Erst in China und dann in Deutschland

Corona-geprüft: Wie die 20-jährige Lena den Ausbruch gleich doppelt erlebte

Lena Bellenhaus aus Hamm und Louisa Bierwolf hielten sich im Januar bei Ausbruch des Coronavirus in China auf.
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Damals für Deutsche noch ein ungewöhnlicher Anblick, mittlerweile auch hierzulande längst Alltag: Lena Bellenhaus (links) und Louisa Bierwolf hielten sich im Januar bei Ausbruch des Coronavirus in China auf – und trugen Masken.

Das Coronavirus begleitet uns mittlerweile in sämtlichen Lebensbereichen. Viel mehr noch, wir alle können von uns sagen: „Ich habe den Ausbruch einer Pandemie hautnah miterlebt.“ Einige wenige machten das Ganze allerdings gleich mehrfach durch.

Hamm – Die 20-jährige Lena Bellenhaus aus Pelkum ist so eine Frau. Sie war auf einer Sprachreise in China, als sich das Virus dort ausbreitete. Und sie war pünktlich wieder zurück in Hamm, als hier noch einmal dasselbe passierte.

„Das war schon ein komisches Gefühl“, sagt Lena heute. Trotzdem wolle sie ihre Zeit in China auf keinen Fall missen. Anfangs war schließlich auch alles nach Plan gelaufen: Gemeinsam mit ihrer Freundin Louisa Bierwolf reiste sie im Oktober über chinesische Kontakte aus dem Hammer Jugendzentrum „Casino“ nach Dalian – eigentlich mit dem Ziel, bis Ende März zu bleiben. In dieser Zeit wollten die beiden an einer örtlichen Schule Chinesisch lernen und gleichzeitig Deutschunterricht geben.

Doch als die ersten Fälle der nunmehr weltbekannten Lungenkrankheit Covid 19 in Wuhan auftraten (rund 1100 Kilometer entfernt), änderte sich alles für die jungen Frauen. „Bis zu unserer frühzeitigen Abreise – die war Anfang Februar – gab es in Dalian nur wenige Corona-Infizierte“, sagt Lena. Trotzdem sei die Stimmung in der 6,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt schnell umgeschlagen. „Dort haben sich die Regeln sehr plötzlich geändert. Hier in Deutschland konnte man sich besser daran gewöhnen. Es wurde viel mehr darüber geredet, was kommen könnte“, erinnert sie sich.

Chinesen von einem auf den anderen Tag zuhause

In China seien die Menschen von einem auf den anderen Tag viel zu Hause geblieben, hätten Masken getragen und gar nicht mehr mit Bargeld gezahlt. Wobei man einschränken müsse: „Wegen der Luftverschmutzung setzen die Chinesen in größeren Städten oft mal eine Maske auf. Und mit Bargeld zahlt da auch so gut wie niemand. Deswegen war die Umgewöhnung für sie wahrscheinlich nicht so schwer wie für viele Menschen hier“, vermutet die Pelkumerin.

Weitere Veränderungen folgten schnell: In den Restaurants von Dalian seien Speisen nur noch „to go“ (zum Mitnehmen) verkauft und vor den Einkaufszentren Fieber-Messstationen eingerichtet worden. „Wer eine zu hohe Temperatur hatte, durfte nicht rein“, erklärt Lena.

Einige Unterschiede zwischen China und Deutschland

Obwohl sie insgesamt nur gut drei Wochen in diesem Ausnahmezustand verbracht habe, seien ihr schon einige Unterschiede zwischen den Deutschen und den Chinesen im Umgang mit der Pandemie aufgefallen: „Deutschland hat von den Regelungen her besser gehandelt, aber ich glaube, die Menschen in China sind schneller drauf eingegangen.“ In Dalian zum Beispiel hätten die meisten ihre Masken sogar gern getragen, um andere zu schützen. „Hier merke ich da oft eine gewisse Abneigung.“

Als Vorteil empfindet Lena ihre doppelte Krisenerfahrung nicht. „Aber vielleicht hatte ich dadurch ein größeres Verständnis für Maßnahmen“, meint sie rückblickend. Ihre Neugier auf die chinesische Kultur hat ihr Corona jedenfalls nicht genommen. „Ich möchte noch einmal zurück – aber dann kürzer, als Urlaub oder Besuch“, sagt Lena. Ein bisschen ironisch findet sie, dass ihre Kontakte in Dalian mittlerweile wieder ein fast normales Leben führen: zur Schule gehen, reisen, Dinge unternehmen. Und das alles, während Hamm sich zum Corona-Hotspot entwickelt hat.

Einhalten der Regeln statt Reisen und Wien und London

In der aktuellen Situation kann sich die angehende Bankkauffrau deswegen kaum vorstellen, wegzufahren oder zu fliegen. „Eigentlich wollte ich im Dezember nach Wien oder London, aber das mache ich wahrscheinlich nicht. Es wäre einfach zu schade, das jetzt auf sich zu nehmen und dann gar nicht alles genießen zu können.“

Trotzdem habe sie Hoffnung, die Coronavirus-Pandemie irgendwann hinter sich lassen zu können. „Wenn man sich jetzt an die Regeln hält, dann kann man schneller wieder ins normale Leben zurückkehren. Deshalb komme ich gut zurecht mit den Maßnahmen.“

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