Maskenpflicht im Klassenraum - Gruppen begrenzt...

Corona-Hotspot Hamm: Deutschlandweit die höchsten Zahlen - Regeln drastisch verschärft

Eine Schülerin sitzt mit Maske im Unterricht.
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Eine Schülerin sitzt mit Maske im Unterricht. An weiterführenden Schulen in Hamm wird genau das übergangsweise wieder verpflichtend sein.

Weil die Corona-Zahlen in Hamm weiter steigen, reagiert die Stadt mit zusätzlichen Maßnahmen. Das betrifft die weiterführenden Schulen und Personengruppen in der Öffentlichkeit - aber eben nicht nur.

Hamm - In Hamm stieg die Zahl der akut mit Corona Infizierten von Montag auf Dienstag um weitere 31 auf nunmehr 164 Personen. Damit ist nach Angaben der Stadt jetzt ein RKI-Wert von 87,1 erreicht - das ist deutschlandweit der höchste. Die allermeisten Fälle gehen auf eine bestimmte Veranstaltung zurück. In Abstimmung mit der Landes- und Bezirksregierung reagierte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann darauf nun mit diesen zusätzlichen Maßnahmen (sie gelten vorerst bis zum 6. Oktober):

Schulen: An den weiterführenden Schulen müssen die Schüler ab Mittwoch auch in den Unterrichtsräumen wieder einen Mund- und Nasenschutz tragen. Ausnahmen gibt es nur dort, wo ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. NRW-weit ist Hamm die erste Kommune, die diese Karte jetzt wieder zieht. Aktuell gelten in Hamm 37 Schüler als infiziert (die Jahnschule kam am Dienstag neu hinzu, an der Scholl-Schule und am MGH gibt es stadtweit die meisten Fälle), mehr als 700 Schüler sind in häuslicher Quarantäne. In vielen Schulen findet inzwischen wieder Distanz-Unterricht statt.

Gruppen: Im öffentlichen Raum dürfen die Menschen in Hamm ab Mittwoch grundsätzlich nur noch Gruppen von höchstens fünf Personen bilden. Sind nachweislich nur zwei Haushalte zusammen, können es auch mehr sein. Das gilt auch und besonders für die Gastronomie.

Veranstaltungen: Für Veranstaltungen aller Art gilt eine Maskenpflicht, sofern die üblichen Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Die Handball-Partie ASV-Emsdetten (2. Oktober) muss ohne Zuschauer stattfinden; das entspricht der bundesweiten Regelung für RKI-Werte über 35. Und nicht nur das: Die dramatische Corona-Entwicklung hat auch weitere bittere Konsequenzen für den Sport in Hamm.

Seniorenheime: Alle Seniorenheime in der Stadt Hamm werden nach und nach durchgetestet; das betrifft 29 Einrichtungen mit rund 1900 Menschen.

Kirmes: Der temporäre „Hammer Kirmes-Park“ an den Zentralhallen wurde gestoppt. Er sollte eigentlich bis kommenden Sonntag laufen und erfreute sich als Alternative zum abgesagten Stunikenmarkt großer Beliebtheit. Noch am Vorabend hatte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann der Umsetzung Lob gezollt; er zeigte sich daher über die Absage ebenso unglücklich wie Kirmes-Chef Uwe Röhrig (mehr dazu unten im Artikel). Der „Hammer Kirmes-Park“ war mit knapp 1400 erlaubten Gästen am Freitag gestartet und am Sonntag schon auf 999 gleichzeitig zugelassene Besucher gedrosselt worden. Im Maxipark und im Tierpark sei es wegen der Größe einfacher, die Abstände zu wahren: Daher dürften diese Einrichtungen weiter geöffnet bleiben, erklärte der OB.

Luftbilder vom Hammer Kirmes-Park an den Zentralhallen

Luftbilder vom Hammer Kirmes-Park an den Zentralhallen

Corona-Hotline: Ab Mittwochmorgen gibt es im Ordnungsamt eine eigene Hotline, die nur für Anliegen zu privaten Feierlichkeiten da ist und damit die eigentliche, arg überlastete Hotline ergänzen soll. Sie wird von Mittwoch bis Freitag zwischen 8.30 und 18 Uhr besetzt und unter 177299 erreichbar sein. 5 Mitarbeiter der Verwaltung seien dafür abgezogen worden, so der OB. Er bittet zugleich um Geduld, da die Zahl der Anrufe aktuell insgesamt immens hoch sei. Genervte Leser berichteten der Redaktion, dass sie übe die Corona-Hotline niemanden erreichen und nicht mal auf den angebotenen Anrufbeantworter sprechen konnten. Die Zahl der mit Corona-Aufgaben betrauten Stadt-Mitarbeiter liegt inzwischen bei rund 160 (Montag: 130).

Private Veranstaltungen (Links):

Online-Formular zur Anzeige von Feierlichkeiten

Teilnehmerliste für Feste (PDF)

Erst am Montag waren für Hamm Beschränkungen vor allem für private Veranstaltungen bekanntgegeben worden, auch der verkaufsoffene Sonntag und das Genussfest wurden abgesagt.

Reisen: Da in Deutschland keine Risikogebiete ausgewiesen werden, können die Hammer trotz der hohen Fallzahlen „hinfahren, wo sie wollen“, stellt der OB klar. Allenfalls Einzelfallentscheidungen von Vermietern könnten dagegen stehen. Ganz korrekt scheint das Ganze aber nicht generell zu sein: Der Redaktionen wurden bereits erste Stornierungsfälle bekannt, zum Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Kollegen der Frankfurter Rundschau haben die rechtlichen Aspekte gut aufgearbeitet - das Stichwort lautet „Beherbungsverbot". Bitte informieren Sie sich im Zweifel online auf den Seiten des entsprechenden Bundeslandes (zum Beispiel wie hier Schleswig-Holstein) oder direkt bei Ihrem Vermieter! Eine Übersicht über das Vorgehen der Bundesländer hat die Dehoga online zusammengestellt.

Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind.

Coronavirus in Hamm: Hochzeit und Zahlen am Dienstag

Von den aktuell 164 akut Infizierten sind 117 weiblich und 47 männlich. 31 Neuinfektionen kamen am Dienstag hinzu: Von diesen stehen laut Stadt 30 im direkten Zusammenhang mit der Hochzeit, dazu kommt ein Reiserückkehrer. 7 der infizierten Hammer werden im Krankenhaus behandelt, darunter einer intensivmedizinisch.

Von den 164 bekannten Corona-Infizierten stehen 99 im direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Hochzeitsfeierlichen in Hamm, Dortmund und Werl. Der Stadt sind inzwischen 309 (!) Hochzeitsgäste bekannt, die aus Hamm kommen; am Montag lag diese Zahl noch um 80 darunter. Im OB-Büro sind der Austragungsort in Hamm sowie die Namen des Brautpaares bekannt. Gegen das Lokal soll ein saftiges Bußgeld (mindestens 2500 Euro) verhängt werden; ob auch das Brautpaar belangt werden kann, wird derzeit geprüft.

Mit den inzwischen 10 Corona-Mobilen der Stadt und im Testzentrum an der Alfred-Fischer-Halle wurden bis Dienstagmittag 14.454 Proben genommen. 1757 (!) Hammer sind aktuell in häuslicher Quarantäne; dieser Zahl stehen 6648 gegenüber, die das seit März hinter sich gebracht haben. 694 Hammer gelten als von einer Corona-Infektion genesen.

Coronavirus in Hamm: die weiteren Aussichten

OB Hunsteger-Petermann geht zwar nicht davon aus, dass die Zahl von 164 der Schlusspunkt ist, glaubt aber angesichts der stark auf die Hochzeit begrenzten Entwicklung, um noch schärfere Maßnahmen wie einen neuerlichen Lockdown herumzukommen. Er hofft auf sinkende Zahlen ab der kommenden Woche und darauf, die genannten einschneidenden Maßnahmen nach 14 Tagen schrittweise wieder zurücknehmen zu können.

Hunsteger selbst hat wegen der „Ausnahmesituation“ fast alle Wahlkampftermine abgesagt. Es gehe nun darum, für die Bürger möglichst viel „Normalität aufrecht zu erhalten“.

Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm

Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm
Corona Testungen an der Alfred-Fischer-Halle Hamm

Coronavirus in Hamm: Arzt rechnet mit Auslaufen der Welle

Eine Hochzeitsfeier als Virenschleuder, die Stadt will einen Lockdown mit aller Macht verhindern: Wie aber ist gewährleistet, dass sich der bekannte Infektionsherd nicht in die Fläche ausbreitet? Und was macht derartige Feiern überhaupt so gefährlich? WA.de sprach mit Chefarzt Dr. Markus Unnewehr, unter anderem Leiter der Infektiologie an der St.-Barbara-Klinik in Hamm, über das aktuelle Szenario:

Was macht Sie angesichts der rasant gestiegenen Neuinfektionen zuversichtlich, dass sich daraus kein Flächenbrand entwickelt?
Unnewehr: Im Januar oder Februar hätte es zum Flächenbrand kommen können. Inzwischen sind wir aber viel besser aufgestellt. Das Feuer endet am nächsten Wassergraben, um im Bild zu bleiben. Da sind beispielsweise die Masken, die wir zum Schutz tragen, und die Sicherheits- und Hygienekonzepte, die erarbeitet worden sind.
Aber die infizierten Menschen haben sich ja vermutlich eine Zeit lang weiter im öffentlichen Raum bewegt.
Unnewehr: Ja, aber das Umfeld ist besser geschützt. Ich glaube nicht, dass es zu einem Kontrollverlust in der Stadt kommt. Es kann sein, dass die Zahlen ansteigen, aber trotzdem wird sich die Infektion auslaufen. 95 Prozent der Menschen haben die Regeln verstanden.
Und fünf Prozent haben eine Hochzeit gefeiert ... Warum sind gerade solche Feiern so gefährlich?
Unnewehr: Enger Kontakt auf Sprechdistanz oder näher, der Faktor Zeit und die Aerosolbildung, also die schwebenden Teilchen, spielen die entscheidende Rolle. Laut Robert-Koch-Institut ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, sich auf Feiern binnen 15 Minuten anzustecken: Grölende Gäste, Teilchen, die aus dem Rachen kommen, verteilen sich in engen Räumen und das bei meist schlechter Belüftung. Man denke an Infektionsszenarien im Karneval oder in Ischgl.
Dr. Markus Unnewehr, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an der St.-Barbara-Klinik Hamm. Er glaubt: „Das Feuer endet am nächsten Wassergraben.“

Coronavirus in Hamm: Kirmes-Chef schockiert

„Das ist ein ganz tief sitzender Schock und ein finanzielles Fiasko für unseren Verein und die Schausteller“, sagte Uwe Röhrig in einer ersten Stellungnahme. Er hatte mit seinem Schaustellerverein „Hand in Hand“ den Kirmes-Park organisiert. Der Verein und Stadt hätten ein Hygienekonzept erarbeitet, das getragen hat. Die vergangenen vier Tage bezeichnet Röhrig als ausgesprochen positiv erfolgreich: „Wir und unsere Besucher haben sich vernünftig verhalten und müssen nun darunter leiden, dass das einige andere wohl nicht gemacht haben.“ Gleichwohl komme die Absage nicht vollkommen überraschend. Angesichts der steigenden Zahlen habe solch ein Schritt im Raum gestanden.

Die Buden und Fahrgeschäfte sollen erst einmal auf dem Platz den Zentralhallen stehen bleiben. Uwe Röhrig hegt die Hoffnung, dass sich die Situation verbessert und eventuell zum Wochenende der Park wieder öffnen könnte. Nach einer Vorstandssitzung wollen sich alle Schausteller zusammensetzen.

Auch andere Städte nähern sich dem kritischen Wert, berichtet Ruhr24.de*. So hat Remscheid am Dienstag schärfere Regeln verkündet. - *Ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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