Wir stellen ihn vor

„Boyd“-Thriller von Jovis: Der Autor kommt aus Hamm

Überall kreativ: Achim Schulte bei der Arbeit.
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Überall kreativ: Achim Schulte bei der Arbeit.

Kreativ und sich immer wieder neu erfindend: So könnte man die Vita des gebürtigen Bockum-Hövelers Achim Schulte zusammenfassen. Viele kennen ihr vor allem wegen seiner Krimis um den Auftragskiller Boyd.

Hamm – Ob als Set- oder TV-Designer für Filme, Serien und große Spielshows, Werbungsproduzent, Buch-Illustrator oder zuletzt als Autor: Der 64-Jährige, der heute in Dortmund lebt, hat immer neue Ideen. Einem breiten Publikum ist er vor allem unter seinem Pseudonym „Jovis“ bekannt, unter dem er mit seinen „Boyd“-Thrillern für Spannung sorgt.

Boyd ist der Name eines Auftragskillers, und dieser Name steht für eine Trilogie mit Suchtfaktor: Die ersten zwei Bände seiner Trilogie, die unter den Namen „Boyd – Katharsis“ und „Boyd – Nemesis“ im Eigenverlag erschienen sind, wurden nicht nur mit positiven Rezensionen überhäuft – er belegte auch innerhalb von zwei Wochen den dritten Platz von 25 800 Neuerscheinungen.

Zum Schreiben fand er über den Wunsch, selbst herauszufinden, ob er das könne, sagt er. Offensichtlich kann er es – und da kamen ihm viele Kenntnisse aus seinem bewegten Berufsleben zugute.

Schulte wuchs mit seinen zwei Schwestern in Bockum-Hövel als Sohn eines Maschinenbauingenieurs an der Birkenstraße auf. Die Familie sei stets kreativ gewesen, sagt der Autor. So war sein Vater ein begeisterter Tüftler. Er habe mehrere Patente innegehabt. Auch Musik spielte eine große Rolle in der Familie. Da sei es naheliegend gewesen, dass auch Achim etwas Kreatives tun wollte.

Ausbildung bei Horten: „Etwas Ordentliches lernen“

Zuerst lernte er Dekorateur bei der Kaufhauskette Horten. „Ich sollte ja auch etwas Ordentliches lernen“, sagt Schulte. Dann holte er sein Fachabitur nach und ging nach Münster, wo der neue Studiengang „Grafikdesign – Audiovisuelle Kommunikation – Video“ angeboten wurde.

„Das lag mir, denn ich hatte schon immer ein Faible für bewegte Bilder“, sagt Schulte. Am Ende des Studiums trat die erste der vielen Überraschungen ein, die sein Berufsleben kennzeichneten: „Eigentlich wollte ich mein Examen verlängern“, sagt Schulte. Auf dem Weg um den Antrag zu stellen, fand er einen Zettel, er solle einmal beim WDR anrufen. Dort hatte er sich zuvor beworben und nun wurde ihm mitgeteilt, dass man mit ihm rechne. Also verlängerte er das Studium nicht, sondern stellte seine Examensarbeit – einen Trickfilm – bei Tag und Nacht fertig. Mit Erfolg: Schulte bestand mit Auszeichnung.

Der Arbeitsbeginn sei in eine „unglaublich aufregende“, kreative Zeit gefallen, so Schulte. Das neue Privatfernsehen und die Bemühungen der Öffentlich-Rechtlichen, damit Schritt zu halten sowie die neuen elektronischen Medien führten zu einer echten Pionierzeit. „Videografiken oder 3D, das war alles Neuland und musste schnell entstehen“, so Schulte. Das sei ein riesiger Kontrast zum sonst eher behördenartigen Arbeiten beim WDR gewesen.

Von Schulte stammt der Maoam-Spot „Was wollt ihr denn?“

Nach fünf Jahren bekam er das Angebot eines Kölner Produktionshauses für Werbespots. Unter anderem setzte er die Produkte von 4711 und Haribo in Szene. Einer seiner bekanntesten Spots wurde der „Was wollt ihr denn?“-Spot für Maoam. Später arbeitete er für eine Weile als Freiberufler, bevor er zu Sat.1 wechselte.

Die privaten Fernsehsender, allen voran die Kirch-Gruppe mit Sat.1, Pro 7 und Kabel 1, hatten Bedarf an neuen Formaten. So kreierte er als Set-Designer Studiokulissen für große Spielshows und Nachrichten-Formate. Schließlich gründete Schulte ein eigenes Unternehmen. Alles lief gut, bis der Zusammenbruch des neuen Marktes Anfang der 2000er-Jahre und die Kirch-Pleite die Medienlandschaft trafen. Laufende Verträge wurden gekündigt, ein „Weiter so“ schien ausgeschlossen.

„Da musste ich mir etwas Neues einfallen lassen“, sagt Schulte. Er beschloss, in einer für ihn völlig neuen Branche, dem Verlagswesen, als freiberuflicher Illustrator wieder klein anzufangen. Schulte ist heute eine bekannte Größe der Branche. Schul- und Kinderbücher, selbst Spiele hat er schon designt und illustriert. Das sei sein großes Glück, denn so habe er aus einem sicheren „Brot-und-Butter-Job“ heraus weitere kreative Freiräume. Schließlich trieb ihn die Frage um, ob er selbst schreiben könne.

Boyd-Autor „Jovis“ Schulte: „Das Aufwendigste ist die Reherche“

„Meine Grundidee war die Frage, wie Menschen in Extremsituationen reagieren“, sagt Schulte. So beginnt der erste Boyd-Band nicht mit einem Mord des Auftragskillers, sondern damit, wie er bei einem Erdbeben in Südamerika verschüttet wird. Es folgt eine Mischung aus Psychogramm und Action-Geschichte, eine fesselnde Geschichte. „Das Aufwendigste an der Arbeit ist die Recherche“, beschreibt Schulte sein Vorgehen. So hatte er bewusst einen Erdbeben-Simulator der DASA in Dortmund genutzt, sich in die Thematik des posttraumatischen Belastungs-Syndroms hereingearbeitet.

Nach Katharsis (griechisch für Reinigung) folgte mit Nemesis (der Göttin des gerechten Zorns) der zweite Teil, in dem der Weg des Protagonisten zu sich selbst mit viel Spannung fortgeschrieben wird. Ein dritter Teil, mit dem die Reihe endet, soll zu Ostern 2022 erscheinen.

Schulte freut sich über den Erfolg. „Das war ja ein ganz neues Feld für mich und so war ich selbst verblüfft von den Kritiken“, sagt er. Wenn ihn Rezensenten mit Robert Ludlum, dem Autoren der „Jason-Bourne“-Agentengeschichten vergleichen, wonach er auch „cineastisch“ schreibe, sei das wohl kein Zufall: „Ich komme ja vom Fernsehen und daher kann ich vermutlich schon intuitiv ganz gut in Spannungsbögen denken“, sagt Schulte.

Nun fiebere auch er der Veröffentlichung des dritten Trilogie-Bandes entgegen. Nachdem von seinem Erstlingswerk über 5000 Ausgaben als E-Book gekauft und gelesen wurden, freute er sich sehr darüber, dass er die Werke als Taschenbuch anbieten kann.

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