Gewerkschaften schlagen Alarm

Brennende Probleme bei der Hammer Feuerwehr

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Hamm - Dass es bei der Feuerwehr bisweilen hitzig zugeht, liegt in der Natur der Sache. Wenn aber seit Monaten behördenintern der Baum brennt, lässt einen das zumindest aufhorchen.

Wegen 12- statt der bisherigen 24-Stunden-Schichten brennt die Personalsituation bei der Berufsfeuerwehr.

Miserabel sei die Stimmung unter den Berufsfeuerwehrleuten, viele wollten aus Hamm weg, heißt es, seit zum 1. Januar 2017 ein neues Dienstplanmodell eingeführt worden ist. Der NRW-Landesverband der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft (DFeuG) und der hiesige Komba-Ortsverband schlagen angesichts der Situation in Hamm nun endgültig Alarm. „So kann es nicht weitergehen“, sagt Andreas Jedamzik von der DFeuG, sein Kollege Thorsten Schwark von der Komba meint: „Es brennt bei der Feuerwehr Hamm.“

Bernd Maßmann, Personalchef der Stadt Hamm und Architekt des umstrittenen Dienstplanmodells, stuft die Situation hingegen als weit weniger brenzlig ein. Es handele sich um ein „gefühltes Problem“, Brandschutz und Rettungsdienst seien gewährleistet, sagt er.

Leicht zu durchschauen ist Gemengelage nicht. Feuerwehrleute sind schon aus Tradition anders aufgestellt als gewöhnliche Arbeitnehmer. 24-Stunden-Dienste sind bei ihnen hochwillkommen, mit zwei, maximal drei Wochenarbeitstagen haben sie ihr Pensum erfüllt und noch Zeit, sich nebenher privat etwas dazuzuverdienen.

Aufstockung durch Tarifbeschäftigte

Ein Teil dieser 24-Stunden-Dienste ist nun aber weggefallen – jener Teil, der den Rettungsdienst betrifft. Wegen der hohen Einsatzdichte sind hier seit Jahresbeginn Zwölf-Stunden-Schichten angeordnet. Ebenso wurde die Wochenarbeitszeit aufgrund gesetzlicher Vorgaben bei den Feuerwehrbeamten von 54 Stunden auf 48 Stunden reduziert.

Bernd Maßmann ist Personalchef der Stadt.

Während andere Kommunen dies zum Anlass nehmen, die Zahl ihrer Feuerwehrbeamten zu erhöhen, setzen Maßmann und die Stadt Hamm auf eine Aufstockung des Rettungsdienstes durch Tarifbeschäftigte. Wechselwillige Feuerwehrbeamte sind heißbegehrt, und das ist längst auch bei den Hammer Brandschützern angekommen. Fünf Beamte, so räumt Maßmann auf Nachfrage ein, seien seit September zu einer auswärtigen Behörde gewechselt, vier weitere würden bis zum 1. Juli die Hammer Feuerwehr verlassen. Aber auch das sei kein Problem, sagt der Personalchef. 111,2 Feuerwehrbeamte seien im Stellenplan vorgesehen, Ende März habe man 113 Beamte in Hamm gehabt.

Hohe Krankenstände und Ausfälle

Zusätzlich hohe Krankenstände und Ausfälle durch Fortbildungen haben laut den Gewerkschaften zur Folge, dass die Personaldecke in Hamm mittlerweile zu dünn geworden sei. Dies über Bereitschaftsdienste (die so genannten Verfügerdienste) zu kompensieren, schlage nachhaltig auf die Stimmung. Wochenarbeitszeiten von bis zu 84 Stunden fielen bei der Berufswehr an, im Rettungsdienst seien 60-Stunden-Wochen der Regelfall.

Erst in der vergangenen Woche gab es unter Moderation eines Arbeitsrichters einen Schlichtungstermin wegen der umstrittenen Verfügerdienste. Ergebnis: Gegen die Stimmen des Personalrats wurde das Hammer Modell als zulässig angesehen.

"Kollegen fühlen sich nicht mitgenommen"

„Das beständige Beharren der Verwaltung auf ihrem Standpunkt, dass ausreichend Personal vorhanden ist, führt dazu, dass bei den Kolleginnen und Kollegen der Berufsfeuerwehr Hamm zur Zeit eine schlechte Stimmung ist. Sie fühlen sich nicht mitgenommen“, sagt Komba-Vorsitzender Schwark. Zudem könne die Feuerwehr ihre Standards nicht mehr halten. Fahrzeuge könnten regelmäßig nicht besetzt werden, bei Brandeinsätzen könne beispielsweise kein Sicherungstrupp mehr gestellt werden. „Wenn die Stadt nicht schnellstmöglich neues Personal für die Feuerwehr sucht, werden die organisatorischen Probleme spätestens Mitte des Jahres nicht mehr lösbar sein – zumindest nicht ohne die Anordnung von Überstunden“, sagt Schwark.

Die Wählergruppe Pro Hamm fordert derweil eine Bestandsaufnahme der Arbeit der Feuerwehr. Die Beschwerden aus der Bürgerschaft nähmen zu, dass es im Notfall zu langen Wartezeiten komme, sagt Pro Hamm. Statt nach acht Minuten, wie laut der so genannten Hilfsfristvorgabe vorgesehen, treffe der Rettungsdienst bisweilen erst nach einer Viertelstunde oder später am Einsatzort ein. Für die nächste Ratssitzung am kommenden Dienstag wurde der Verwaltung in Form einer Anfrage ein langer Fragenkatalog vorgelegt.

"Ursachen primär im organisatorischen Bereich"

Bernd Maßmann räumt ein, dass es im Rettungsdienst zu 60-Stunden-Wochen komme. „Aber da sind wir dran.“ In erster Linie liege die Ursache im organisatorischen Bereich. Einen 84-Stunden-Dienst habe es in den ersten 16 Wochen des Jahres einmal gegeben. Dass die Qualität der Feuerwehrarbeit leide, sei ebenfalls nicht richtig. Im vergangenen Jahr seien 97,5 Prozent aller Funktionen besetzt worden. „Keine Feuerwehr dieser Welt kann so viel Personal einstellen, um alle Eventualitäten ausschließen zu können.“

Immerhin räumt auch der Personalchef ein, dass es atmosphärische Störungen gebe. „Mein Ziel ist es, dass wir weiter im Gespräch bleiben. Nur muss die Feuerwehr dabei auch ein bisschen konkreter werden.“

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