Geerdete Vorschläge statt Leuchtturm-Projekte fürs Höveler Zentrum

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Die Zukunft des Standortes "St.-Josef-Krankenhaus" war wieder eines der wichtigsten Themen bei der Bürgerwerkstatt.  

Bockum-Hövel - Wie soll es weitergehen mit dem Höveler Zentrum? Eine ganz wichtige Frage: Was passiert mit dem St.-Josef-Krankenhaus? Dazu hatten die rund 60 Teilnehmer der Bürgerwerkstatt in der Sophie-Scholl-Gesamtschule diverse Vorschläge. Die sollen in den städtebaulichen Rahmenplan zum Höveler Zentrum einfließen. 

Nach der Auftaktveranstaltung war es die zweite Runde der Bürgerbeteiligung. Als zu überplanende Fläche war der Bereich zwischen Friedrich-Ebert-Straße im Westen, Berliner Straße im Norden, Römerstraße im Osten sowie Eichstedt- und Rautenstrauchstraße im Süden ermittelt worden. Als besonders wichtig hatten bei der Auftaktveranstaltung die Bürger das Thema St.-Josef-Krankenhaus bezeichnet. Ihm widmete sich eine der drei Arbeitsgruppen. In der zweiten ging es um das Zentrum rund um den Höveler Markt insgesamt und wie es interessant, lebendig erreichbar und attraktiv gestaltet werden kann. Die dritte Arbeitsgruppe beschäftige sich schließlich mit den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen. 

Das St.-Josef-Krankenhaus und Plan B

Rege, aber immer sachlich ging es bei den Diskussionen um das St.-Josef-Krankenhaus zu. Nicht nur den Erhalt müsse man diskutieren, sondern auch einen Plan B, für den Fall, dass das Gebäude abgerissen werde, machte Gruppenmoderator Holger Hoffschröer vom Büro Reicher Haase Assoziierte deutlich. Größter Wunsch war eine wenigstens teilmedizinische Nutzung des Gebäudes als Ärztezentrum oder medizinisches Versorgungszentrum. Es gebe 14 unbesetzte Facharztsitze in Hamm, die man dort unterbringen könnte, trug Hartmut Weber (SPD- Ratsherr und Vorsitzender des Aktionskreises Bockum-Hövel Plus) als Argument vor. Zudem habe die BI auch Kontakt zu einem Investor geknüpft, sagte er. 

Auch den Erhalt des Schwimmbades und der Gastronomie wünschten sich viele Teilnehmer dieser Arbeitsgruppe. Für die restlichen Flächen gab es vielfältige Vorschlage von kleinteiliger Produktion über Wohnen bis hin zu behindertengerechten Hotelzimmern. Wenn die Klinik schließe, bedeute es auf jeden Fall einen Verlust von Arbeitsplätzen im Quartier, einen Verlust von Belegbetten und in der Folge wohl auch von Ärzten, und es würden weniger Auswärtige ins Zentrum kommen. Zudem wurde gefordert, mehr Transparenz in dem Verfahren herzustellen. 

Die meisten Wünsche könnte man auch auf der Fläche verwirklichen, falls das Krankenhaus abgerissen werde, war eine der Überlegungen für den Plan B. Auf jeden Fall sollte ein „Magnet“ an die Hohenhöveler Straße kommen, der für viel Publikumsverkehr sorgt, damit das Zentrum nicht verwaist. Weitere Ideen waren ein Zugang zum Hallohpark, Gastronomie und Aufenthaltsmöglichkeiten, eine neue Kita, geförderter Wohnungsbau sowie eine Versammlungsstätte oder ein Stadtteilzentrum. 

Zentrum wird fit für die Zukunft 

In der Arbeitsgruppe zum Höveler Markt wurde dem Zentrum eine gute Ausgangslage bescheinigt. Bemängelt wurde jedoch, dass die Einzelhändler nicht an einem Strang zögen. Die Planungsbüros wurden aufgefordert, noch einmal gezielt Gespräche mit ihnen zu führen. Erneut angeregt wurde ein Durchstich zur Oswaldstraße, um das weitere Auseinanderfallen der Einkaufsbereiche abzuwenden. 

Beim Thema Mobilität richteten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe einen starken Fokus auf den Radverkehr. Bemängelt wurde vor allem der schlechte Zustand der Eichstedtstraße. Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder seien schlecht oder fehlten an vielen Stellen. Die Einbahnstraßen im Zentrum sollten für Radfahrer in beide Richtung freigegeben werden. Der geplante Radschnellweg 1 müsse ans Zentrum angeschlossen werden und es sollte Aktionen für Fahrradfahrer geben. 

Beim Thema Grün- und Freiflächen wurden mehr seniorengerechte Sitzmöglichkeiten gefordert. Der öffentliche Raum rund ums Rathauscenter und das Bürgeramt sollte aufgewertet werden. Für den Hallohpark wünschen sich die Teilnehmer des Workshops Treffpunkte, einen Spielplatz für Kleinkinder sowie eine Gastronomie. Die könnte auch in einem Container oder einer Blockhütte zeitweise von einem Verein betrieben werden. Weiterhin wurde mehr Kunst im öffentlichen Raum, zum Beispiel durch Fassadengestaltung, vorgeschlagen.

Die Sicht der Kinder und Jugendlichen

Die beiden mit der Erarbeitung des Rahmenplans beauftragten Büros stellten auch die Ergebnisse des Kinder-Streifzugs durch das Quartier und der Befragung Jugendlicher vor. Bei ihrem Streifzug durch das Plangebiet spürten Kinder der Talschule Stärken und Mängel auf. Zunächst einmal fanden sie es sehr gut, im Rahmen des Planungsprozesses überhaupt gefragt worden zu sein. Eigentlich fühlen sie sich wohl in diesem Umfeld, doch sie wünschen sich ein paar Veränderungen. So gibt es auf dem Marktplatz kaum Spielmöglichkeiten. Den Spielplatz am Alten Markt finden sie gut, er sei aber etwas unheimlich, da dort Jugendliche und junge Erwachsene rauchen und trinken. Einige hatten den Spielplatz an der Klemmestraße noch nie besucht. 

Auch Besucher des Jugend- und Stadtteilzentrums (JuSt) waren beteiligt worden. Auch sie fühlen sich eigentlich wohl, aber es gibt kaum oder nur unzureichende Angebote für sie im untersuchten Gebiet. Dazu zählen Möglichkeiten für Sport, zum Beispiel ein Bolzplatz. Ein Aufenthalt auf den Wiesen ist schlecht möglich, weil sie oft nicht gemäht sind. Sie vermissen öffentliches W-Lan. Viele nutzen Longboards, um sich fortzubewegen und weichen auf die Straßen aus, weil die Gehwege zu schlecht sind. Das JuSt ist für sie ein wichtiger Ort. Sie wünschen sich darüber hinaus aber andere Orte, an denen sie aktiv und kreativ werden und sich verwirklichen Können.

Rahmenplan wird öffentlich vorgestellt

Heinz-Martin Muhle, Leiter des Stadtplanungsamtes, dankte den Teilnehmern für die sachliche Diskussion. Es seien keine Leuchttürme gefordert, sondern geerdete Vorschläge vorgebracht worden. Die Ideen würden jetzt zum Rahmenplan zusammengeführt, der auch wieder öffentlich vorgestellt werde. Zudem forderte er dazu auf, sich bei weiteren Fragen bei der Stadt oder auch den beiden Planungsbüros StadtRaumKonzept und Reicher Haase Assoziierte zu melden.

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