Der Leiter des Kulturamts blickt zurück

Albtraum nach 40 Jahren Euphorie: Ulrich Weißenberg im Ruhestand

Ulrich Weißenberg vor „seinem“ Kurhaus, dem Sitz des städtischen Kulturbüros.
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Ulrich Weißenberg vor „seinem“ Kurhaus, dem Sitz des städtischen Kulturbüros.

Es ist ein wehmütiger Abschied. In den letzten Wochen seiner jahrzehntelangen Amtszeit erlebt Ulrich Weißenberg, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hamm, albtraumhafte Tage: Wegen der Corona-Krise hat er zahlreiche Kulturveranstaltungen für 2020 absagen müssen.

Hamm – „Das ist frustrierend, nach 40 Jahren Euphorie“, bewertet Ulrich Weißenberg die aktuelle Situation in Hamm rund um die Corona-Pandemie. Dennoch blickt der Kulturmann stolz zurück. „Es waren tolle 40 Jahre, und ich möchte kaum einen Tag davon missen“, resümiert er. „Man war im wahrsten Sinne des Wortes ,Kulturschaffender im Dienste der Stadt‘. Diese Aufgabe ist eine der schönsten, die die Stadt Hamm einem bieten kann.“

Hammer „Kulturchef“ zu sein, das ist für Ulrich Weißenberg seit seinem Amtsantritt im Jahr 1990 immer Beruf und Berufung in einem gewesen. Der waschechte Hammer fühlt sich pudelwohl in seiner Heimatstadt, deren kulturelles Leben er entscheidend geprägt hat. An diesem 8. Mai 2020 geht er in den Ruhestand.

Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kam der Diplom-Soziologe mit Schwerpunkt Raum- und Regionalplanung Ende 1979 zur Stadt Hamm. Damals schrieb er den 1. Sportentwicklungsplan für Hamm. „Den habe ich heute noch hier liegen“, offenbart er schmunzelnd.

Landesgartenschau erste Superaufgabe

1983 wechselte er als persönlicher Referent ins Büro des Oberbürgermeisters Werner Figgen und später von Oberbürgermeisterin Prof. Sabine Zech. Dort fungierte er nicht nur als Redenschreiber, sondern unterstützte bei der Landesgartenschau 1984 in Sachen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. „Die Landesgartenschau war das erste große, zentrale und von allen gemeinsam getragene Projekt, das identitätsstiftend für die Stadt Hamm wirkte“, berichtet er und ergänzt: „Das waren absolut spannende Jahre.“

Anfang 1986 avancierte Weißenberg zum Werbeamtsleiter. Mit gerade mal 30 Jahren war er seinerzeit der jüngste Amtsleiter der Stadt Hamm. In der neuen Position ließ er seiner Kreativität und seinem Organisationsgeschick weiter freien Lauf. Er entwickelte erste neue Veranstaltungsformate und fungierte als Ideengeber für Hamms bis heute größte Veranstaltung: Dem Stunikenmarkt, der seinerzeit in die Innenstadt zurückverlegt wurde, verhalf er zu seinem einprägsamen Namen.

Enthusiasmus und Gestaltungswillen

Als ihm dann 1990 die Stelle als Leiter im Kulturamt (heute Kulturbüro) angeboten wurde, überlegte Weißenberg nicht lange. „Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und dann zugesagt“, erzählt er über jene wegweisende Entscheidung, die er bis heute nie bereut hat. Mit viel Enthusiasmus und reichlich Gestaltungswillen machte er sich an die Arbeit.

„Mich reizt es, Lösungen für Probleme zu finden und mit Kreativität etwas anzugehen, das im Ergebnis alle zufriedenstellt“, bringt er seine Philosophie auf den Punkt. Bei seinem Amtsantritt gab es lediglich ein klassisches Theater- und Konzertprogramm für das damals marode Kurhaus und den Saalbau Bockum-Hövel. „In den vergangenen 30 Jahren haben wir die Kulturinfrastruktur in Hamm völlig neu aufgestellt.“

Viele Meilensteine der Kulturentwicklung

2002 wurde der pfiffige Tausendsassa zudem zum hauptamtlichen Geschäftsführer der Hallenmanagement Hamm GmbH berufen – mit der Aufgabe, vorrangig Hamms heutige „Kulturadresse Nummer 1“, das Kurhaus Bad Hamm, und die Alfred-Fischer-Halle wirtschaftlich zu managen und dabei die Stadt Hamm als Kultur-, Tagungs- und Kongressstandort auszubauen. Seit 2005 ist Ulrich Weißenberg auch Fachbereichsleiter Kultur.

In seine lange Amtszeit fallen viele Meilensteine der Kulturentwicklung in Hamm: Von der Eröffnung des neuen Gustav-Lübcke-Museums über den Umbau der Alfred-Fischer-Halle zur multifunktionellen Event-Location bis hin zur Eröffnung des Heinrich-von-Kleist-Forums. (Weitere siehe Liste unten.)

„Hamm ist heute eine Kulturstadt“

„In Summe sind in dieser Zeit über 65 Millionen Euro allein die Kulturinfrastruktur der Stadt Hamm investiert worden“, so der Hammer Kulturchef, der zudem für vielfältige neue Kulturveranstaltungen verantwortlich zeichnet: darunter den Kunst-Dünger und Formate mit überregionaler Strahlkraft wie den Klassik-Sommer und das Internationale Jazzfestival Hamm, das dem Jazzliebhaber besonders am Herzen liegt. Gerne betont er darum, Hamm sei heute auch eine Kulturstadt, „worauf wir alle sehr stolz sein können. Daran einen Anteil zu haben und diese Projekte mit begleiten und mit gestalten zu können, lassen mich auf eine überaus zufriedenstellende Berufsphase zurückblicken“.

Ulrich Weißenberg wäre nicht Ulrich Weißenberg, hätte er für seinen Ruhestand nicht auch schon jede Menge Pläne. „Da fange ich bei den Wurzeln meiner beruflichen Karriere wieder an“, verrät er augenzwinkernd. „Ich werde wieder mehr Sport treiben. Bis dato habe ich mir vorgenommen, jährlich mindestens 5000 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, was auch immer geklappt hat. Nun werde ich die Zielvorgabe für das Radfahren auf 10.000 Fahrradkilometer per anno erhöhen und gleich mal schon damit anfangen.“

Außerdem freut sich der zweifache Großvater auf mehr Zeit mit den Enkelkindern und das Kulturleben aus der Zuschauerperspektive. Und wenn dann noch Zeit ist, wird er seinen großen Traum verwirklichen: Urlaub auf Bora Bora, einer kleinen Insel im Südpazifik...

Meilensteine der Hammer Kultur-Infrastruktur:

  • 1993 Eröffnung des Neubaus des Gustav-Lübcke-Museums
  • 1996 Eröffnung der Stadthausgalerie mit bis heute genau 100 von Weißenberg zu verantwortenden Ausstellungen
  • 2003 Eröffnung des Neubaus des Theater- und Konzertsaals des Kurhauses Bad Hamm
  • 2003 Eröffnung des Kulturbahnhofs mit Sitz des Helios-Theaters
  • 2004 Umbau der Alfred-Fischer-Halle zur multifunktionalen Event-Location
  • 2006 Renovierung des soziokulturellen Zentrums Oberonstraße (Kulturwerkstatt)
  • 2008 Errichtung des Musikpavillons im Kurpark Bad Hamm
  • 2010 Eröffnung des Heinrich-von-Kleist-Forums mit neuer Zentralbibliothek und Volkshochschule
  • 2012 Umbau der Musikschule
  • 2015 Renovierung des Gustav-Lübcke-Museums

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