„Kindheit im Ruhrgebiet“

Carrera-Bahn aus Hamm bereichert Essener Ausstellung

Stephan Mohr mit seiner Carrera-Bahn im Jahr 1972
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Sein „altes Schätzchen“ ist auch heute noch gefragt: Stephan Mohr 1972 als glücklich beschenktes Ruhrgebietskind.

Mark - 48 Jahre alt ist die Carrera-Bahn von Stephan Mohr. Seit September ist seine geliebte Autorennbahn Teil der Ausstellung „Kindheit im Ruhrgebiet – von 1945 bis 1989“, die bis Ende Mai 2021 im Essener Ruhrmuseum zu sehen ist – sofern Corona es zulässt.

Es war der 24. Dezember 1972, als der damals gerade einmal zweijährige Stephan Mohr eines seiner Weihnachtsgeschenke öffnete und große Augen machte. Denn was der gebürtige Marker in den Händen hielt, war damals der Traum vieler kleiner Jungs: eine Autorennbahn von Carrera. Die hat Mohr über viele Jahre so viel Spaß bereitet, dass der heute 50-Jährige sie nie abgegeben hat – zu schön sind die Kindheitserinnerungen, die er mit der Carrerabahn verbindet. Anders als es früher jedes Jahr an Weihnachten der Fall war, wurde sie an Heiligabend nicht zuhause aufgebaut.

Was das Exponat so besonders macht? „Sie ist in einem sehr guten Zustand, alles ist originalverpackt und sie ist sogar betriebsbereit“, erzählt der heute in der Mark lebende ehemalige Bergmann. In dieser Form sei das alte Schätzchen sehr selten, weiß Mohr, dessen Ausstellungsstück neben den Kindheitserinnerungen anderer Ruhrpottler steht – darunter eine uralte Schultasche, ein in den Siebzigern und Achtzigern beliebter Spielzeug-Campingwagen von Barbie sowie Murmeln, mit denen Kinder über viele Jahrzehnte gerne gespielt haben.

Stephan Mohr ist Ortsheimatpfleger in Uentrop

Dass Stephan Mohr seine geliebte Carrerabahn dem Ruhrmuseum geliehen hat, war aber Zufall: Weil er Ortsheimatpfleger in Hamm-Uentrop ist, erhält er viele Newsletter rund um die Traditionspflege. Einmal war darunter der Aufruf des Ruhrmuseums, das für seine Ausstellung über die Kindheit im Ruhrgebiet Exponate suchte. Und da erinnerte sich Mohr wieder an seine Rennbahn mit den erst batterie- und später trafogesteuerten Autos.

Die stand bei Mohr zwar über viele Jahre nur noch gut geschützt im Schrank, doch die Erinnerungen an das bis heute bei Kindern sehr beliebte Spielzeug sind ihm noch immer viel wert, zumal sie weit über das Jahr 1972 hinaus gehen.

„Immer zwei Wochen vor Weihnachten verschwand die Carrerabahn“, erinnert sich der vielfach ehrenamtlich engagierte Mohr. Was dahinter steckte? „Zu Heiligabend wurde sie wieder aufgebaut, denn jedes Mal habe ich etwas Neues dazu bekommen“, erzählt er. Mal waren es neue Schienen, andere Male gab es einen Rundenzähler oder Bauteile für Loopings.

Stephan Mohr als Besucher der Ausstellung im Ruhrmuseum in Essen. Dort ist seine Carrerabahn Teil der Präsentation.

„Ich habe dann meist mit meiner älteren Schwester oder meinem Onkel gespielt“, sagt Mohr, der das Geschenk von letzterem erhielt – und das wohl nicht ganz ohne Hintergedanken. „Man sagt ja, dass Männer Jungs gerne das schenken, was sie als Kinder selbst gerne gehabt hätten“, meint Stephan Mohr und lächelt. Mit etwa 13 Jahren landete die Carrerabahn dann allerdings im Schrank. „Playmobil kam immer mehr in Mode“, begründet Mohr.

Immer sorg- und achtsam mit der Bahn umgegangen

Dass er das Geschenk seines Onkels dennoch nie abgab, hat nicht nur etwas mit den Kindheitserinnerungen zu tun. Denn auch das Geschenk an sich schätzte Stephan Mohr immer sehr. „Damals war das auch ein anderer Kostenpunkt, als es heute ist“, sagt er über den materiellen Wert. Nicht zuletzt deshalb brachten ihm seine Eltern Christina und Günther bei, immer sorg- und achtsam mit seinem Hab und Gut umzugehen. „Deshalb ist die Carrerabahn bis heute in einem sehr guten Zustand“, so Mohr.

Heute sei das gerade bei Technikgeschenken kaum noch möglich. Denn: „Das Handy, das heute angesagt ist, ist in einem Jahr schon technisch überholt“, sagt er durchaus kritisch. Die Gesellschaft sei nun mal schnelllebiger geworden, was sich nicht zuletzt bei manch einem unter dem Weihnachtsbaum zeigt.

Die Ausstellung
Corona-bedingt ist das Ruhr Museum bis mindestens zum 10. Januar geschlossen. Grundsätzlich ist die Ausstellung bis zum 25. Mai 2021 geplant.

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