USA-Reise steht in den Sternen

Cantate ‘86 ist in Carnegie Hall eingeladen, weiß aber nicht ob Konzert stattfindet

Open-Air-Probe für Cantate ‘86: Chorleiter Werner Granz probt wegen der Corona-Bestimmungen derzeit mit Kleingruppen auf der Wiese hinter dem Amalie-Sieveking-Haus im Hammer Osten.
+
Open-Air-Probe für Cantate ‘86: Chorleiter Werner Granz probt wegen der Corona-Bestimmungen derzeit mit Kleingruppen auf der Wiese hinter dem Amalie-Sieveking-Haus im Hammer Osten.

Die Flugtickets nach New York City sind gebucht, die Hotelzimmer reserviert und der zeitliche Rahmen für die Konzertreise ist auch fix: Allzu große Vorfreude auf seinen Auftritt in der weltberühmten Carnegie Hall in der US-Ostküstenmetropole kommt beim Hammer Chor „Cantate 86“ derzeit dennoch nicht auf.

Hamm – Grund dafür ist die Coronasituation, die sich besonders in den USA immer weiter verschlimmert. „Noch steht das Konzert im Plan“, sagt Werner Granz, der den „Jugendchor und Jungen Chor“ der Evangelischen Kirchengemeinde Mark-Westtünnen leitet.

Geplant ist der Auftritt in der Carnegie Hall mit hunderten anderer Sänger aus der ganzen Welt zwar erst für den 19.Januar, doch ob sich der Tross mit 30 Chormitgliedern und 15 Begleitpersonen wirklich auf den Weg nach New York City macht, ist unklar.

Ob das Coronavirus bis dahin aus der Weltmetropole verschwunden ist? Was ist bis dahin mit der Einreise, die Präsident Trump auf unbestimmte Zeit für EU-Bürger untersagt? Fragen wie diese stellt sich auch Werner Granz. „Ich sage es noch nicht ab“, betont er am Rande einer Probe, für die sich der 40 Sänger starke Chor zurzeit immer an der Wiese hinter dem Amalie-Sieveking-Haus im Hammer Osten in kleineren Gruppen trifft.

Reiseantritt nur bei keiner Gefährdung

Doch trotz aller Hoffnungen: So richtig dran glauben kann Granz derzeit nicht, dass das Konzert mit bis zu 2000 Zuschauern und weiteren 2000 Personen auf und hinter der Bühne stattfindet. „Ich gehe davon aus, dass es abgesagt wird“, ist der Chorleiter traurig um diese wohl ausfallende Erfahrung.

Nicht alle, die dieses Mal mitfliegen würden, waren schließlich auch hier beim ersten Auftritt von „Cantate 86“ in der Carnegie Hall Anfang 2018 dabei. Klar ist daher für Granz nur: „Wir werden nur dann fliegen, wenn die Lage gefahrenlos ist, denn ich kann diese Verantwortung nicht übernehmen.“

Keine Planungssicherheit auch beim Weihnachtskonzert

Ein anderes Thema, mit dem sich der Chor befasst, ist das traditionelle Weihnachtskonzert. Zwar sei alles von langer Hand geplant gewesen, doch habe man etwa den Stargästen nun schon abgesagt, so der Chorleiter – Planungssicherheit ist schließlich aktuell das größte Manko bei allen Chören und Vereinen. Und so wird das große Cantate-Weihnachtskonzert erstmals seit 1989 in gewohnter Form nicht stattfinden.

„Vielleicht werden wir kurzfristig ein weihnachtliches Musizieren auf die Beine stellen“, hofft der langjährige Cantateleiter, dass es dennoch ein kleines Konzert geben kann – einerseits für die Zuhörer, für die das Konzert zu Weihnachten dazugehört, andererseits aber auch für die Sänger. Denn proben, ohne dass man ein Ziel hat, ist gar nicht so einfach.

Weihnachtskonzert mit "Cantate '86" 2019

Proben unter freiem Himmel

Das merkt der Chorleiter auch jetzt wieder, als er mit einer Gruppe von zwölf Sängern im Freien probt. Der Grund: Die Auflagen für Sänger und Chöre in Corona-Zeiten. „Wir machen aus der Not eine Tugend: Jetzt ist das Engagement jedes Einzelnen gefragt“, erklärt Granz im Hinblick auf die Motivationsfrage, aber auch angesichts der schwierigen Akustik.

Denn: „So werden die jungen Leute noch stärker gefordert“, findet Granz und hofft auf mehr Selbstständigkeit aller Sänger. Dazu gehört auch, dass man sich angesichts der schwierigen Akustik draußen nicht auf seinen Nebenmann verlassen kann. „Hier geht der Schall weg“, begründet Sänger Tobias Beckschulze.

Wiedersehen als Motivator

Trotz aller Probleme haben die Sänger von „Cantate 86“ wieder Spaß an ihrem Hobby. „Endlich können wir uns wiedersehen“, findet Sängerin Sandra Friedrichs auch den sozialen Aspekt sehr wichtig. Und außerdem sei es schwierig, zuhause alleine zu proben.

„Man ist außer Übung, denn die Stimme ist ein Instrument, das man pflegen muss“, sagt sie. Eine mangelnde Motivation sieht sie aber nicht: „Es motiviert gerade, dass wir uns endlich wieder treffen können“, so die Sängerin mit einem Lächeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare