Zur Rettung von „St. Jupp“: Seniorin sammelt 700 Unterschriften

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Renate Hesse hat 700 Unterschriften zum Erhalt des St.-Josef-Krankenhauses gesammelt.

Bockum-Hövel - Richtig aufgebracht ist Renate Hesse. Die 77-Jährige ärgert sich darüber, dass das St.-Josef-Krankenhaus geschlossen werden soll. Nachdem sie davon erfahren hatte, beschloss sie im Mai, Unterschriften zu sammeln. 700 sind es mittlerweile.

Die will sie an den Bundestag schicken, wenn die neue Regierung im Amt ist. „Damit die sehen, was sie mit ihrer Politik anrichten“, sagt sie.

Die Folgen der bevorstehenden Schließung hat sie bereits am eigenen Leib erfahren, als sie sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sprich dem Bus, aufmachte, um eine Bekannte in der St.-Barbara-Klinik zu besuchen. Sie startete um 14 Uhr an der Haltestelle Strackstraße. „Erst um 16 Uhr bin ich an der Barbaraklinik angekommen.

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Da war gerade mal eine halbe Stunde Zeit für den Besuch. Als ich auf dem Rückweg in der Stadt ankam, war der Bus nach Bockum-Hövel gerade weg und ich musste eine ganze Stunde warten“, schildert sie ihr Erlebnis. Zu Hause war sie schließlich gegen 19 Uhr. Ein äußerst mühsamer und anstrengender Weg für sie, zumal sie auch auf einen Rollator angewiesen ist.

Bis zum Jahr 2020 soll die Bockum-Höveler Klinik abgewickelt werden.

Diese Erfahrung und den Unmut vieler Bürger fasste Renate Hesse schon einmal in einem Entwurf eines Begleitbriefes zusammen: „Sehr geehrte Damen und Herren. Hiermit möchten wir, die Bürger, Ihnen mitteilen, wie wir uns fühlen. Mit Ihrem Entschluss, das Krankenhaus zu schließen, sind die meisten Bürger nicht einverstanden. Das Krankenhaus weist gar keine Bauschäden auf. Wir in Bockum-Hövel haben, wenn das St.-Josef-Krankenhaus geschlossen wird, einen weiten Weg zum nächsten Krankenhaus. Vor allem wir Senioren! ... Die Wege, die Größe, das fremde Umfeld ängstigen uns. ...

Gerade die Entfernung macht es uns Älteren unmöglich, unsere Lieben zu besuchen, in der Häufigkeit, wie wir es gerne hätten. ... Unser Krankenhaus hat eine Palliativ-Station, eine Urologie, gute OP-Räume, ein Schwimmbad, schöne Doppelzimmer mit Bad und bis vor Kurzem gutes Personal. Nun baut man es langsam ab.

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Das Krankenhaus ist noch obendrein ein Treff für uns Bürger. Das Schwimmbad und die Kapelle sind immer gut besucht. Auch nehmen wir gerne die Möglichkeit, Mittag zu essen und Kaffee zu trinken, an. ... Unsere Steuergelder werden benutzt, daher fragen wir uns, warum werden wir nicht gefragt, wir Bürger“, stellt sie in ihrem Brief weiter fest.

Kein Wunder dass sie zum Beispiel in ihrer Gruppe bei der katholischen Frauengemeinschaft von Herz-Jesu schon sehr viel Anerkennung für ihrer Initiative erfahren kann. „Dass Du das noch in deinem Alter machst“, habe man ihr mehrfach gesagt. „Denn eigentlich bin ich sonst nicht aufmüpfig, sondern ein sehr friedliebender Mensch.“ Auch beim Sammeln der Unterschriften hat sie Unterstützung erfahren, zum Beispiel von einer Nachbarin.

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