Schnell noch über die Gleise

Ist der Bahnübergang am Bahnhof Bockum-Hövel sicher genug?

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Der Bahnhof Bockum-Hövel liegt direkt neben einem beschrankten Bahnübergang. Immer wieder überqueren Fahrgäste die Gleise auch bei geschlossener Schranke, um den Zug noch zu erreichen.

Bockum-Hövel - Ist der Bahnhof Bockum-Hövel ein gefährlicher Ort? Nicht nur der tödliche Unfall eines Schüler am 6. Juli 2011 lässt diese Frage zu. Auch Wolfram Roth, ein nach eigener Aussage regelmäßiger Fahrgast, Nutzer des Bahnübergangs in Bockum-Hövel und WA-Leser meint ja.

Er war unmittelbarer Augenzeuge, als der Jugendliche noch einen Zug erreichen wollte, dazu unter der geschlossenen Schranke herschlüpfte und vom Gegenzug erfasst wurde. „Dass Leute den Übergang trotz geschlossener Schranke überqueren ist leider eine Begebenheit, die sich hier in regelmäßigen Abständen wiederholt“, sagt er. Das liege aber auch an der Bahn. Denn bei seinem Halt im Bahnhof stehe der Zug komplett am Bahnsteig und habe ausreichend Abstand zur Schrankenanlage. Zu warten, bis die Schranken geöffnet seien, um dann den Zug abfahren zu sehen, sei eine unbefriedigende Situation am Bahnhof. Die bestehe seit Jahren. Daher komme es immer wieder zu diesen brenzligen Situationen. Und seit Jahren ändere sich nichts. Es werde weder ein Übergang noch eine Unterführung gebaut, beklagt Roth.

 Dass solche gefährlichen Situationen wohl eher zu- als abnehmen, lässt sich aus der stetig wachsenden Beliebtheit des Bockum-Höveler Bahnhofs ableiten. Zählte die Stadt im Jahr 2007 noch rund 600 Fahrgäste am Tag, stieg dieses Zahl im Jahr 2009 auf 700 und im Jahr 2014 auf 850. Aktuellere Daten lägen nicht vor. Aber man schätze die Zahl der Nutzer inzwischen auf rund 1000, teilte Stadtsprecher Lukas Huster mit.

Aufgrund der Zunahme der Fahrgäste ist im vergangenen Jahr ein zusätzlicher Fahrradkäfig gebaut worden, damit Pendler ihr Zweirad sicher abstellen können (WA berichtete). Auch der Parkplatz am Bahnhof wurde vergrößert. Bereits im Januar 2015 forderte die Bockum-Höveler SPD eine Erweiterung. Die brenzligen Situationen stuft die Stadt nach Husters Worten „als persönliches Fehlverhalten“ ein. Nach Wissen der Stadt sei der Übergang mit den Schranken ausreichend gesichert, und er funktioniere gut. Daher gebe es aktuell auch keine Bemühungen das zu ändern, zum Beispiel durch den Bau eines zusätzlichen Überweges. Das sei auch nicht bei der anstehenden Modernisierung geplant, so Huster.

Einer ähnlichen Auffassung ist auch die Bahn. Im Jahr 2015 hätte sich bundesweit wieder eine Reihe tragischer Unfälle ereignet. Über 95 Prozent dieser 154 Kollisionen hätten aber durch richtiges Verhalten der Fahrzeuglenker und Fußgänger vermieden werden können. Ein beschrankter oder mit rotem Lichtzeichen gesicherter Bahnübergang sollte daher niemals überquert werden. Insgesamt seien die Zahlen rückläufig, teilt ein Bahnsprecher auf WA-Anfrage mit. Er verweist auch auf die Gemeinschaftsaktion „Geblickt? Sicher drüber!“ der Deutschen Bahn, des ADAC, der Bundespolizei sowie der gesetzlichen Unfallversicherungen. Darin mache man auf das richtige Verhalten am Bahnübergang aufmerksam. Konkrete Zahlen zu „gefährlichen Situationen“ am Bahnhof Bockum-Hövel lägen der Bahn nicht vor, sagt der Bahnsprecher.

Bei dem Bahnübergang handele es sich um eine technisch gesicherte Anlage mit Vollschranken. Außerdem bestehe eine Abhängigkeit zu den Ein- beziehungsweise Ausfahrsignalen des Zuges im Bahnhof Bockum-Hövel. Die Schranken öffneten, sobald der Zug in Richtung Münster die Ausschaltkontakte vollständig befahren habe. Damit erfolge eine Öffnung der Schranken, wenn der Zug am gewöhnlichen Haltplatz – der Bahnsteigmitte – anhalte.

Die gefühlt längeren Schließzeiten ergäben sich aus Richtung Münster, wenn der Zug bei geschlossenen Schranken am Bahnsteig stehe und nach dem Zustieg der Reisenden den Bahnübergang befahre. Ein Öffnen der Schranken bei Halt des Zuges sei nicht möglich, da der Zug sonst bei geöffneten Schranken weiterfahren würde, so der Bahnsprecher.

Die Bahn bestätigte die von der Stadt genannte Zahl der Fahrgäste in etwa. Im vergangenen Jahr seien es rund 810 pro Tag gewesen. Bei einer älteren Erhebung im Rahmen der Modernisierungsoffensive 2 (Start 2008) habe man etwa 530 Reisende gezählt.

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