachsen und hat sehr positiv zum Gruppenergebnis beigetragen“, sagt Eberhardt. Zugute käme in der Krise auch das neue Ersatzteillager in Uentrop, das täglich bis zu 17.000 Positionen abwickeln könne. Eberhardt: „Unser Standort in Hamm ist derzeit sehr gut ausgelastet und sollte sich auch in den kommenden Monaten gut entwickeln.“

Der international führende Landtechnikhersteller konnte trotz Pandemie und Produktionsstopps ein Umsatzwachstum erzielen und die Profitabilität verbessern. Der Umsatz stieg erstmals auf über vier Milliarden Euro an. „Dabei hat sich unsere breite internationale Aufstellung ausgezahlt“, sagte Thomas Böck, Vorsitzender der Claas-Konzernleitung. In Deutschland habe sich der Umsatz stabil entwickelt. Für das aktuelle Geschäftsjahr gehe das Unternehmen von einem Umsatz auf dem Vorjahresniveau aus.

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