Nach Urteil wieder Berufung eingelegt

Brutaler Skaterpark-Schläger oft kriminell, aber selten im Knast

Im Skaterpark an der Augustastraße verletzte der Angeklagte einen 52-Jährigen schwer und ließ ihn nackt zurück.
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Der Ort des Geschehens im Oktober 2020: Im Skaterpark an der Augustastraße verletzte der Angeklagte einen 52-Jährigen schwer und ließ ihn nackt zurück.

Zweieinhalb Jahre soll der Schläger eines Skaterparks in Hamm ins Gefängnis. Ob es wirklich so kommt? Schließlich fiel er auch vorher schon oft negativ auf - hinter Gittern verbrachte er aber überraschend wenig Zeit.

Hamm - Der Fall sorgte für Aufsehen und hinterließ damals viele Fragezeichen: Am späten Abend des 21. Oktober 2020 wird ein 52-jähriger Mann im Skaterpark an der Augustastraße im Hammer Westen mit schweren Kopfverletzungen und nackt von seinem unbekannten Peiniger zurückgelassen. Zwei Wochen später landet ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Jetzt musste sich der 22-Jährige vor dem Amtsgericht Hamm für diese und weitere Taten verantworten. Zwar erging ein Urteil, doch der Fall geht in die Berufung.

Die Krux: Eigentlich hätte er die jüngsten Taten gar nicht begehen können, denn im November 2019 wurde er zu zwei Jahren Jugendhaft verurteilt. Weil dagegen noch immer Berufung läuft, befand sich der junge Mann auf freiem Fuß. Und auch aus der Untersuchungshaft nach der gefährlichen Körperverletzung vom 21. Oktober wurde er am 11. Dezember wieder entlassen, weil er nur wegen einfacher Körperverletzung vorbestraft war und formal keine Wiederholungsgefahr vorlag. Nach dem jüngsten Urteil allerdings wurde der Haftbefehl gegen ihn aufrecht erhalten.

Zufällig hatte eine Polizeistreife den Schwerverletzten an jenem Mittwochabend gegen 23.15 Uhr in einem Gebüsch entdeckt. Der Mann hatte ein Schädel-Hirn-Trauma, Hirnbluten, eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch, Schürfwunden und Prellungen erlitten. Er musste operiert werden und war tagelang nicht vernehmungsfähig.

Berufung

In Strafsachen gibt es Berufungen nur gegen Urteile des Amtsgerichts. Über Berufungen entscheidet das Landgericht (Kleine Strafkammer) in nächster Instanz. Berufung verfolgt häufig das Ziel, ein geringeres Strafmaß zu erreichen unter anderem durch eine günstige Täterprognose.

Schließlich führte aber das Opfer selbst die Ermittler auf die Spur des Tatverdächtigen: einen 22-jähriger Mann syrischer Herkunft, mit dem er flüchtig bekannt war. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten unter anderem die Kleidung vom Abend der Tat.

Nach Alkoholkonsum soll es zum Streit gekommen sein, der junge Mann soll die Herausgabe von Bier und Bargeld gefordert haben, sein Opfer zu Boden gebracht, geschlagen und getreten sowie anschließend Geldbörse und Schlüssel entwendet haben. Die Tat wurde teilweise von der Videoüberwachung gefilmt. Später wird der 22-Jährige angeben, er sei von seinem Opfer sexuell belästigt worden.

Das war nicht das einzige Delikt, um das es in der Verhandlung vor dem Amtsgericht ging. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls mit Waffen sowie wegen Diebstahls in acht Fällen (darunter ein Versuch) wurde der Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Auf sein Konto geht auch der Getränkeklau in einer Rewe-Filiale in Bockum-Hövel zwischen dem 31. Dezember 2020 und dem 3. Januar 2021. Aus dem Außenlager soll er rund 40 Kisten Bier entwendet und anschließend auf dem Marktplatz in Bockum-Hövel verkauft haben. Am 3. Januar machten ihm Mitarbeiter einen Strich durch die Rechnung und hielten den Mann fest, bis die Polizei ihn festnahm. Zahlreiche weitere Anklagepunkte (Diebstähle, Schwarzfahren) wurden im Hinblick auf die Verurteilung nicht weiter verfolgt.

Der 22-Jährige war 2015 mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland gekommen. Zuletzt lebte er alleine und erhielt Sozialleistungen. Seit 2016 ist er bei der Polizei bekannt, ab 2019 häuften sich die Vorwürfe gegen ihn merklich: Einbruch, Drogen, Hausfriedensbruch, sexuelle Belästigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, exhibitionistische Handlung.

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