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Bulgarin, Analphabetin, taubstumm: Dilemma im Prostitutions-Prozess

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Von: Lisa Moorwessel

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Hamm/Dortmund - Unter extrem verschärften Bedingungen ist im Prozess um drei mutmaßliche Menschenhändler die Mutter einer angeklagten Frau als Zeugin vernommen worden.

Die siebenfache Mutter ist eine des Deutschen nicht mächtige Bulgarin, Analphabetin und taubstumm. Um ihre Angaben vor Gericht verstehen zu können, beauftragte das Dortmunder Landgericht daher vier Dolmetscher. Diese stellten arbeitsteilig die Fragen des Gerichts in deutscher Gebärdensprache, die wiederum von ihren Kollegen in die bulgarisch-türkische Gebärdensprache übersetzt wurden.

Ein aufwändiges und zeitraubendes Vorgehen bei der Befragung der 49-jährigen Arbeiterin, die eigens für ihre Zeugenaussage aus der bulgarischen Großstadt Plovdiv eingeflogen worden war. Sie ist die Mutter einer 31-jährigen Angeklagten und Schwiegermutter von deren Ehemann (41), die zusammen mit einem Komplizen eine weitere Tochter als Minderjährige auf dem Hammer und Dortmunder Straßenstrich geschickt haben sollen.

Als Hure auf dem Hammer Straßenstrich

Das nach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft zunächst 14-jährige Mädchen soll über Jahre immer wieder unter Druck ihrer Schwester als Hure auf dem Straßenstrich in Dortmund und Hamm gearbeitet haben. Im Raum stehen Vorwürfe, dass sie mit dem Hurenlohn damit auch ihre Mutter zuhause mit Geld versorgte, sie finanziell bei der Pflege ihres in der Heimat gelassenen Babys unterstützte.

„Mein Mann und ich sind taubstumm. Wir sind arm und arbeiten den ganzen Tag. Von Prostitution habe ich nie was mitbekommen“, ließ die von Armut und siebenfacher Mutterschaft gezeichnete Zeugin heftig gestikulierend in Gebärdensprache wissen. Ihre Jüngste sei immer wieder bei ihrer jetzt angeklagten anderen Tochter in Dortmund zu Besuch gewesen, mehr wisse sie nicht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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