Hoffnung auf bessere Zeit

Corona-Frust sitzt „wirklich tief“: Das Auf und Ab in der Traditionsgaststätte Richter

Gaststätte Richter Oster-Dekoration Norddinker Corona-Leid
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Trotz österlicher Außendekoration an der Soester Straße: Die Wirtsleute glauben nicht an eine Öffnung zu den Feiertagen.

Die Corona-Zeit hat der Traditions-Gaststätte Richter in Norddinker Aufs und Abs beschert - die Abs wiegen in der Bilanz der Betreiber-Familie aber wesentlich schwerer.

Norddinker – Wenn Heinrich Richter auf den Lockdown angesprochen wird, schaut er auf und meint lakonisch: „Wir haben uns das nicht ausgesucht.“ Er betreibt mit seiner Frau das seit 152 Jahren bestehende Traditionshaus „Gaststätte Richter“ an der Soester Straße 428. Nach rund einem Jahr der Corona-Beschränkungen zieht er eine Zwischenbilanz.

Das vergangene Jahr habe erst gut begonnen: Der Januar und Februar seien vollkommen normal verlaufen. Anfang März hatte er sich mit seiner Frau noch einen Urlaub gegönnt. Kurz darauf habe das Drama begonnen: „Als wir wieder zurückkehrten, hatten wir am folgenden Wochenende noch drei Feierlichkeiten“, sagt Richter. Dann kam der erste Lockdown bis zum 11. Mai.

Als es wieder losging, sei alles wunderbar gewesen: „Wir hatten die Zeit genutzt, um unseren ganzen Garten aufzuarbeiten“, so Richter. Das kam an. Die Gäste genossen es, im Sommer bei kühlen Getränken und frischen Reibeplätzchen draußen zu sitzen. Auch wenn keine großen Feierlichkeiten stattfinden durften, es hatte immer etwas zu tun gegeben.

Corona-Frust bei Gasthaus-Familie Richter: Der erste Ärger kam im Frühjahr 2020

Plötzlich sorgte die Pandemie-Entwicklung dafür, dass es wieder „bergab“ ging. „Wir hatten eine große Geburtstagsfeier angenommen“, sagt er über den 10. Oktober. Die Richters erstellten ein Hygienekonzept und reichten es ein. Die Stadtverwaltung genehmigte es. Dann folgte ein Anruf, und die Wirtsleute erfuhren, dass statt mit 40 maximal mit 25 Gästen gefeiert werden dürfe.

„Wir haben daraufhin die Gäste informiert. Alle hatten Verständnis“, sagt Richter. Entsprechend bereiteten sich alle Beteiligten darauf vor. Schließlich fanden sich 22 Besucher ein, die den Jubeltag mit einem Frühstück begannen.

Völlig unerwartet schaltete sich erneut das Ordnungsamt ein. „Da traten zwei Mitarbeiter ein und meinten, wir könnten sofort wieder schließen“, sagt Richter. Das sei ein Schlag gewesen. Aber er gab nicht auf. Er zeigte sein genehmigtes Hygienekonzept und die Anmeldungen vor. Er bot den Mitarbeitern des Ordnungsamts an, im Saal die Gäste durchzuzählen. Erst dann lenkten die Ordnungsamts-Mitarbeiter ein und verließen das Lokal. „So etwas ärgert einen natürlich. Inzwischen sitzt der Frust wirklich tief“, sagt Richter.

Corona-Frust bei Gasthaus-Familie Richter: „Corona wird uns noch länger beschäftigen“

Die nächste Schließung ließ nicht lange auf sich warten. Der zweite Lockdown kam im Dezember. In der Zeit haben laut Richter die November- und Dezemberhilfen gegriffen. „Die haben wir über unseren Steuerberater beantragt und, nach ersten Abschlägen, auch voll bekommen“, sagt der Gastronom. Ihr Glück sei ja, dass die Immobilie ihr Eigentum ist, wenn auch alle anderen Kosten, etwa die Versicherungen, weiterliefen.

Die Gesamtsituation liefert viel Potenzial, um Trübsal zu blasen. Die Gefahr von Depressionen komme aber nicht auf, sagt Richter, weil sie immer etwas zu tun hätten. „Zuerst hatten wir ja unseren Gartenbereich komplett überarbeitet, dann mussten wir im Winter den Schnee vom Dachboden holen“, sagt Richter mit Galgenhumor.

Er glaubt, dass das Thema Corona die Menschen noch eine ganze Zeit begleiten werde. „Meine Tochter ist Arztassistentin und auch sie sagte, das werde nicht schnell vorbei sein“, so Richter.

Corona-Frust bei Gasthaus-Familie Richter: Enttäuschung über langsames Internet

Die zweite Tochter lebt in Schleswig-Holstein und hat bei beiden Corona-Höhepunkten stets sich auf dem Laufenden gehalten und zuhause angerufen. „Schon als Hamm durch die Hochzeit in allen Schlagzeilen war, wie zuletzt, als der nachgewiesene Virus-Mutant bundesweit für Schlagzeilen sorgte, fragte sie, wie es uns geht,“, so Richter. Er habe sie aber schnell beruhigen können.

Was die Krise nebenbei aufgezeigt habe, sei der fehlende Ausbau des schnellen Internets. „Die Leitungen liegen schon in der Straße, müssen aber noch in die Häuser“, sagt Richter über die Glasfaser-Verlegung im ländlichen Osten der Stadt. Ob junge Familien oder Senioren, auch auf dem Land wäre der Anschluss jetzt sinnvoll gewesen.

Trotz allem gelingt es Richter, sich die Hoffnung auf bessere Zeiten zu bewahren. Allerdings, an eine Öffnung der Gaststätte zu Ostern glaubt er noch nicht.

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