Letzter Merkel-Auftritt vor elf Jahren

Farbloser Wahlkampf 2021: Alle „Großen“ mieden Hamm

Plakate gab es zuhauf. Persönlich kam aber niemand von Rang und namen nach Hamm.
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Plakate gab es zuhauf. Persönlich kam aber niemand von Rang und namen nach Hamm.

1955 war das Interesse an einem Auftritt von Konrad Adenauer in Hamm so groß, das 1500 gefälschte Eintrittkarten im Umlauf gebracht wurden. Und der aktuelle Wahlkampf? Lockte keinen einzigen der Spitzenkandidaten.

Hamm - Den Anfang machte Adenauer. Der erste Bundeskanzler stürzte sich in den Wahlkampf und trat mehrmals in Hamm auf. 1955 war das Interesse an Adenauers Auftritt in den Zentralhallen so groß, das 1500 gefälschte Eintrittkarten im Umlauf gebracht wurden. Ganz anders heute: Der aktuelle Wahlkampf findet in Hamm dagegen ohne die Spitzenkandidaten statt.

Dabei gehörte der Auftritt in Hamm bei CDU und SPD jahrelang zum guten Ton. Ludwig Erhard kam, Willy Brandt war gleich mehrmals da, selbst Franz-Josef Strauß fand den Weg nach Westfalen. Helmut Kohl füllte den Marktplatz, Gerhard Schröder die Alfred-Fischer-Halle. Angela Merkel hatte 2009 ihren Auftritt. Seitdem machen die Spitzenkandidaten einen Bogen um Hamm.

Natürlich bekommen die örtlichen Kandidaten Unterstützung aus Berlin und Düsseldorf. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf Brinkhaus war im Kurpark, SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil im Hella-Werk, die Grünen-Abgeordnete Britta Haßelmann im Ökozentrum. Doch Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz hatten andere Termine.

Wahlkampf 2009: Angela Merkel mit OB Thomas Hunsteger-Petermann (links) und Laurenz Meyer MdB.

Corona ist ein Teil der Erklärung. Wegen der Pandemie gebe es deutlich weniger Veranstaltungen, sagt der Hammer SPD-Geschäftsführer Florian Westerwalbesloh. Und an Auftritte in Hallen sei gar nicht zu denken. Wo die Spitzenkandidaten auftreten, entscheide eine zentrale Wahlkampfleitung. Olaf Scholz reist beispielsweise heute nach Münster und Köln. Hamm würde vielleicht dazwischenpassen – wie 30 andere Städte an Rhein und Ruhr. Nebenbei, bemerkt Westerwalbesloh, müsse Scholz ja auch noch regieren.

Wahlkampf 2000: Gerhard Schröder mit Georg Scholz, Manfred Hemmer und Dieter Wiefelspütz MdB.

Das gilt auch für Armin Laschet. Man habe ihn natürlich eingeladen, sagt Kreisgeschäftsführer Werner Thies. Aber bekanntmachen müsse man den Ministerpräsidenten hier nicht. So gesehen sei ein Auftritt in einem anderen Bundesland vielleicht erfolgversprechender. Grünen-Geschäftsführer Severin Solis verweist auf Robert Habecks Auftritte in Essen und Münster – und im Übrigen laufe der Wahlkampf in Hamm auch ohne Spitzenkandidaten gut. Mit Thies und Westerwalbesloh ist er sich in einem einig: Am Sonntag werde es knapp ausgehen.

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