Hammer Polizei weist Schuld an "Pannen-Posse" von sich

Einbruch mit Ansage bei Rewe Haase - Täter entkommen trotzdem

+
Freie Bahn: Mit einer Blechschere wurde ein Loch ins Dach des Rewe-Marktes geschnitten und auf der Zwischendecke alles freigelegt.

Bockum-Hövel - Besser ging’s eigentlich nicht. Mit 36-stündigem Vorlauf hatte die Hammer Polizei davon erfahren, dass am Wochenende schwere Jungs im Bockum-Höveler Rewe-Markt an der Römerstraße einsteigen würden. Die Täter kamen zwar, doch die Polizei  war im entscheidenden Moment nicht da.

Eine Panne oder gar ein Riesenbock? Polizeisprecherin Julia Breitenstein wies solche Vokabeln weit von sich. Die Beamten hätten am Wochenende alles in ihrer Macht stehende getan und seien mehrfach mit zivilen und uniformierten Kräften an dem Objekt gewesen. Eine 48-Stunden-Überwachung sei aber schlichtweg nicht möglich gewesen. Hätte der Inhaber so sehr um seine Einnahmen gefürchtet, hätte er schließlich auch einen privaten Sicherheitsdienst engagieren können, sagte die Behördensprecherin und wiederholte dieses auch ein weiteres Mal auf Nachfrage.

Im Team klingelten sofort die Alarmglocken

Inhaber des Geschäfts ist Benjamin Haase, und der versteht spätestens seit diesen Äußerungen die Welt nicht mehr. Am Donnerstag hatte einer seiner Mitarbeiter im Kassenraum, in dem sich der massive Geldschrank befindet, einen Klebestreifen auf dem an der Decke angebrachten Bewegungsmelder entdeckt. Der Melder, der im Ernstfall die Alarmanlage aktivieren soll, war damit außer Kraft gesetzt. Im Haase-Team klingelten daraufhin sofort die Alarmglocken.

Lesen Sie auch:

CDU kritisiert Polizei: Show-Instrumente statt besserer Ausstattung

Zahl der Einbrüche 2015 deutlich gestiegen

Polizei richtet Sonder-Einheit gegen Einbrüche ein

Schließlich waren vor gut drei Jahren Einbrecher mit dem gleichen Trick in die Lottoabteilung des Geschäfts eingedrungen und hatten 300 Stangen Zigaretten erbeutet. In einem unbeobachteten Moment hatten sie während der Geschäftszeiten den dortigen Bewegungsmelder per Klebestreifen schachmatt gesetzt und hatten in einer der folgenden Nächte zugeschlagen. Mit einer Blechschere hatten sie ein Loch in das Dach geschnitten und waren von oben ins Gebäude eingestiegen. Trotz zahlreicher Bilder von einer Überwachungskamera waren die Ganoven nie ermittelt worden.

Mehrere 10.000 Euro im Tresor

Jetzt also das gleiche Szenario. Am Freitagmittag informierte Haase die Polizei, fest davon überzeugt, dass am Wochenende bei ihm übers Dach eingebrochen werden würde. Üblicherweise lagern dann mehrere 10.000 Euro im Tresor, mit professionellen Tätern war zu rechnen. Alles sei minutiös besprochen worden, sagt Haase. Sogar seine Handynummer habe er den Beamten hinterlassen, falls im Fall der Fälle hätte nachgesteuert werden müssen. „Aber angerufen hat mich niemand mehr. Notfalls hätte ich mich doch selbst in den Laden gesetzt.“

Loch im Blechdach - Vorhaben abgebrochen

Die Spurensicherung stellte den Klebestreifen sicher, ein ähnliches Präparat wurde zur Tarnung an dem Melder angebracht. Erst spätabends nach Ladenschluss wurde auch dieser wieder entfernt, um die Alarmanlage intakt zu halten. Die Falle war somit gestellt, schnappte aber nicht zu. Vermutlich geschah’s am späten Sonntagabend, dass die Täter übers Dach kamen.

Wie prophezeit, wurde exakt über dem Kassenraum ein Loch in das Blechdach geschnitten und auf dem Zwischenboden alles freigeräumt. Vermutlich entdeckten die Einbrecher den doch wieder aktiven Bewegungsmelder und brachen ihr Vorhaben ab. Beute wurde nicht gemacht, ein Alarm wurde nicht ausgelöst. Erst am Montag wurde die Tat entdeckt.

Die Polizei sucht nun Zeugen. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, sollte sich unter der Telefonnummer 02381/9160 melden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare