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Schritt für Schritt zum Tiny House - Steigende Nachfrage von Firmen

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Von: Markus Liesegang

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Holz, wohin das Auge blickt: Hier werden die Tiny Houses der Schreinerei Diekmann gebaut.
Holz, wohin das Auge blickt: Hier werden die Tiny Houses der Schreinerei Diekmann gebaut. © Liesegang

Die Corona-Pandemie hat den Tiny Houses der Schreinerei Diekmann besondere Kundenfelder weiter eröffnet. Immer mehr Unternehmen nutzen die Holzhäuschen aus Bockum-Hövel, um sich und ihre Produkte vorzustellen.

Hamm – Es sind längst nicht mehr nur Privatleute, die ein bewohnbares Gartenhäuschen, eine Datsche in der Natur oder den gebotenen Komfort mit echtem Bett und eigener Dusche auf dem Campingplatz suchen. „In der Pandemie haben sich Firmen und Event-Agenturen neue Formate ausgedacht, sich und ihre Produkte zu präsentieren“, sagt Geschäftsführer Stefan Diekmann. Fachmessen seien ja ausgefallen, Veranstaltungen mit vielen Menschen weiter unsicher.

Der Elektrotechnikkonzern Hager aus Ensheim stattete gleich zwei Tiny Houses von Diekmann mit ihren Elektrotechnik-Produkten vom Lichtschalter bis zur Wall-Box aus und schickt sie auf Deutschland-Tour – quasi als Hausmesse auf Rädern. Oder Melitta: Der bekannte Kaffeeröster „nutzt ein Tiny House zur sogenannten Coffee Session“, erklärt Diekmann. „Das sind kleine Konzerte, zum Beispiel mit Michael Schulte oder Joy Denalane, zu denen so 50 bis 100 Zuschauer geladen sind. Melitta streamt das über die Website.“ Als Fixpunkt und rollendes Café an den unterschiedlichsten Orten wie zum Beispiel einem Hamburger Pflegeheim dient das Produkt aus Bockum-Hövel.

Die Ausgestaltung der Tiny Houses für Unternehmen sei schon anders als die bekannten Wohnboxen. „Sie werden dem Zweck entsprechend funktionaler ausgerichtet“, erklärt Diekmann. So bestellte der für seine Dachfolien bekannte Herdecker Produzent Dörken zum Beispiel eines, bei dem die Wandschichten mit Folien, Isolierung, Verklebung in einem Einschubmodul erkennbar wird.

„Pier 9“: Weitere Plätze gesucht

Das Tiny-House-Hotel „Pier 9“ unweit des Hammonense-Gymnasiums findet bundesweit Beachtung. „Wir suchen weitere Plätze in Deutschland, werden es aber dort nicht selbst betreiben, sagt Geschäftsführer Stefan Diekmann. Seine Tiny Houses finden auch ungewöhnlichen Nutzen. Und zwar im Ahrtal, wo ein Teil der von der Sommerflut betroffenen Menschen noch nicht weiß, ob und wo sie ihr zerstörtes Haus wieder aufbauen können. „Wir haben unsere Häuser, die auf Campingplätzen standen, gesammelt, gegebenenfalls überholt und einem Kunden von uns zu Vermietung überlassen.

Tiny Houses aus Hamm: Industriekunden-Thema nicht neu

Der Energieversorger „RheinEnergy“ setzt bei der Werbung für „Solarenergy“ auf die Bockum-Höveler. Sonnenenergie werde ja längst nicht mehr nur über die bekannten Panels geerntet, sondern zum Beispiel über Fassaden oder eine Beschichtung der Fensterscheiben, erklärt Diekmann: „Und die Firma stellt diese technischen Möglichkeiten eben vor, ortsungebunden in dem Tiny House.“ Die mobile Werbeinsel könne auch gemolken werden: Eine Ladestation werde inklusive sein.

Neu sei das Thema Industriekunden für den Hammer Häuslebauer allerdings nicht: „Das erste, was wir gebaut haben, war für die Architektursparte des Pharmariesen Merck in Darmstadt“, blickt Diekmann zurück. „Da haben wir schon vor fünf Jahren ein Oled (Organische LED)-TV in die Wand integriert. Die Displays sind papierdünn, und Merck stellt die Dioden her.“

Zwei Grundformen

Zwei verschiedene Tiny-House-Grundformen bietet die Schreinerei Diekmann aktuell. Die klassische – mit 2,55 Meter Breite und Längen bis zu 7,80 Meter – wird auf ein Fahrgestell montiert und bleibt mobil. Daneben entwickeln die Bockum-Höveler in Zusammenarbeit mit einem Tiny House Village im bayrischen Mehlmeisel ein „Loft“, das mit dem Lkw zum Bestimmungsort transportiert werden muss. „Das bietet 35 Quadratmeter, ist für Menschen gedacht, die mehr Platz haben wollen.“ Mitte Februar soll das neue Modell vorgestellt werden.

Tiny Houses aus Hamm: Fertigungsschritte durchaus ähnlich

Die einzelnen Fertigungsschritte der eigentlichen Tiny Houses sind durchaus ähnlich. Auf eine isolierte Bodenplatte wird ein Ständerwerk gesetzt. Die Ausfachungen werden ebenfalls isoliert, außen und innen beplankt mit einem Sattel-, Flach- oder Pultdach versehen. „Die Inneneinrichtung, ob eine zweite Eben zum Schlafen, zudem eine Gaube dazu kommt, bestimmt der Kunde“, erklärt Vera Lindenbauer, bei Diekmann fürs Marketing zuständig. „Der Grundriss ist frei wählbar. Es kommt darauf an, ob jemand lieber eine größere Küche oder ein größeres Bad haben möchte“, ergänzt Stefan Diekmann.

Die Holzarbeiten erledigt die Schreinerei, Fenster und Türen werden allerdings zugekauft. „Wir haben jetzt auch einen Installateur im Team“, verweist Lindenbauer auf die komplette Endfertigung in Eigenregie bei Diekmann. Normalerweise dauert die sechs bis acht Wochen. Doch der Materialengpass beschäftigt aktuell auch die Bockum-Höveler. „Bei Holz normalisiert sich die Lage, aber Fenster oder die Fahrgestelle haben lange Lieferzeiten“, sagt Diekmann. Der Geschäftsführer betont, dass sein Unternehmen trotz des Scheinwerferlichts auf die Mini-Häuschen auch immer noch normale Schreinerarbeiten verrichtet.

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