Corona-Auflagen im Hospiz: Letzter Weg nochmals schwerer

Annette Nasse engagiert sich beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.
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Annette Nasse engagiert sich beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.

Die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen lebt von der persönlichen Nähe und Begegnung. Die Hand des Sterbenden halten, Angehörige in den Arm nehmen – das ist zur Zeit der Corona-Pandemie nicht möglich.

Hamm – Selbst ein aufmunterndes Lächeln ist hinter der Mundschutzmaske oft nicht zu sehen. „Die Nähe ist gerade nur sehr eingeschränkt möglich“, sagt Marion Kleditzsch. Sie ist Sprecherin des Christlichen Hospiz „Am Roten Läppchen“. Sechs Gäste werden derzeit in dem Haus an der Dolberger Straße betreut. Sie verbringen dort die letzten Wochen oder Tage ihres Lebens – und das unter erschwerten Bedingungen. Die Gäste dürfen nur einen Besucher täglich empfangen.

Kleditzsch: „Dafür sind die üblichen Hygienemaßnahmen und eine Registrierung Voraussetzung.“ Das heißt, jeder Besucher muss Handschuhe tragen, eine Mundschutzmaske aufsetzen und einen Kittel überziehen. Auch die ehrenamtlichen Helfer, die sonst regelmäßig ins Hospiz kommen und gemeinsam mit Gästen sprechen, spazieren gehen oder spielen, dürfen das Haus nicht betreten. „Das ist sehr zermürbend und stimmt viele traurig“, so Kleditzsch.

Dafür ist jetzt besondere Kreativität gefragt. Abends gibt es am Zaun des Hospizes oftmals kleine Konzerte. Musiker kommen und spielen Musikstücke. Szenen, die Hausbewohnern und Mitarbeitern Tränen in die Augen treiben. „Wir sind froh, dass wir nicht vergessen werden.“

Oma sieht Enkelkind durch geschlossene Tür

Im Haus wird alles getan, um die Wünsche der Gäste zu ermöglichen. Das ist zur Corona-Zeit nicht immer leicht. Erst kürzlich sei eine Bewohnerin Großmutter geworden, durfte das Kind wegen des Besuchsverbots aber nicht sehen. Schließlich gab es doch einen Weg: Das Neugeborene wurde durch die geschlossene Terrassentür der Oma gezeigt. „Ein ergreifender Augenblick, von dem die sterbenskranke Frau noch lange zehrte“, erinnert sich Marion Kleditzsch.

„Corona läuft der Hospizarbeit entgegen“, sagt auch Sylvie Blätgen. Sie ist Koordinatorin beim ambulanten Hospizdienst. Aufgabe des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Hamm ist es, schwerkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase in gewohnter häuslicher Umgebung ein würdiges Leben bis zuletzt zu ermöglichen. „Das ist unter den derzeitigen Bedingungen sehr schwer“, sagt Blätgen. „Bis auf weiteres sind wir angewiesen, auf jeglichen persönlichen Kontakt zu verzichten“, so die Koordinatorin.

Schon selbst gebackener Kuchen bringt Freude

Wenn Ehrenamtlichen die Arbeit am Patienten in Zeiten der Pandemie untersagt ist, dann können sie zumindest am Telefon weiter unterstützen. Wegen der Einschränkungen im häuslichen Bereich telefonieren die ehrenamtlich tätigen Hospizbegleiter sehr viel, schreiben Briefe oder Postkarten und erledigen kleine Besorgungen. Blätgen: „Auch ein selbst gebackener Kuchen hat – einfach vor die Tür gestellt – schon für eine freudige Überraschung gesorgt“.

Darüber hinaus werden Fotos oder auch persönliche Videos verschickt. Einige Begleiter, die ihren Patienten oft vorgelesen haben, nehmen inzwischen Geschichten auf und versenden diese Aufnahmen über Messenger-Dienste.

Unterstützungsangebote fallen weg

Kreativität ist auch das Mittel, mit dem der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst aus Hamm derzeit seine Patienten betreut. Der Dienst mit Sitz am Caldenhofer Weg betreut vor allem Familien, in denen ein Kind lebensverkürzend erkrankt ist. Wichtig sei es, mit den Familien in Kontakt zu bleiben, so Koordinatorin Lioba Brune. Die Familien, die durch den Dienst in Hamm betreut werden, bekämen derzeit häufig Post vom Kinder- und Jugendhospizdienst. Oft würden Neuigkeiten oder kleine Geschenke versendet.

Leider fielen viele Unterstützungsangebote wegen der aktuellen Situation weg. Brune: „Es darf bei den Familien aber nicht zum Gefühl des Alleingelassenseins führen.“

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