Auch in Corona-Zeiten: Privater Müll gehört nicht auf den Friedhof

Eigentlich kümmert sich Friedhofsgärtner André Bednarek um Pflanzen und nicht um den Hausmüll anderer Personen.
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Eigentlich kümmert sich Friedhofsgärtner André Bednarek um Pflanzen und nicht um den Hausmüll anderer Personen.

"Bitte beachten Sie, dass aufgrund der aktuellen Situation der Recyclinghof bis auf Weiteres geschlossen ist", heißt es seit Anfang dieser Woche auf der Internetseite der Stadt Hamm. Doch wo werden die Hammer nun ihren Müll los? Auf dem Friedhof, wo Menschen eigentlich um ihre Angehörigen trauern wollen.

Hamm - Bei den ersten Sonnenstrahlen nutzen viele Hammer die Gelegenheit, ihren Garten schön zu machen. Doch der Recyclinghof in Hamm hat seit Anfang dieser Woche aufgrund des Coronavirus zu. Die Alternative für viele Hammer ist scheinbar nicht die eigene Mülltonne, sondern der nächstgelegene Friedhof. Das freut nicht jeden.

André Bednarek ist Friedhofsgärtner auf dem Zentralfriedhof in Bockum-Hövel und ist schockiert über die Dreistigkeit der Bürger. "Viele Hammer scheinen nun viel Zeit im Garten zu verbringen und schneiden den Rasen und Bäume. Den Grünschnitt laden sie dann bei uns ab, wenn wir Feierabend haben", sagt Bednarek.

Hobbygärtner scheuen keine Mühen

Und dabei scheuen die Hobbygärtner keine Mühen. Poller werden einfach ausgehoben, Tore aufgemacht und mit dem Auto samt Anhänger direkt aufs Gelände gefahren. Auch das Enkelkind wird mit einer Schubkarre losgeschickt, um den Unrat abzuladen. Laut Bednarek warten die Übeltäter quasi darauf, dass die Gärtner Feierabend machen, damit sie ihren Müll unsachgemäß abladen könnten. Wird ein Halunke bei seiner Aktion erwischt, so müssen sich Bednarek und sein Kollege Dennis Röttger, die sich um alle drei Friedhöfe in Bockum-Hövel kümmern müssen, Kommentare wie "alle anderen machen das auch" oder "die Kippe ist ja zu" anhören.

"Wenn nun immer mehr Menschen auf die Idee kommen, den Friedhof voll zumüllen, dann werden das eine Menge Mehrkosten, denn der Müll muss abgeholt werden und das kostet die Stadt richtig viel Geld", erklärt Bednarek. Zudem müssen die beiden Friedhofsgärtner nun täglich den Müll sortieren, da der unsachgemäß abgelegte Müll so nicht abgeholt wird. Auf den Friedhöfen werden aber nicht nur Gartenabfälle abgeladen, sondern auch Hausmüll und Bauschutt.

Vermutung, dass es nicht nur bei Grünschnitt bleibt

Bednarek geht davon aus, dass auf den Friedhöfen bald nicht nur Grünschnitt und Hausrat landen, sondern auch Elektroschrott und mehr. Denn aufgrund des Coronavirus bleiben viele Menschen Zuhause und werden sich früher oder später mit dem eingestaubten Dachboden beschäftigen. Auf dem Friedhof in Bockum haben sie schon Kleiderschränke, Bügelbretter und Lampengefunden.

5000 Euro Strafe 

Die Stadt Hamm zieht deshalb die Konsequenz, dass das Ordnungsamt nun verstärkt auf den Friedhöfen aktiv sein wird. Wer bei dieser Ordnungswidrigkeit erwischt wird, der muss mit einer Geldstrafe von bis zu 5000 Euro rechnen. "Wir hoffen aber, dass die Menschen ein Einsehen haben und ihren Grünschnitt auf ihren eigenen Grundstücken zwischenlagern, bis der Recyclinghof wieder aufmachen kann", heißt es von der Stadt. Eine andere Lösung gebe es aktuell nicht.

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