"Erlebensraum Lippeaue"

Um rund 700 Meter: Die Lippe wird verlängert

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Die Flusslaufverlängerung der Lippe soll einmal so aussehen

Hamm-Norden - Der Lauf der Lippe soll im Hammer Norden verlängert werden. Im Rahmen des Projekts „Erlebensraum Lippeaue“ ist es die größte Maßnahme auf Bockum-Höveler Gebiet.

Der Startschuss für das Gesamtprojekt ist mit den ersten Rodungen an der Münsterstraße bereits gefallen. Ab Mitte dieses Jahres beginnen die Arbeiten im östlichen Bereich zwischen Fährstraße und Münsterstraße. Die Lippelaufverlängerung im Bockum-Höveler Teil des Hammer Nordens wird voraussichtlich im kommenden Jahr begonnen. Das Vorhaben ist zwischen der Eisenbahnbrücke und der ehemaligen Mülldeponie südlich des Fuß- und Radweges Kornmersch geplant.

Dabei wird die Begradigung der Lippe rückgängig gemacht und der alte Lauf des Flusses wiederhergestellt. Der Wasserlauf wird an dieser Stelle wieder um rund 700 Meter verlängert – eine beachtliche Strecke. Die längste neue Schleife ist bislang im Bereich Haus Vogelsang mit rund 400 Metern angelegt worden.

50.000 Kubikmeter Boden werden bewegt

Die Bagger werden rund 50.000 Kubikmeter Boden bewegen, um das neue Flussbett zu graben. Das alte Flussbett erhält einen Pfropfen. Weiterhin werden Blänken angelegt. Das sind Geländemulden, die sich bei Regen oder Überflutung mit Wasser füllen und im Sommer häufig austrocknen. Der Aushub soll unter anderem für die Rückverlegung des Deiches zwischen Fährstraße und Münsterstraße verwendet werden.

Im Vorfeld fanden im vergangenen Jahr archäologische Grabungen in Zusammenarbeit mit Hammer Schulen statt. „Archäologie und Schule“ hieß dieses Projekt, bei dem Reste der Burg Nienbrügge gesichert und viele historische Fundstücke aus dem Boden geholt wurden. Auch die weiteren Erdarbeiten würden archäologisch begleitet, sagt Dirk Klingenberg, Projektleiter beim Lippeverband.

Symbolischer Spatenstich für Erlebensraum Lippeaue mit Glühwein und Plätzchen

Zurzeit führt auch noch eine Zufahrt zu einem Düker, über den Oberflächenwasser aus südlich von Lippe und Kanal gelegenen Teilen der Stadt Hamm in die Lippe geleitet wird. Der Düker soll künftig vom Mitteldamm aus bewirtschaftet werden. Damit fällt für viele Hundebesitzer ein beliebter Rundweg weg. Sie nutzen die bisherige Zuwegung als Zugang zur Lippeaue.

Laufverlängerung kostet 10 Millionen Euro

Klingenberg beziffert die Kosten für die Verlängerung des Lippelaufs auf rund 10 Millionen Euro. Insgesamt sind die Kosten für den "Erlebensraum Lippeaue" auf rund 34 Millionen veranschlagt,

Dr. Oliver Schmidt-Formann, Leiter des Umweltamtes, lenkt den Blick auf die große ökologische Bedeutung der Maßnahme. Die vertrage sich natürlich nicht mit einer intensiven Nutzung der Lippeaue. Insbesondere das Düngen wirke sich schädlich auf das Gewässer aus. Eine extensive Nutzung soll künftig die Artenvielfalt erhöhen. Gleichzeitig hoffe man, dass die neuen Feuchtgebiete auch vom Kammmolch angenommen würden. Der siedle in einem Biotop unterhalb des Bahnkörpers. Den Schotter nutze der Molch dabei als Lager zur Überwinterung, so Schmidt-Formann.

Weiterhin soll die Umgestaltung der Lippeaue auch ins Stadtgebiet ausstrahlen. Eine erste Maßnahme werde derzeit mit dem urbanen Gärtnern am Fuß- und Radweg Kornmersch umgesetzt, sagt Schmidt-Formann.

Nicht nur ökologische Ziele

Ausdrücklich weist die Sprecherin des Lippeverbandes, Anne-Kathrin Lappe, darauf hin, dass die Lippelaufverlängerung und alle anderen Maßnahmen nicht nur ökologischen Zielen dienten. Sie seien vor allem wasserwirtschaftlich von Bedeutung. So werde zum Beispiel die Entwässerungsfunktion aus dem Hammer Norden nicht beeinträchtigt. Der Umbau der Aue trage insgesamt wesentlich zum Hochwasserschutz bei. Das Projekt „Erlebensraum Lippeaue“ sei Teil des Programms „Lebendige Lippe“. Damit setze man die Rahmenrichtlinie um, wozu der Lippeverband gesetzlich verpflichtet sei. Sie schreibe vor, die Fluss- und Auenlandschaften wiederherzustellen.

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