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Brennpunkt oder heile Welt? Wie die Hammer Schulen eingestuft sind

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Von: Jörn Funke

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Die Schule beginnt wieder – und Schreiben nach Gehör ist in der Grundschule endgültig abgeschafft.
Brennpunktschulen bevorzugt: Die Verteilung des Schulpersonals soll künftig nach dem Sozialindex gewichtet werden. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow

Schulen in schwierigem Umfeld sollen bevorzugt mit Personal versorgt werden. Ausschlaggebend ist dabei der vom Land erstellte Schulsozialindex, der erstmals alle Schulen einzeln bewertet. Für Hamm offenbart der Index Überraschendes.

Hamm – Die öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen sind in dem Sozialindex in eine Skala von 1 bis 9 eingestuft: 1 steht für heile Welt, 9 für soziale Brennpunkte. Ganz so schlimm wird es in Hamm dabei nicht; bei den 45 aufgelisteten Schulen reicht die Skala von 1 bis 7. Doch in der Aufstellung spiegelt sich die soziale Lage innerhalb der Stadt. (Hier klicken für die Übersicht aller Schulen.)

Sehr gut sieht es im Südosten Hamms aus: Dass mehrere Schulen vor allem im Bezirk Rhynern mit „1“ abschneiden, ist wenig überraschend. Mit Overberg- und Von-Vincke-Schule gehören allerdings auch zwei Bockum-Höveler Schulen zur 1er-Riege. Am anderen Ende des Spektrums liegen mit der Lugeri- und Karlschule zwei Schulen aus dem Hammer Norden. Daneben lässt sich ein ebenfalls nicht überraschendes Gefälle zwischen den Schulformen ablesen: Gymnasien schneiden durchweg besser ab als Hauptschulen.

Die Skala bildet dabei ausdrücklich nicht die Güte der einzelnen Schule ab, sondern soll dem Schulministerium zufolge helfen, Mittel besser zu verteilen. Denn dort, wo es besonders viele Schüler mit Sprachdefiziten oder Sozialhilfebezug gibt, ist der Unterstützungsbedarf umso größer.

Lehrerstellen dem Bedarf entsprechend verteilen

Entwickelt worden ist der Sozialindex von der Ruhr-Universität Bochum. Die Einstufungen berücksichtigen dabei die Sozialhilfe-Quote der Minderjährigen im „geschätzten Einzugsgebiet der Schule“ sowie für die jeweiligen Schulen den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit „vorwiegend nichtdeutscher Familiensprache“, mit eigener Migrationserfahrung sowie mit den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung und Sprache.

Das Ministerium verwendet den Index seit diesem Schuljahr, um Lehrerstellen dem Bedarf entsprechend zu verteilen. Dabei wird unter Grund- und Mehrbedarf unterschieden. Der Grundbedarf umfasst die Stellen, mit denen der Unterricht den Lehrplänen entsprechend abgedeckt wird. Hier spielt der Sozialindex keine Rolle.

Wichtig ist er aber für den Mehrbedarf: Hier geht es um Stellen für zusätzliche Leistungen, beispielsweise für Ganztagsangebote oder Inklusion. 5 300 Stellen verteilt die Landesregierung hier in diesem Schuljahr. Legt man zugrunde, dass Hamm gut 1 Prozent der Landesbevölkerung zwischen Rhein und Weser stellt, geht es also um knapp 50 Stellen. Die Bezirksregierungen können sich bei der Zuteilung am Sozialindex orientieren.

Noch mehr Lehrkräfte für den Mehrbedarf

Im kommenden Schuljahr sollen noch mehr Lehrkräfte für den Mehrbedarf an die Schulen geschickt werden: rund 3 530 Stellen gegen Unterrichtsausfall, rund 1 530 Stellen für Sprachförderung und rund 850 Stellen für Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schuleingangsphase. Zusammen sind das mehr als 5 900. Zudem spielt der Sozialindex dem Ministerium zufolge bei Beförderungen im Grundschulbereich und bei der Verteilung von Haushaltsmitteln eine Rolle.

Und auch die Stadt greift auf das Mittel zurück: Integrationskräfte, Sozialarbeiter und OGS-Mitarbeiter sollen künftig nach dem „Kommunalen Unterstützungssystem“ (KUS) enger zusammenarbeiten; die Verteilung der Kräfte soll sich dabei am Sozialindex orientieren. Den Schulen ist die Teilnahme am KUS jedoch freigestellt.

Stadtverwaltung würde im Zweifel gegensteuern

Müssen die „besseren“ Schulen jetzt damit rechnen, kein Zusatzpersonal mehr zu bekommen? Im Schulausschuss wurde jüngst die Frage diskutiert, ob die Schulen im Sozialindex richtig abgebildet sind. Vor allem die CDU hatte da ihre Zweifel: Wie sehe es für die Schulen der Stufen 1 bis 3 künftig aus? Was sei mit Schulen, die mehrere Standorte haben? Gebe es Möglichkeiten, nachzusteuern?

Den Sozialindex habe das Land Nordrhein-Westfalen vorgegeben, hieß es daraufhin von der Verwaltung. Man werde die nächsten Schritte bewerten und gegebenenfalls auch gegensteuern. Zumindest in der Pilotphase seien Schulen beteiligt, an denen sich der Sozialindex gut abbilden lasse. Die Bedenken der Union waren damit nicht zerstreut, der Ausschuss blieb in Sachen KUS ohne Empfehlung.

Alle Hammer Schulen im NRW-Sozialindex

Grundschulen: Bodelschwinghschule (4), Dietrich-Bonhoeffer-Schule (1), Carl-Orff-Schule (1), Freiligrathschule (3), Gebrüder-Grimm-Schule (4), Geistschule (3), Gutenbergschule (6), Hellwegschule (1), Hermann-Gmeiner-Schule (5), Jahnschule (3), Johannesschule (6), Josefschule (4), Kappenbuschschule (4), Kettelerschule (2), Lessingschule (3), Ludgerischule (7), Matthias-Claudius-Schule (6), Maximilianschule (2), Overbergschule (1), Schillerschule (4), Schule im grünen Winkel (1), Selmigerheideschule (2), Stephanusschule (4), Talschule (4), Theodor-Heuss-Schule (3), Von-Vincke-Schule (1), Wilhelm-Busch-Schule (6).

Hauptschulen: Albert-Schweitzer-Schule (4), Anne-Frank-Schule (6), Erlenbachschule (4), Karlschule (7), Martin-Luther-Schule (6).

Realschulen: Friedrich-Ebert-Realschule (4), Konrad-Adeauer-Realschule (1), Realschule Bockum-Hövel (3), Realschule Heessen (3), Realschule Mark (2).

Gesamtschulen: Arnold-Freymuth-Gesamtschule (3), Friedensschule (3), Geschwister-Scholl-Gesamtschule (3).

Gymnasien: Beisenkamp-Gymnasium (2), Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (1), Galilei-Gymnasium (2), Gymnasium Hammonense (1), Märkisches Gymnasium (3).

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