Suche nach neuen Bahnen

Nach Aus von Gasthäusern 100 Kegelclubs auf dem Trockenen

Griff zur Kugel: Kegeln ist seit einiger Zeit – unter Hygieneauflagen – wieder erlaubt.
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Wo soll die Kugel rollen? Viele Hammer Clubs brauchen eine neue Bahn. (Symbolbild)

Durch die Schließung der beiden Gaststätten Haus Berkemann an der Peterstraße und Drees „Zur krausen Linde“ an der Hafenstraße ist in Hamm nicht nur ein großes Stück Gastronomiegeschichte verloren gegangen, sondern damit sind auch über 100 Kegelclubs heimatlos geworden.

Hamm – Einige Freunde dieses geselligen Breitensports haben bereits ein neues Zuhause gefunden, andere sind derzeit händeringend auf der Suche nach einer neuen Bahn, wo sie ihrem Hobby wieder nachgehen können. „Bei Drees gehörten wir quasi mit zur Familie. Das macht die ganze Sache noch trauriger“, sagt Manfred Roland vom Kegelclub „Knobelrunde“.

Roland und seine neun Mitstreiter, die seit über 25 Jahren die Kugeln ins Rollen bringen, haben zumindest das große Glück, dass sie bereits eine neue Heimat gefunden haben. Sie werden sich, sobald es nach dem Corona-Lockdown wieder erlaubt sein wird, in Pinter‘s Pinte treffen. „Darauf freuen wir uns“, sagt Roland, doch in seinen Worten schwingt auch eine Menge Wehmut mit: „Bei Drees gehörten wir zu den Leuten, die mit im Wohnzimmer bei der Familie sitzen durften. Das ist alles schon sehr bitter.“

Jahrzehntelanges Kegeln bei Drees beendet

Auch Werner Semsker und seine ehemaligen Kollegen von der Polizei sind in der glücklichen Lage, eine Nachfolgebahn gefunden zu haben. Sie werden demnächst in der Isenbeck-Deele versuchen, alle neun Kegel abzuräumen. „Auch wenn der Großteil unserer Truppe schon über 65 Jahre alt ist, sind wir noch zu jung, um aufzuhören“, sagt Semsker. Mitte der 1960er Jahre hatte sich der Club mit dem Namen Trinkbruderschaft Sankt Heinrich KEV gegründet. Und seitdem haben sich Semsker und seine sieben Kollegen sowie ein Gastkegler alle drei Wochen von 16 bis 20 Uhr bei Drees getroffen.

„Der Club hat den Namen in Erinnerung an einen Kollegen, der gut einen Vertragen konnte. Und das KEV kann heißen ‚Kein eingetragener Verein‘ oder auch ‘Kann einen vertragen‘, erklärt Semsker, dem es sichtlich schwer fällt, dass die Gaststätte Drees nun der Vergangenheit angehört: „Ich war noch zuletzt da und habe unsere Schuhe abgeholt. Das tut uns allen sehr leid, wir haben uns da immer sehr, sehr wohl gefühlt.“

Suche nach neuen Kegelbahnen

Hans-Werner Bock und seine Freunde von den „Pumpenkillern“ bedauern es ebenfalls, dass sie nun erneut ihr Domizil wechseln müssen. Früher kegelten sie an der Wittekindstraße, anschließend bei Drees, ehe es nun ins Lokal „Zum Stefan“ in Heessen geht. „Da sind wir jetzt vorgemerkt“, sagt Bock, dessen Club sich vor zehn Jahren nach einigen Austritten neu formiert hatte und der dem Umzug sogar etwas Gutes abgewinnen kann: „Im Stefan hat man mehr Platz, da ist es nicht so beengt.“

Noch keine Idee, wie es mit den „Sonntagskeglern“ weitergehen soll, hat Peter Kommander. Der 1978 an einem Sonntag gegründete Verein besteht aus zehn Mitglieder und hat sich bislang immer freitags zum Kegeln getroffen. Zuerst zehn Jahre lang am Bockelweg in Heessen, anschließend an der Hafenstraße. „Für mich ist die Schließung von Drees doppelt bitter.

Vom Kegelclub wissen wir noch nicht wohin. Und auch unser Gesangsverein Concordia hat noch kein neues Zuhause“, sagt Drees und befürchtet, so eine Gastfreundlichkeit woanders nicht wieder zu finden: „Die Familie Drees waren die perfekten Wirtsleute. Das Essen war toll, und die waren immer supernett. So etwas gibt es heute nur noch selten, so etwas fehlt in Hamm.“ Jetzt halten die Sonntagskegler vom Freitag Ausschau nach einer neuen Heimat, haben dabei aber auch klare Vorstellungen, was sie suchen: „Wir wollen am liebsten im Hammer Westen bleiben. Und wir wollen die Gemütlichkeit beibehalten.“

Unklar ist auch noch, wie es mit den „Umwerfenden“ weitergehen soll. Die acht Kegler kommen aus verschiedenen Stadtteilen und treffen sich immer mittwochs. Man suche eine Kegelbahn, die zentral gelegen und in der Woche geöffnet sei, sagt Keglerin Birgit Stork. Erfahrungen mit Schließungen habe ihr Club in den 15 Jahren seines Bestehens zu genüge gemacht: Zuerst sei man bei „Lippmann am Boll“ gewesen, dann bei Paschen und schließlich bei Drees. Nach etwas Neuem habe man sich noch nicht umgesehen: Man müsse sehen, wer nach der Pandemie wieder öffne.

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