Kampf gegen Discounter-Brötchen verloren

Schluss bei Schütte: Kult-Bäcker in Bockum-Hövel gibt auf

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Die Bäckerei Schütte schließt: Das Team der Bäckerei arbeitet noch bis zum Ende des Jahres mit dem fast 100 Jahre alten Backofen. Allen, besonders Anni Schütte (Zweite von rechts), sei die Entscheidung schwer gefallen.

Bockum-Hövel - Zum Ende des Jahres schließt Bäckermeister Josef Schütte seine Bäckerei auf der Oberholsener Straße. Auch den Lieferdienst wird es ab 2019 auf den Straßen von Bockum-Hövel, Horst, Stockum und Werne nicht mehr geben. Damit schließt ein sehr traditionsreiches Unternehmen direkt im Herzen von Bockum.

Bis auf das Jahr 1781 kann Josef Schütte zurück datieren, dass es die Familie Schütte in Bockum gegeben hat. Ob immer schon als Bäcker, das weiß man nicht. Die Gründe für das Ende sind vielfältig, erklärt Schütte. Gerade heraus sagt er, dass sich das Geschäft ganz einfach nicht mehr lohne. Mit nur einer Filiale komme man gegen „Aufbackbäcker“, „Discounterbrötchen“ und permanent steigende Kosten nicht mehr an.

Auch die Möglichkeit einer Übernahme ergab sich nicht. Zwar gab es am Anfang des Jahres noch einen Interessenten, doch der sei leider wieder abgesprungen. Als eher unwichtigen Grund nennt Schütte sein eigenes Alter. Zwar habe er mit 66 das Rentenalter erreicht, doch das sei für ihn noch kein Grund aufzuhören, berichtet er wehmütig. Eine gute Nachricht gibt es jedoch, da sämtliche Mitarbeiter und Auszubildende an die befreundete Bäckerei Hosselmann weitervermittelt werden konnten.

Bäckermeister Josef Schütte (Mitte) freut sich im Oktober 2016 gemeinsam mit Ehefrau Bernadette über den Besuch „seines“ Innungs-Obermeisters Meinolf Erdmann, der ihm eine Urkunde für 25 Jahre Inhaberschaft und 50 Jahre Beschäftigung im Betrieb überreichte. 

Bekannt für kleine Brötchen

Bekannt ist die Bäckerei für ihre kleinen Brötchen, die man in Bockum-Hövel nur „Schütte-Brötchen“ nennt. Josef Schütte erklärt, dass diese ohne Konservierungsstoffe und Gärmittel hergestellt werden und dadurch einen ganz eigenen Geschmack bekommen. Seit wann die Schüttes nach diesem Rezept backen wisse er nicht, er selbst hat das Backrezept von seinem Vater gelernt und der wiederum von seiner Mutter.

Mit diesen Pferdekutschen lieferte die Bäckerei Schütte bereits vor dem Krieg ihre Waren aus.

Wegfall des Lieferdienstes als Problem

Der Wegfall des Lieferdienstes wird für viele ältere Stammkunden ein Problem werden, befürchtet der Bäckermeister. Diese seien es seit Jahren gewohnt, dass er mit seinem roten Bäckermobil vorbeikäme. In Zukunft müssen sie sich eine Alternative überlegen, befürchtet Schütte. Der Lieferdienst habe ebenfalls eine sehr lange Tradition, verrät der Bäckermeister. So sei bereits vor dem Krieg die Auslieferung per Pferdegespann erfolgt. Heute sei das Ausliefern mit seinen Mobilen doch deutlich einfacher.

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