Wenig Geld, starke AfD: SPD will für St. Ida kämpfen

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Bockum-Hövel - Im Wohnbereich um die Kita St. Ida erreichte die AfD bei den jüngsten Wahlen ein Ergebnis von 24,5 Prozent. Aufgeschreckt davon haben sich die Bockum-Höveler Genossen vorgenommen, sich mehr um dieses Gebiet zu kümmern.

„Das sind Protest-Wähler und keine Menschen, die aus Überzeugung rechts wählen“, ist Damian Chatha, SPD-Fraktionsvorsitzender in Bockum-Hövel, überzeugt. 

Um ein Gefühl für dieses Quartier zu bekommen, machten einige Genossen jetzt einen Rundgang und ließen sich vom Leiter der Kita St. Ida, Alexander Sobolewski, führen. Denn durch den Kontakt mit vielen Familien kennt er sich dort sehr gut aus.

Sichtbar sind vor allem im Bereich der Zechenhäuser die Anstrengungen der Bewohner, ihre Immobilien und das Umfeld ansprechend herzurichten. Schnell wurde klar, dass in den vergangenen Jahren sehr viel an Infrastruktur und Nahversorgung weggebrochen ist. 

Zu Fuß sind keine Einkaufsmöglichkeiten mehr zu erreichen

Auch der letzte Kiosk, Alis Bude, hat vor einem halben Jahr geschlossen. Von der Milch bis zu Süßigkeiten war dort alles zu bekommen. „Fußläufig gibt es jetzt gar keine Einkaufsmöglichkeiten mehr“, erläuterte Sobolewski. „Wer hier wohnt, ist auf ein Auto angewiesen“, stellte er fest. Doch viele Bewohner insbesondere der Mehrfamilienhäuser könnten sich ein Auto nicht leisten

Warum wählen Menschen die AfD?

Und die Busanbindung ist äußerst dürftig. An der Haltestelle an der Janssenstraße konnten sich die Genossen davon überzeugen. Die Linie 15 fährt einmal pro Stunde, allerdings erst ab 8.35 Uhr, und der letzte Bus schon um 16.35 Uhr. Samstags und sonntags Fehlanzeige. Berufstätige sind auf die R 14 angewiesen, die hier zweimal am Tag vorbeikommt: 6.24 und 7.09 Uhr, aber auch nur von montags bis freitags. 

Was das für eine Familie bedeutet, schilderte Sobolewski am Beispiel eines Vaters, der morgens zweieinhalb Stunden unterwegs ist, um die beiden Kinder mit dem Bus in die Kita St. Ida und die Grundschule zu bringen. 

Die Läden geben auf, die Kita bleibt

Seit Jahren geschlossen ist die Gaststätte Köhne an der Janssenstraße. Noch früher aufgegeben hatte ein Tante-Emma-Laden. Einzig die Kita St. Ida, ein Standort des Familienzentrums Bockum, ist als Anlaufstelle für die Bewohner der Siedlung noch übrig geblieben. Kein Wunder, dass Angebote wie der Müttertreff sehr gut angenommen werden. 

Nach der Schließung von Alis Bude bleibt nur noch die Kita. Alexander Sobolewski (rechts) zeigt den Genossen die Situation.

Die Kita St. Ida müsse vor Ort neu gebaut werden, und es gelte, sie zu stärken, sind die Bockum-Höveler Genossen daher überzeugt. Chatha sagt, man müsse sogar ein kleines Stadtteilzentrum schaffen, zum Beispiel mit einem Café als Treffpunkt. Ebenso sollte es dort Sozialarbeit geben, damit die Mitarbeiter der Kita sich auf ihre pädagogischen Aufgaben konzentrieren könnten. 

Chatha sprach sich zudem dafür aus, im Quartier auf Dauer auch ein neues Wohngebiet auszuweisen, damit die Siedlung eine Aufwertung erfahre. Sobolewski sieht viel Potenzial im Quartier. Der Umgang der Bewohner miteinander sei sehr gut. Es sei eine Selbstverständlichkeit, auch ein Auge auf die Kinder der Nachbarn zu haben, und es gebe eine große Gastfreundschaft sowie viel Solidarität

Parteien hängten nicht einmal Plakate im Stadtteil auf

Er übte aber auch Kritik an den Parteien. Beim Wahlkampf habe man zum Beispiel keinen Politiker und Plakat von CDU oder SPD gesehen. Die AfD habe dafür umso mehr plakatiert. Am Ende seien es bis zu drei Plakate an einer Laterne gewesen. Lediglich am Aldi habe er eine umgefallene Angela Merkel entdeckt. 

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