Gebürtiger Hammer vor Gericht

Cannabis gegen Depressionen: Polizei entdeckt Plantage

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Symbolbild

Dolberg/Hamm - Als die Polizei Wohnung und Garten eines 52-jährigen Schlossers in Dolberg durchsuchte, entdeckte sie eine richtige kleine Cannabis-Plantage: rund 20 erntereife Pflanzen in einem Gewächshaus und einer Garage, abgeerntetes Marihuana, eine Feinwaage und ein Fachbuch über Cannabis-Aufzucht.

Insgesamt fanden die Beamten rund 600 Gramm konsumfähigen Stoff. Dafür musste sich der gebürtige Hammer nun vor dem Schöffengericht in Ahlen verantworten. Die Anklage lautete auf Drogenhandel in nicht geringer Menge. Er habe das Rauschgift nur zum Eigenbedarf angebaut. Das versicherte der Angeklagte, der bis 1998 als Bergmann in Hamm unter Tage gearbeitet hatte, dem Gericht.

Der Mann leidet seit über 20 Jahren unter Depressionen und chronischen Schmerzen, war deshalb auch schon mehrmals in einer Klinik und in ambulanter Behandlung. Zudem habe er schwere Schicksalsschläge wie die Vergewaltigung seiner Tochter und den Krebstod eines nahen Menschen einstecken müssen. 1996 habe er zum ersten Mal einen Joint geraucht und gemerkt, dass ihm das Linderung verschaffte.

Seitdem habe er immer dann Haschisch oder Marihuana konsumiert, wenn es ihm besonders schlecht ging. Zuletzt habe er abends ein bis anderthalb Gramm geraucht, um zur Arbeit gehen und etwas essen zu können. Sich das Marihuana auf Rezept verschreiben zu lassen, so der 52-Jährige, sei für ihn kein gangbarer Weg gewesen, weil die Krankenkassen die Kostenübernahme zu restriktiv handhaben. Und 25 Euro pro Gramm könne er bei seinem geringen Lohn als Leiharbeiter nicht aus eigener Tasche bezahlen.

Ambulante Drogentherapie

Staatsanwalt und Gericht glaubten dem Angeklagten seine Geschichte, obwohl die Cannabis-Menge für den Eigenbedarf doch recht groß gewesen sei. Auf einen Drogenhandel gebe es jedoch keinen Hinweis. Deshalb sei nur der Besitz zu bestrafen. Zudem handele es sich um einen minderschweren Fall, weil der 52-Jährige tatsächlich krank und zudem nicht vorbestraft sei. Der Staatsanwalt forderte deshalb eine Bewährungsstrafe von acht Monaten.

Das Gericht blieb sogar noch darunter. Es verhängte sechs Monate auf Bewährung. Außerdem muss sich der Mann einer ambulanten Drogentherapie unterziehen. Denn Marihuana sei kein geeignetes Mittel gegen eine Depression, betonte die Vorsitzende Richterin. - mam

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