Sie sind gefragt: Was braucht der Stadtbezirk?

Einkaufen und CreativRevier: Für Pelkum Chance oder Bedrohung?

An der ehemaligen Zeche Heinrich Robert ist das Creativ Revier geplant.
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Hotel, Kultur, Gastronomie, Gewerbe, Geschäfte: Am CreativRevier Heinrich Robert ist vieles geplant, das die Entwicklung in Pelkum und Herringen beeinflussen wird.

In Pelkumer Geschäften bekommt man viele Dinge des täglichen Bedarfs, viel mehr aber nicht. Nun sollen in Kürze am CreativRevier Geschäfte eröffnen. Was bedeutet das für das Einkaufen in Pelkum?

Pelkum – Herringen hat sein Lippe-Carrée, Bockum-Hövel sein Höveler Zentrum und Uentrop sein Maxi-Center. Und Pelkum? Ein Stadtteilzentrum, wo mehr als „nur“ die Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft werden können, gibt es in dem knapp 20.000 Einwohner zählenden Stadtbezirk im Südwesten Hamms nicht. „Das wäre natürlich wünschenswert“, sagt Bäckermeister Ludger Kapschak. Er setzt auf das neue Dienstleistungszentrum im CreativRevier Heinrich Robert. Und auch Klaus Martin Schricke, der seit 26 Jahren ein Fahrradgeschäft am Marktplatz Wiescherhöfen betreibt, erhofft sich von ihm einen Schub für den gesamten Stadtbezirk.

StadtteilPelkum
Einwohner19.416 (Stand 31.12.2020)
Einzelhandelsbetriebe42 (Quelle: Einzelhandelsgutachten, Stand 2019)
Einzelhandelsfläche11.240 Quadratmeter (Quelle: Einzelhandelsgutachten, Stand 2019)

Einzelhandel in Pelkum: Zusammenwachsen ist schwierig

Dass der kein richtiges Stadtteilzentrum mit vielen verschiedenen Angeboten wie beispielsweise Herringen hat, ist seiner besonderen Aufteilung geschuldet. Mit Pelkum, Wiescherhöfen, der Selmigerheide und Weetfeld sowie Daberg, Geist und Lohauserholz gibt es hier mehr oder weniger selbstständige Ortsteile mit einer eigenen Nahversorgung. Und zumindest die alteingesessenen Bewohner des Ortsteils Lohauserholz sehen sich als „Hölzkener“ und die Bewohner der Kolonie als „Wiescherhöfener“ – und eben nicht als „Pelkumer“. Und das macht ein Zusammenwachsen des Bezirks auch in anderen Bereichen schwierig.

Die dezentrale Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs spiegelt sich auch bei der Größe der Einzelhandelsflächen wider. Seit der Schließung von Blumen Lehner auf dem Daberg tauchen laut dem Einzelhandelskonzept 2019 fünf Supermärkte und ein Getränkemarkt unter den Top 6 auf. Andere Bereiche? Fehlanzeige.

Einzelhandel in Pelkum: Wie viele Geschäfte stehen leer?

Sorgen bereiten den örtlichen Politikern und der Stadt auch einige Leerstände vor allem entlang der Kamener Straße, auf dem Pelkumer Platz und als richtiges Pfund der ehemalige Grote-Markt an der Rathenaustraße/Ecke Schieferstraße. Aktuelle Zahlen, wie viele Quadratmeter Einzelhandelsfläche im Bezirk leer stehen, gibt es nicht – weder bei der Stadt, noch bei der Hammer Wirtschaftsförderung.

Ihnen und der Politik ist es aber wichtig, dass mithilfe eines Leerstandsmanagements im Quartier dieses Problem angegangen wird. Aber noch fehlt das Geld dafür. Auch das Einzelhandelskonzept 2019 legt den Finger in die Wunde: „Es besteht nur ein sehr untergeordnetes Angebot in den zentrenrelevanten Sortimenten“, heißt es dort mit Blick auf den Stadtbezirk.

Eigentlich ganz zufrieden: Zumindest bei Dingen des täglichen Bedarfs ist der Stadtbezirk Pelkum gut aufgestellt, findet Fahrradhändler Klaus Martin Schricke. Wünsche hat er dennoch.

Dennoch: Aus Sicht der Einzelhändler ist längst nicht alles schlecht im Stadtbezirk. Im Gegenteil: „Eigentlich sind wir hier ganz gut aufgestellt“, meint Fahrradhändler Schricke. Ob Supermärkte, Friseur, Apotheken, Bäckereien oder eine Eisdiele: An der Kamener Straße gebe es fast alle Dinge des täglichen Bedarfs.

Und was fehlt? „Ein Schreibwarenladen, in dem die Leute auch Sachen kopieren können“, sagt Schricke. Das hätte er aus Gesprächen mit seinen Kunden immer wieder herausgehört.

Bäckermeister Kapschak wünscht sich für das CreativRevier ein Stadtteilzentrum nach dem Vorbild „Lippecarrée“ in Herringen. „Uns fehlen beispielsweise ein Drogeriemarkt und eine größere Außengastronomie.“ Auch zum Schuhe- und Klamottenkaufen müssten viele Bewohner des Stadtbezirks in andere Ortsteile oder in die Innenstadt fahren. „Das ist schade, denn hier geht Kaufkraft für unseren Bezirk verloren.“

Heinrich Robert: Kommen dort Geschäfte, geht anderswo Kaufkraft verloren

Natürlich weiß auch Kapschak, dass Kaufkraft an anderer Stelle verloren geht, sollten sich derartige Geschäfte tatsächlich im neuen Dienstleistungszentrum auf Heinrich Robert ansiedeln. Aber: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Vor diesem Hintergrund hat er auch keine Angst davor, dass sich nur einen Steinwurf von seiner Wiescherhöfener Filiale entfernt eine Bäckerei ansiedeln könnte. „Ich denke, dass wir dennoch davon profitieren können, wenn die Menschen in unser neues Stadtteilzentrum kommen.“

Befürchtungen äußerten beispielsweise die Betreiber des Kauflands im Hammer Westen: Sie hatten bereits vor zwei Jahren die geplanten Ansiedlungen kritisiert, sehen sie in ihnen doch ernst zu nehmende Konkurrenten.

Klaus Martin Schricke sagt, er fände ein solches Zentrum schön – dann aber bitte ohne Fahrradgeschäft. Selbst dort hinzuziehen sei für ihn keine Option. Sein derzeitiger Standort an der Kamener Straße mit vielen Parkplätzen vor der Haustür sei ideal. Und: „Bitte bebaut unseren Marktplatz nicht. Wir brauchen ihn.“ Er könne sich aber vorstellen, dass das Hochbeet anderweitig genutzt wird und mehr Veranstaltungen auf dem Marktplatz stattfinden.

(Die Abstimmung ist beendet.)

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