Mann aus Hamm vor Gericht

Brutale Parkplatz-Attacke auf Druck von Hammer Bandidos?!

Platz nehmen zwischen dem Spuckschutz-Glas: Der Angeklagte aus Hamm steht in Hagen vor Gericht.
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Platz nehmen zwischen dem Spuckschutz-Glas: Der Angeklagte aus Hamm steht in Hagen vor Gericht.

Ein 29-jähriger Mann aus Hamm soll in Schwerte einen Raubüberfall verübt haben. Zu Prozessbeginn vor dem Hagener Landgericht stritt der Angeklagte jedoch erst einmal alles ab – und erzählte eine abenteuerliche Geschichte.

Hagen/Hamm – Klein und schmächtig saß der 29-Jährige auf der Anklagebank. Sein Gesicht blieb die ganze Zeit hinter einer OP-Maske verborgen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 4. Juli 2019 auf einer Dating-Plattform für Homosexuelle Kontakt mit einem Mann aus Schwerte aufgenommen und diesen dann zu einem Treffen auf einem Parkplatz überredet zu haben.

Am Auto des Schwerters soll er dann jedoch sofort sein wahres Gesicht gezeigt haben. Laut Anklage bedrohte er den anderen Mann mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole, schlug ihn, trat ihn zu Boden und raubte ihm dann einen Schlüsselbund und das Mobiltelefon.

Von alledem will der 29-Jährige aber nichts wissen. „Ich war das nicht“, sagte er den Richtern am Donnerstag. Und mit leiser Stimme fügte er hinzu: „Ich will ihnen gerne alles sagen, aber dafür brauche ich Schutz für mich und meine Familie.“

„Mit Alkohol und Exkrementen besudelt“

Hinter dem Überfall steckt nämlich seiner Erzählung nach eine Gruppe von Rockern des Motorrad-Clubs „Bandidos“ aus Hamm. Diese hätten ihn nach seiner letzten Haftentlassung in ihrem Clubhaus wohnen lassen und dafür regelmäßig Handlangerdienste von ihm verlangt. „Ich musste den Müll rausbringen und die Aschenbecher leeren“, behauptete der Angeklagte. Und trotzdem hätten ihm die Rocker irgendwann eine stolze Rechnung präsentiert.

„Plötzlich hieß es, dass ich mehrere Tausend Euro Schulden bei ihnen habe, weil ich ja im Clubhaus gewohnt hatte“, sagte der 29-Jährige. Das Geld hätten die „Bandidos“ danach immer vehementer zurückgefordert. Einmal hätten sie ihn sogar bei einem Clubtreffen an einen Stuhl gefesselt und dann mit Alkohol und Exkrementen besudelt.

Deshalb landete Blut des Opfers auf dem Schuh

Am Tatabend will der Angeklagte schließlich von einem der Rocker angerufen und herbeizitiert worden sein. Zusammen mit einem weiteren Bekannten sei er dann nach Schwerte gefahren. „Ich dachte, es ginge darum, Geld aus Drogengeschäften einzutreiben“, so der Angeklagte.

Auf dem Parkplatz will er schließlich abseits gestanden haben, während sein Bekannter mit dem Mann aus Schwerte in Streit geriet. „Ich bin dann dazwischen gegangen, um die beiden zu trennen“, behauptete der Angeklagte. Nur deshalb sei das Blut des Opfers auf seinem Schuh gelandet.

Was der Mann aus Schwerte zu der Geschichte sagt, werden die Richter wohl an einem der folgenden Tage erfahren. Der Prozess wird fortgesetzt.

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