Finanzielle Beteiligung möglich

Hammer Bürger können von neuen Windrädern profitieren

Mitmachen und beteiligen: SL-Geschäftsführer Milan Nitzschke (rechts) und Robert Daniels von der Unternehmenskommunikation verkünden den Startschuss der Bürgerbeteiligung.
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Mitmachen und beteiligen: SL-Geschäftsführer Milan Nitzschke (rechts) und Robert Daniels von der Unternehmenskommunikation verkünden den Startschuss der Bürgerbeteiligung.

Noch sind sie nicht in Betrieb, ein echter Hingucker sind die beiden Windräder an der Autobahn 2 in Freiske aber schon jetzt. Dabei sollen sie nicht nur zur Energiewende beitragen, auch finanziell sollen sich die beiden jeweils 200 Meter hohen Anlagen lohnen. Dazu bietet der Betreiber SL Naturernergie allen Anwohnern in der Nähe der Windräder eine Bürgerbeteiligung als Investitionsmöglichkeit an. Der vom Unternehmen garantierte jährliche Zinssatz: fünf Prozent.

„Mit der Bürgerbeteiligung möchten wir für die Anwohner eine Möglichkeit schaffen, doppelt am Klimaschutz vor der eigenen Haustür teilzuhaben. Einmal durch sauberen Strom, zum anderen durch die Möglichkeit, auch finanziell zu profitieren“, erklärt Geschäftsführer Milan Nitzschke und spricht von einem „Windsparbuch“. Grundsätzlich handle es sich dabei um ein Nachrangdarlehen, das bis zu 20 Jahre – so lange werden die Windräder mindestens Strom erzeugen – angelegt werden kann. „Es wird auf 20 Jahre fest verzinst mit fünf Prozent jährlich“, erklärt der Geschäftsführer des Gladbecker Unternehmens und fügt hinzu, dass ein Aussteigen aber auch schon nach zehn Jahren möglich sei. Konkret heißt das: Investieren können die Bürger Summen zwischen 500 und 25 000 Euro und bekommen jedes Jahr fünf Prozent Zinsen. Das angelegte Geld erhalten sie dann nach Ablauf des Darlehens zurück, die Zinsen werden jedoch jährlich ausgezahlt. Insgesamt beträgt die Investitionssumme durch Bürgerbeteiligungen bis zu einer Million Euro. Vier Wochen haben die Bürger nun bis zum 30. Juni Zeit, in das Investment einzusteigen (siehe Infokasten).

Bei Projekten in Niederkrüchten, Tönisvorst und Coesfeld hat SL Naturenergie diese Finanzierung ebenfalls angeboten, dort ist sie bereits abgeschlossen. Angesprochen sind dabei ausschließlich die Anwohner im Umkreis von 3,5 Kilometern um die Windräder herum, was rund 18.000 Haushalten in Rhynern, Berge, Weetfeld und Bönen entspricht.

Erfahrungsgemäß würden bei solchen Bürgerbeteiligungen rund 100 Haushalte mit durchschnittlich jeweils 8000 bis 10.000 Euro mitmachen, erklärt Milan Nitzschke bei einem Ortstermin. Der Geschäftsführer betont dabei, dass es sich bei der Investitionsmöglichkeit nicht um eine Art Entschädigung handle, sondern die Firma eine „Wertschöpfung dort betreibt, wo die Windräder hinkommen.“

Damit sollen die Anwohner einerseits finanziell belohnt werden und andererseits soll damit auch die Akzeptanz von Windenergie gefördert werden. Der Ausbau erneuerbarer Energie sei alternativlos, denn: „Es gibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung gegenüber der Umwelt und dem Klima“, betont Nitzschke. Kurzum: Die Energiewende soll auch mithilfe der Bürgerbeteiligung vorangetrieben werden, um Energie aus Atomkraft, Kohlewerken und Co. abzulösen.

Zur Erinnerung: Auch in Hamm gab es Kritik am Bau der Windräder, die in Klageverfahren mündeten – die nach Unternehmensangaben bisher aber erfolglos blieben, weshalb die beiden Windräder voraussichtlich im Sommer in Betrieb gehen.

Finanziell angewiesen auf die Bürgerbeteiligung ist die Gladbecker Firma nach eigenem Bekunden nicht. 90 Prozent der Windradkosten von jeweils bis zu sechs Millionen Euro sei über Banken finanziert, der Rest durch Eigenkapital. „Es ist nicht unser Interesse, die Finanzierung zusammen zu kriegen“, sagt Nitzschke. Denn: „Wenn das so wäre, hätten wir die Bürgerbeteiligung ein Jahr vor dem Bau der Windräder anfangen müssen.“ Er betont, dass die beiden Anlagen in Hamm voll finanziert seien. Dass es neben dem Vorantreiben der Energiewende und des Klimaschutzes auch um eine soziale Verantwortung vor Ort gehe, zeige sich auch an zwei anderen Aspekten: „Um auch diejenigen partizipieren zu lassen, die sich nicht direkt beteiligen wollen oder können, wird der Windpark auch einen Anteil seiner Erlöse in eine eigene Stiftung einbringen“, erklärt Nitzschke und sichert zu, dass dann lokale Vereine, Projekte und Initiativen davon profitieren würden.

Zudem sei es so, dass 95 Prozent der Gewerbesteuer an die Stadt Hamm gehe und somit nur ein kleiner Anteil dem Firmenstandort Gladbeck zugutekommt. „Damit wird vor Ort eine möglichst breit gefächerte Wertschöpfung aus dem Betrieb der Anlagen belassen“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

Die Bürgerbeteiligung

Alle Anwohner aus dem Umkreis von 3,5 Kilometern um die beiden Windräder können bei der Bürgerbeteiligung Geld investieren. Unter www.windpark-hamm.de sind alle Straßen aufgelistet, dort gibt es zudem weitere Infos und die Möglichkeit, ein Investment abzuschließen. Der Zinsertrag von jährlich fünf Prozent wird garantiert, ein Risiko bestehe nur, wenn beispielsweise die Firma insolvent gehen würde. „Ich habe aber keine Phantasie, dass das passieren könnte“, sagt Geschäftsführer Milan Nitzschke. Insgesamt betreibt SL Naturenergie rund 170 Windanlagen in Nordrhein-Wesfalen.

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