Mehr als 200 Verdachtsmomente in der Lippeaue

Bomben im Erlebensraum: Das steckt hinter immer neuen Meldungen

+
Blick auf die Baustelle für dnen künftigen Deich zwischen Kläranlage Mattenbecke und Fährstraße. Überall dort, wo die baufahrzeuge fahren, wurden bereits Bombensondierungen durchgeführt.

Bombenentschärfungen zeitweise im Wochentakt: Die Arbeiten für den „Erlebensraum Lippeaue“ haben zahlreiche explosive Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg zutage gefördert.

Hamm – Im günstigsten Fall geht die Entschärfung ohne Evakuierung über die Bühne wie zuletzt Anfang Oktober im Bereich Mattenbecke, im schlechteren müssen Straßen gesperrt und Anlieger in Sammelunterkünfte gebracht werden. Warum also nicht in einem Zuge alle Verdachtsmomente abarbeiten statt ständig aufs Neue hohen Aufwand zu betreiben?

Die Antwort auf die Frage, die sich nicht nur viele stellen, die einmal evakuiert worden sind, ist leicht: „Angesichts der hohen Zahl der Verdachtsmomente ist das zeitlich einfach nicht in einem Durchgang zu schaffen“, sagt Anne-Kathrin Lappe, Pressesprecherin des Lippeverbandes und zuständig für den Bereich Hamm. Auf rund 200 sei die Zahl der Verdachtsmomente für Kriegsmunition bei Beginn der Baumaßnahme im vergangenen Dezember geschätzt worden, so Lappe. Inzwischen könne man wohl ein „plus x“ hinzusetzen.

Beachten Sie auch:

Unsere Artikel zu Bombenfunden in Hamm

Unsere Artikel zum Erlebensraum Lippeaue

Größe verhindert höheres Tempo

Angesichts des großen Baufeldes – rund 185 Hektar auf fünf Kilometern Länge mit 750.000 Kubikmetern Bodenbewegung – könne nur in Teilabschnitten gearbeitet werden. Mitunter müsse bei unerwarteten Funden auch sehr kurzfristig reagiert werden.

Dieser "Brummer" wurde im September im Bereich der künftigen Deichlinie entschärft.

Bis eine Bombe letztlich unschädlich gemacht ist, haben mehrere Teams der Bezirksregierung Arnsberg ihre Arbeit geleistet. Anhand historischer, hochgenauer Luftaufnahmen der Alliierten ermitteln Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe zunächst Verdachtsmomente von Blindgängern.

Feuerwerker erst bei Bestätigung

Gibt es Hinweise auf Munition im Boden, führt ein weiteres Team von der Oberfläche aus eine elektronische Kampfmitteldetektion durch. Auch Sondierungsbohrungen in größeren Tiefen können Aufschluss über verdächtige Metallgegenstände im Boden eines Untersuchungsfeldes geben. Bestätigt sich der Verdacht, schreiten die Feuerwerker zur Tat. Geborgene und als transportfähig eingestufte Munition wird dann in einem der beiden Munitionszerlegebetriebe der Bezirksregierungen Arnsberg beziehungsweise Düsseldorf vernichtet.

Bei der jüngsten Entschärfung an der Mattenbecke mussten zuletzt ein Zünder und Teile der Zündkette gesprengt werden, weil der Transport als nicht sicher beurteilt wurde.

Im September wurden drei Blindgänger in den Lippeauen entschärft, im Oktober bisher einer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare