Letzter "Knalleffekt" im Unionstadion

Bombe im Hammer Westen entschärft - Wohin mit dem Container-Wasser?

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Feuerwerker Karl-Heinz Clemens präsentiert die Bombe aus dem Unionstadion.

[UPDATE 13.20 Uhr] Hamm - Im Unionstadion im Hammer Westen ist am Donnerstagmittag eine Weltkriegs-Fliegerbombe entschärft worden. Nun gilt es unter anderem, den dafür errichteten ungewöhnlichen Container-Schutzwall wieder abzubauen. Alle Infos gibt es hier zum Nachlesen.

Hier wurde die Bombe am Mittwoch gefunden. Im Hintergrund wird noch der Container-Schutzwall aufgebaut.

Rund vier Stunden lang hatte die Aktion den Bereich im Hammer Westen am Vormittag gelähmt. Der Blindgänger war am Mittwoch im Zuge von Sanierungs-Vorarbeiten im Unionstadion ausgemacht worden. Erst im lauf des Vormittags wurde die Dringlichkeit einer Entschärfung klar. Diese nahm der Feuerwerker Karl-Heinz Clemens um 11.50 Uhr in Angriff; eine Dreiviertelstunde später war seine wichtigsten Arbeit getan. Damit konnten die Anwohner, die im betroffenen 250-Meter-Schutzradius lagen, zurück in ihre Wohnungen; auch die Buslinien 7 und 17 fahren wieder ihre gewohnten Wege. Die Arbeit in den nördlich angrenzenden Unternehmen war nur indirekt betroffen von der Aktion - die Mitarbeiter waren durch eine ungewöhnliche Container-Wand gegen alle Eventualitäten geschützt (siehe auch Infos weiter unten in diesem Artikel).

"Container-Lösung" erstmals in Hamm erprobt

Tatsächlich wurde diese "Container-Lösung" jetzt erstmals bei einer Bombenentschärfung in Hamm angewendet; es gab also keinerlei Erfahrungswerte vor Ort. Nun gilt es die 300.000 Liter Wasser, mit denen die Container gefüllt sind, wieder abzulassen. Dazu müssen die Verantwortlichen Kontakt mit dem Lippeverband aufnehmen. Denn Ziel ist es zwar, das Wasser mittels Schläuchen in umliegende Gullis abzuleiten, doch kann das nur nach und nach geschehen, um nicht für umliegende Häuser eine Überschwemmungsgefahr auszulösen. Weil die Container aber erst am Montag oder Dienstag wieder abgeholt werden, gibt es in diesem Fall keine große Eile.

Interessant noch: Der Schutzbereich dieses Walls war nicht auf 250 Meter, sondern auf 500 Meter ausgelegt. Damit wäre im Falle einer Explosion auch die Feuerwehr-Leitstelle an der Hafenstraße geschützt gewesen. 

Hier klicken für Evakuierungsbereich als PDF

Unser Ticker vom Vormittag zum Nachlesen:

12.50 Uhr: Binnen Minuten war unser Fotoreporter Robert Szkudlarek am Ort des Geschehens, um das obligatorische Foto mit dem Feuerwerker zu schießen. Schön, dass alles gut geklappt hat. Kompliment an alle Verantwortlichen und Helfer an diesem Donnerstagvormittag.

Bombenfund im Hammer Westen: Evakuierung und Entschärfung

12.36 Uhr: Entwarnung im Hammer Westen: Karl-Heinz Clemens hat die 250-Kilo-Bombe im Unionstadion entschärft; alles ist gut gegangen. Einen kleinen Knall gab es dennoch - und zwar beim geplanten Sprengen eines der beiden Zünder. Ab sofort werden die gesperrten Bereiche rund um das Unionstadion wieder für die Menschen und die Autos freigegeben. Die in der Feuerwache untergekommenen Anwohner werden nach und nach wieder nach Hause gebracht.

Die Situation im Unionstadion am Donnerstagmorgen. Im Hintergrund ist die Containerwand erkennbar.

11.50 Uhr: Feuerwerker Karl-Heinz Clemens beginnt in diesen Minuten mit der Entschärfung der Bombe. Die tatsächliche Notwendigkeit dazu hatte sich erst im Lauf des heutigen Vormittags herausgestellt. Da die Bombe mit zwei Zündern versehen ist, werde der Vorgang wohl etwas länger als üblich dauern, sagt Feuerwehrmann Winkler.

11.15 Uhr: Der erste von drei Evakuierungsbezirken ist geräumt. Die anderen stehen kurz davor, wie Karl-Heinz Winkler berichtet. Man sei nach wie vor gut in der Zeit und guter Hoffnung, dass der Feuerwerker wie erhofft zwischen 12 und 13 Uhr den Abschluss angehen könne.

10.35 Uhr: Der Evakuierungsprozess ist "voll im Zeitrahmen", wie Winkler weiß. Es gebe keine besonderen Vorkommnisse. Etwas Mühe machten lediglich einige kranke und schlecht gehfähige Anwohner. In der Zulaufstelle sei wenig los; nichtmal 20 Menschen wurden dort bis jetzt gezählt. Die meisten hätten sich wohl aufgrund der Berichterstattung "selbstständig in Sicherheit gebracht".

10.25 Uhr: Feuerwehrexperte Karl-Heinz Winkler nimmt sich die Informations-Kritik der Anwohner nicht zu Herzen. Diese Klagen seien nichts Neues. Er bittet um Verständnis für die Kurzfristigkeit; in anderen Situationen gebe es nichtmal diesen einen Tag Vorlauf, da werde direkt evakuiert und entschärft. Zudem seien die Bürger gestern bereits über wa.de und übers Radio sowie heute Morgen mittels der Zeitung informiert worden.

Eine Gruppe älterer Anwohner in der Feuerwache an der Hafenstraße. Sie waren von unserem Fotografen hierher gebracht worden.

10 Uhr: Unser Fotoreporter erzählt, er habe vier ältere Anwohner mit seinem Auto zur Aufnahmestelle an der Hafenstraße gebracht. Sie hätten verzweifelt gewirkt, weil sie nicht wussten, wie sie sich verhalten sollten. Die Informationspolitik rund um die Aktion sei auch an anderen Stellen kritisiert worden, sagt er. 

9.50 Uhr: Nach Auskunft des Feuerwehrexperten Winkler ist ein "alter Bekannter" mit der Bombenentschärfung beauftragt: Karl-Heinz Clemens vom Kampfmittelräumdienst hat in den vergangenen Jahren in Hamm schon so manche Bombe sicher unscharf gemacht.

9.40 Uhr: Nach Auskunft unseres Fotoreporters sind einige Anwohner unruhig, weil sie nicht wissen, wohin sie müssen. Man fühle sich nicht gut informiert. Einige Ältere vertreiben sich die Zeit mit Geschichten "aus dem Krieg". Insgesamt herrsche aber eine ruhige Atmosphäre.

9.30 Uhr: Nach Auskunft von Karl-Heinz Winkler (Feuerwehr-Sachbearbeiter für den Bereich Kampfmittelräumung) ist die Evakuierungsphase ruhig angelaufen. 40 Mitarbeiter seien in den Straßen unterwegs. Insgesamt 60 seien im Rahmen der Aktion vor Ort, darunter auch Betreuungskräfte.

 

Unser Vorbericht vom Donnerstagmorgen:

Einsatzfahrzeuge an der Feuerwehr-Hauptwache Hafenstraße, die als Einsatzzentrale und als Sammelstelle dient.

Im Rahmen von Sondierungsbohrungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes war im Umfeld des Unionstadions ein vermeintlicher Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Dieser soll heute überprüft und dann gegebenenfalls entschärft werden. Im Umkreis von 250 Metern wird daher die Bevölkerung evakuiert. (Lesen Sie hier unseren ersten Vorbericht vom Mittwoch.)

Seit 9 Uhr wird an jeder Wohnungstür geklingelt

Einsatzkräfte der Feuerwehr suchen seit 9 Uhr mit Unterstützung der Polizei und des Kommunalen Ordnungsdienstes jede Wohnung und jedes Geschäftslokal innerhalb der Sperrzone auf und fordern die Bewohner zum Verlassen des Sperrkreises auf. Im Evakuierungsbereich dürfen sich mit Ausnahme der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes keine Personen aufhalten. Ebenso ist jeglicher Fahrzeugverkehr untersagt. Die gesamte Maßnahme soll spätestens gegen 14 Uhr beendet sein. Die Verantwortlichen zeigten sich am Morgen optimistisch, dass die Aktion im erwarteten Rahmen verlaufen werde.

Übersee-Container schützen vor Splittern

Damit im nordöstlich angrenzenden Böhler-Welding-Drahtwerk trotz der Maßnahmen am Vormittag weitergearbeitet werden kann, wurde am Mittwoch ein Wall aus Übersee-Containern errichtet und mit Wasser befüllt. Er dient im Bedarfsfall als Splitterschutz. Ein Produktionsstillstand hätte einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens einer Million Euro zur Folge. Rund 9500 Euro kostet dagegen das Aufstellen der Container.

Seecontainer zur Vorbereitungen der Bombenentschärfung an der Augustastr.

Der Bahnverkehr ist nicht betroffen. Die Buslinien 7 und 17 werden über die Wilhelmstraße umgeleitet.

Aufnahmestelle für die evakuierten Personen ist die Feuer- und Rettungswache I der Feuerwehr Hamm an der Hafenstraße 45. - WA

Folgende Häuser sind von der Evakuierung betroffen:

An der Insel 1, 2, 4, 6, 8, 10.

Augustastraße 28 – 35, 37-40, 45.

Beukenbergstraße 1-17, 19, 21, 23

Brüggenweg 1-3, 5, 7, 9, 11, 13, 15

Cosackstraße 6-7, 12-24

Phönixstraße 3, 5, 7, 9

Pottkamp 1-7, 9, 11, 13, 15

Viktoriaplatz 10, 13-14

Viktoriastraße 12, 14, 16, 18, 20, 22, 24, 26, 28, 30, 32, 34, 36, 38, 40, 42-60, 62-73, 75-80, 83, 85, 87-102b, 104

Vorheider Weg 34

Wüllnerstraße 1-4

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