Nach Lockdown-Verlängerung

Corona-Frust bei Gastronomen: „Flickenteppich versteht keiner“

Vor dem Hardy’s in Hamm wurde vor Wochen extra ein Zelt aufgebaut.
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Weiter keine Gäste ... Vor dem Hardy’s wurde vor Wochen extra ein Zelt aufgebaut. Genutzt wurde es kaum.

Die Verlängerung des sogenannten „Lockdown light“ wirkt sich auf Tausende Hammer aus. Besonders betroffen ist wieder (oder immer noch) die Gastronomie.

Hamm - Dass der Lockdown nun verlängert wird, kam für die Hammer Wirte und Restaurantbetreiber am Mittwoch nicht überraschend. „Das hat sich doch angekündigt. Und so lange die Zahlen so hoch sind, ist es auch irgendwie nachvollziehbar“, sagte Hartmut Weiß, Betreiber des „Hardy’s“ in der Oststraße. Was ihn und seine Kollegen jedoch massiv ärgert ist, dass die angekündigten Novemberhilfen von Bund und Land bisher nicht abrufbar waren. (News zum Coronavirus in Hamm.)

Erst seit Donnerstag ist die Beantragung möglich. Zudem heiße es, dass bis zu 75 Prozent des Umsatzes erstattet würden. „Was heißt das: ,Bis zu...’“, fragt sich der Kneipier. Wahrscheinlich werde es dann nur auf eine Erstattung von Miet- und Stromkosten hinauslaufen. „Einen Reibach wird da niemand machen“, so Weiß.

„Glaube nicht, dass alle wieder aufmachen“

Olaf Weber, der zusammen mit seiner Frau das „Alte Fährhaus“ im Kurpark betreibt, war ebenfalls ziemlich bedient. „Die Maßnahmen bringen nichts und treffen die Falschen. Das Ganze ist ein Flickenteppich, den keiner versteht“, so Weber. Auch er warte auf die angekündigten Hilfen, bei vielen Gastronomen seien die eigenen Reserven längst aufgbraucht.

„Und ich glaube auch nicht, dass nach dem Lockdown alle Betriebe wieder aufmachen werden“, ergänzt Weber. Mit „viel Glück“ werde er 2020 50 Prozent des Vorjahresumsatzes einfahren. Eigentlich wären all seine Gesellschaftsräume seit September ausgebucht gewesen, fast nichts konnte stattfinden.

„Die Frage ist, was alles abgezogen wird“

Der November und Dezember gelten als die einnahmestärksten Monate für Betriebe wie das „Fährhaus“ oder das „Hardy’s“. Für den Hotel- und Restaurantbetrieb „Gut Kump“ sind (auch) das Frühjahr und insbesondere der Sommer die Umsatzbringer. „Wir hatten bereits im November geschlossen und entschieden, dass wir auch den Dezember nicht mehr öffnen werden“, sagte Betreiber Hendrik Wilms-Schulze Kump. „Aber auch wenn sie dürfen: Die Leute kommen trotzdem nicht“, sagte er mit Blick auf Geschäftsleute und Tagungen von Unternehmen.

Auch Wilms-Schulze Kump ärgerte sich über die unklare Lage bei den finanziellen Hilfen. „Es wird wohl Geld geben. Die Frage ist aber, was alles abgezogen wird.“

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