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Das ist neu: Gebrauchtwagen in Hamm immer teurer - Chipmangel spürbar

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Von: Markus Liesegang

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Denny Lux arbeitet bei Opel Ebbinghaus.
Denny Lux von Opel Ebbinghaus weist auf längere Lieferzeiten hin. © Liesegang/ Digitalfoto

Der Mangel an Computerchips ist weltweit insbesondere für die Automobilindustrie ein großes Problem - und erreicht mitunter auch den Gebrauchtwagenhandel, wie Hammer Unternehmer berichten können.

Hamm – Chipmangel sorgt für lange Wartezeiten bei Neuwagen aller Fabrikate. Motorsteuerung, Sensoren und die ganzen Komfortmodule wie Klimaanlage oder die so genannte Konnektivität, die Vernetzung des Automobils mit Smartphone und Tablet – die gesamte Funktionalität hängt von Mikroprozessoren ab. Bis zu 15 Monate wartet der Kunde aktuell auf einen Neuwagen. Keine Neuwagen heißt zudem, gute Gebrauchte sind ebenfalls Mangelware. Das Altauto wird natürlich so lange weitergefahren, bis der Neue vor der Tür steht. Ein Dominoeffekt.

Gebrauchtwagen durch Chipmangel nun deutlich teurer

„Es ist tatsächlich sehr schwierig im Moment“, beschreibt Volkan Günes die Situation. „Aber es ist nicht so, dass gar nichts geht“, deutet der Geschäftsführer des Gebrauchtwagenhändlers Excellent Cars auf den scheinbar vollen Hof an der Kamener Straße.
„Normal verkaufen wir im Monat um die 150 Fahrzeuge, jetzt sind es so 80, 90“, erklärt er. Außerdem seien die Preise angezogen. „Das Auto, das ich gestern für 20 000 Euro verkauft habe, kostet jetzt 23 000.“

Markt für Gebrauchtwagen wie leer gefegt

Sein Unternehmen ist spezialisiert auf Leasingrückläufer und Jahreswagen aller Fabrikate. Der Markt ist leer gefegt. „Wir versuchen EU-Fahrzeuge zu bekommen, aber das ist ein Haifischbecken. Dort werden Autos für Preise versteigert, für die wir sie verkaufen.“ Günes denkt, dass diese Situation noch eine Zeit lang so bleiben wird. „Erst im August 2022 soll die Neuwagenproduktion sich wieder normalisieren“, so der Geschäftsführer.

Potti winkt vorm Autohaus Potthoff.
Auch beim Autohaus Potthoff kommen weniger Autos an. © Liesegang/ Digitalfoto

Dass sich die Lage im kommenden Jahr bessern werde, hofft Christoph Maaßen, Geschäftsführer des Autohauses Potthoff in Bockum-Hövel. „Je nach Modell gehen die Lieferzeiten nach oben.“ Auf sechs bis zwölf Monate beziffert er die Wartezeit. Die Bestellungen liefen bis ins dritte Quartal 2022. „Da wird dann nach und nach abgebaut“, so Maaßen. Ein großer VAG-Händler wie er werde keineswegs bevorzugt behandelt vom Konzern. „Es sind alle betroffen, egal wie groß er ist. Was baubar ist, geht raus.

Werksdienstwagen der VW-Mitarbeiter und Leasingrückläufer würden ebenfalls fehlen, bestätigt Maaßen die Einschätzung von Günes. „Die Preise von Gebrauchten ziehen an. Logisch: Auf mobile.de findet man normal 1,9 Millionen Fahrzeuge, aktuell sind es eine Million.“ Leasingnehmer müssten sich keine Sorgen machen. Auslaufende Verträge würden verlängert, bis der Neue ausgeliefert würde.

„Früher waren es drei, vier Monate, bei einzelnen Modellen vielleicht mal sechs“, sagt Julius Franken, Geschäftsführer des gleichnamigen VW-Autohauses an der Hohen Straße, „jetzt sind es acht bis zwölf.“ Dass Modelle quasi ausverkauft seien, hätte es höchst selten gegeben. „Die Produktion kommt nicht hinterher. Es gibt mehr Kunden als Neufahrzeuge. Auch selten. Und ich denke, der Peak ist noch nicht erreicht.“ Woran liegt es, dass die Preise bei Gebrauchtwagen explodieren? RUHR24* erklärt klärt es.

Es sei gut, dass im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung die Förderung für E-Fahrzeuge verlängert worden sei. „Das gibt den Kunden Planungssicherheit. Die Förderung zieht.“ Leasing sei nur dann kein Problem, wenn der Kunde Marke und Leasinggeber beibehalte, schränkt Franken ein. „Wer wechselt, muss dann zu Fuß gehen.“

Erstaunlich entspannt sieht Denny Lux die Lage auf dem Neuwagenmarkt. Der Verkaufsleiter der Filiale von Automobile Ebbinghaus (Opel) an der Schmiedestraße spricht von Lieferzeiten von fünf bis sechs Monaten für Verbrenner und drei bis vier Monate für Elektrofahrzeuge. „Stellantis legt eine Priorität auf verkaufte Fahrzeuge, speziell auf Elektrofahrzeuge“, erklärt er. Auf Halde gebaut wird also nicht bei Opel, Fiat/Chrysler, Peugeot und Citroën (PSA), die zu Stellantis fusioniert sind. *RUHR24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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