Dauerkrach am Penny-Markt

Szenetreff nervt Anwohner im Hammer Norden

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Lärm und Müll nerven Anwohner (Symbolbild).

Hamm - Eigentlich wohnen Nadja und Markus Berning gerne im Hammer Norden. Sie haben ein schönes Haus an der Schmalen Mersch, wo ihr Sohn demnächst im Garten laufen lernen kann. Wenn da nicht der Szenetreff am Penny-Markt wäre.

Den können sie nicht sehen, weil ihr Grundstück mit einer Mauer eingefriedet ist. Aber sie haben von morgens bis abends eine andauernde Geräuschkulisse: laute Unterhaltungen, Streit, Gelächter, Geschrei. Mehr noch: Es fliegen auch mal Schnapsflaschen über die Mauer. Und mit steigendem Alkoholpegel wird es immer lauter. Sie fürchten sich schon vor dem Sommer, dann dauert das Gelärme noch länger. Und dann zieht auch wieder der Geruch von Urin herüber, denn die Leute erleichterten sich auf der Wiese vor Ort, so Berning.

Nadja Berning überlegt schon aus dem Norden wegzuziehen, wenn es keine Lösung für ihr Problem gibt. Denn das Wochenende im Freien zu genießen geht nicht. Auch dann kommen die Leute zum Szenetreff. Und sie hat auch Angst, dass ein Familienmitglied mal von einer Schnapsflasche am Kopf getroffen wird.

Neben dem Penny-Markt kommen mal mehr, mal weniger Personen zusammen, die sich täglich ihr Methadon in einer Arztpraxis am Bockumer Weg abholen, um keine harten und illegale Drogen mehr konsumieren zu müssen. Danach kaufen sie günstigen Alkohol beim Discounter und stehen auf einem benachbarten Privatgrundstück beieinander. Der Verwalter dulde den Treff, berichtet Markus Berning.

Beschwerden halten sich in Grenzen 

Er erkenne an, dass diese Menschen einen Treffpunkt brauchen, sagt Berning. Doch der sollte dort sein, wo andere nicht durch den Lärm belastet werden, nicht so nah an der Wohnbebauung. Auch der Präventivkreis Hamm-Norden hat sich mit diesem Thema befasst. Nach seinen Informationen gebe es derzeit drei solcher Gruppen, sagt Klaus Köller, Leiter des Stadtteilbüros Hamm-Norden. Zu einer habe er Kontakt. Diese achte auf ihr Umfeld und sorge zum Beispiel dafür, dass kein Abfall zurückbleibe. Das Stadtteilbüro habe aber keine Kapazitäten, um mit allen Gruppen Kontakt zu pflegen.

Auch die Stadt hat Kenntnis von solchen Gruppen im Umfeld von Arztpraxen, die Methadon ausgeben. Vereinzelt gebe es Beschwerden über die Substituierten. Das halte sich aber in engen Grenzen. Einerseits beruhigten Gespräche mit Immobilieneigentümern, Ärzten und Substituierten die Situation. Andererseits änderten dann in der Regel die Substituierten das Verhalten, teilt ein Stadtsprecher mit.

Stadt sieht keine Handhabe

Von regelmäßigem Ärger mit der Gruppe vom Penny-Markt könne aktuell nicht die Rede sein, sagt der Stadtsprecher. Bisher sei nur die Beschwerde einer Nachbarsfamilie über den Treff bekannt. An einem der bisherigen Treffpunkte, dem Westberger Weg, sei die Bundespolizei tätig geworden, weil die Gruppe wohl den Bahndamm hochgelaufen sei.

Vom Karlsplatz habe die Gruppe sich wohl wegen des Lidl-Umbaus entfernt. Grundsätzlich habe man als Stadt am Bockumer Weg keine Handhabe, die Menschen zu „vertreiben“, da es sich um Privatgelände handele. Es habe auch keine Beschwerde des Eigentümers oder Verwalters über die Gruppe gegeben. Auch die Mieter eines benachbarten Komplexes hätten sich bisher nicht über die Gruppe beschwert.

Eigentümer muss Polizei rufen

„Wenn es zu Handgreiflichkeiten oder tatsächlicher Lärmbelästigung kommt, wäre der Eigentümer gefordert, tätig zu werden und die Polizei zu rufen“, so der Stadtsprecher. Mit der Situation am Nordring sei die Gruppe nicht vergleichbar. Die gesuchte Nähe zur Methadon-Praxis sei verständlich. Die Menschen begingen auch keine ahndungswürdigen Taten. Laute Unterhaltungen auf öffentlichem Gelände seien tagsüber nicht strafbar.

„Wir nehmen die Sorgen der Beschwerdeführer ernst, haben aber in diesem Fall keine wirksame Handhabe. Nicht jedes für Mitmenschen ärgerliche Verhalten kann von städtischer Seite aus geahndet oder unterbunden werden. Gleichwohl sind wir im Interesse aller Beteiligten um eine Lösung bemüht“, teilt der Stadtsprecher mit.

Mitarbeiter der Stadt würden das Thema bei der kommenden Sitzung des Präventivkreises Hamm-Norden Anfang Mai besprechen. Neben den Beschwerdeführern seien dann auch Vertreter der Stadtteilarbeit, der Polizei, des Kommunalen Ordnungsdienstes und der Arztpraxis dabei.

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