Stadttor Ost in Brettsperrholzbauweise

Vorreiter aus Holz: HGB leitet Kehrtwende beim Hausbau ein

Brettsperrholzbauweise an Lippestraße in Hamm-Osten: Thomas Jörrißen, Karsten Weymann und Marc Herter stellen neue HGB-Pläne für Stadttor Ost vor
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„Paradigmenwechsel“ beim Hausbau: HGB-Geschäftsführer Thomas Jörrißen (von links), Aufsichtratsvorsitzender Karsten Weymann und Oberbürgermeister Marc Herter stellen die neuen Pläne für den letzten Bauabschnitt des Stadttores Ost vor. Das Achtfamilienhaus soll in der Stadt das erste seiner Art in Brettsperrholzbauweise werden. Das Haus entsteht auf der ehemaligen Tankstellenfläche an der Lippestraße (im Hintergrund).

2035 will die Stadt Hamm klimaneutral sein. Wichtig sei, das Zug um Zug anzugehen, sagt Oberbürgermeister Marc Herter. Mit den neuen Plänen für den dritten Bauabschnitt des Stadttores Ost wird so ein Schritt vollzogen.

Hamm-Osten – Holz gilt als das Baumaterial mit Zukunft, als nachhaltig, umweltschonend und steht für einen niedrigen Energie- und Ressourcenverbrauch. So soll das neue Haus der Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft (HGB) an der Lippestraße/An der Steinernen Brücke für eine Kehrtwende stehen. Es wird möglicherweise das erste Mehrfamilienhaus in Brettsperrholzbauweise in Hamm. Klingt sperrig, aber auch nach viel gutem Holz.

Die Sonne hat den Schriftzug auf dem Plakat an der Lippestraße ausbleichen lassen. „Hier entsteht demnächst Wohnraum für Sie“, kündigte die Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft (HGB) an. Doch auf dem ehemaligen Tankstellen- und Schrauberwerkstattgelände ist nach dem Abriss im Februar 2020 nichts mehr passiert.

Ganz im Gegenteil zu den Aktivitäten im Hintergrund. Nach der Kommunalwahl, mit der Ampel-Koalition im Rat und dem Wechsel im Rathaus hat der neue Aufsichtsrat der HGB die Energiekonzepte für Neubauten überplant. Es gehe nicht nur um energetische Ausstattungen, wie die Heizung, sondern auch um die ganze Hülle, sagt HGB-Geschäftsführer Thomas Jörrißen.

Holzhaus sieht aus wie in Erstplanung für Lippestraße

Im Falle des Stadttores Ost bedeutet das: „Es sieht genauso aus wie in der Erstplanung in Stein, nur jetzt ist es ganz aus Brettern.“ Das neue Gebäude bleibt also architektonisch den Häusern der ersten beiden Bauabschnitte angepasst. Der Entwurf stammt weiterhin vom Architekturbüro Eichhorst + Schade.

Brettsperrholz ist laut Definition ein aus mindestens drei Lagen verklebtes, flächiges und massives Holzprodukt. Es eignet sich für tragende Strukturen und bietet neue konstruktive Möglichkeiten. Sogar für Hochhäuser taugt die Bauweise.

Richtungsweisend für HGB-Neubauten in Hamm

Abgesehen von der Bodenplatte aus Beton wird beim HGB-Haus alles aus Holz gebaut. „Wir wollen damit in der Stadt eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt Jörrißen. „Es ist das erste Haus in der Bauweise in der Stadt“, meint er. Es soll richtungsweisend für künftige Projekte der HGB sein. „Wir wollen damit aber auch Anreize für andere schaffen.“ Es soll Nachahmer finden.

Von einem „Paradigmenwechsel“, spricht Karsten Weymann, HGB-Aufsichtsratsvorsitzender und Ratsherr der Grünen. Einen solcher könne aber nicht allein das Gremium bestimmen, sondern müsse auch der Gesellschafter wollen. Das will die Stadt und hat allgemein das Tempo im Kampf gegen den Klimawandel erhöht.

„Schlussstein Stadttor Ost“ in Hamm-Osten

Von einem „ambitionierten Wohnprojekt“, spricht OB Marc Herter über den „Schlussstein des Stadttores Ost“. Der kommt rund sieben Jahre nach der Vorstellung des zunächst auf zwei Bauabschnitte vorgesehenen Vorhabens. Die sechs Wohnhäuser mit den 86 geförderten Wohnungen beidseits der Lippestraße waren bis Ende 2019 fertiggestellt.

Teures Bauholz kein Problem in Hamm-Osten?

Ökologisch sinnvoll mit Holz zu bauen, liegt im Trend. Bei dem Thema Holz dürften bei Fachleuten aus der Baubranche und Bauherrn aber die Alarmglocken schrillen. Der Export und der Bauboom haben die Preise explodieren lassen und sorgen für Lieferengpässe, auch in Hamm. Die HGB rechnet jedoch nicht mit Problemen für ihr Projekt.

Weymann verweist auf Experten, die den Preis auf dem Höhepunkt angekommen sehen. Bis Jahresende könnten die Preise wieder fallen. Außerdem geht er davon aus, dass der österreichische Generalunternehmer, mit dem die HGB zusammenarbeite, über langfristige Verträge abgesichert sei. Noch liefen die Kalkulationen, weshalb er noch keine Angaben zu den Kosten mache. Die HGB setzt dabei auf die verbesserte „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG), die erst seit Anfang Juli gilt.

Baustart in Hamm-Osten bis Frühjahr

Jörrissen geht nach wie vor bei dem frei finanzierten Wohnraum von einem Quadratmeterpreis von zehn Euro aus. Interessant dürfte es bei den zu erwartenden niedrigen Energiekosten werden. Das Haus entsteht gemäß Energieeffizenzstandard 40.

Für September kündigt Weymann den Beschluss des Aufsichtsrates an. Ob ein Baustart noch in diesem Jahr erfolgen kann, schließt Jörrißen nicht aus. Es könne aber auch Frühjahr werden. „So ein Haus ist Neuland für uns.“

Letzter Bauabschnitt Stadttor in Hamm-Osten

Mit dem letzten Bauabschnitt des Stadttores Ost entsteht auf dem 1.179 Quadratmeter großen Eckgrundstück an der Lippestraße/An der Steinernen Brücke ein Achtfamilienhaus mit zwei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss. Die Wohnungen haben zwischen 66 und 94 Quadratmeter. Die Wohnfläche beträgt insgesamt 589 Quadratmeter.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Bauabschnitten entsteht der Neubau frei finanziert. Die Nutzung ist also nicht an Bedingungen geknüpft.

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