„Die bekommen keinen Cent von mir“

Hammer Senior wehrt sich standhaft gegen Sex-Abzocke

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Johannes Leyer hat sich erfolgreich gegen die Abzocke durch Inkasso-Büros gewehrt. Aber er musste dazu viel Briefkram bewältigen.

Bpckum-Hövel - Am Ende waren es 263 Euro, die der 81-jährige Johannes Leyer für angebliche „Dienstleistungen für Erwachsene“ – sprich Telefonsex – zahlen sollte. Doch er blieb standhaft und fiel nicht auf die dreiste Forderung von Inkasso-Firmen herein.

Mit der Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund, dass die Ermittlungen auf seine Anzeige hin eingestellt wurden, hofft er auch für sich, dieses lästige Kapitel abschließen zu können. Es sei kein Täter zu ermitteln gewesen, hieß es in dem Schreiben der Staatsanwaltschaft.

Leyer glaubt, dass sich auch niemand mehr bei ihm melden werde. Mehr als ein halbes Jahr lang hatte ihn die Sache mit dem angeblichen Schmuddelanruf von seinem Handy aus beschäftigt.

Die erste Rechnung über 90 Euro hatte die Inkasso-Firma Atora Anfang April geschickt. Rat holte sich Leyer bei der Verbraucherzentrale und legte per Einschreiben mit Rückschein Widerspruch ein, um keine Fristen zu versäumen. Ein entsprechendes Musterschreiben hatte er bei de Verbraucherzentrale bekommen. „Dort sei man sehr freundlich gewesen“, berichtet Leyer. Zudem erstattete er Anzeige bei der Polizei.

Tipp: Standhaft bleiben und nicht bezahlen

Beide rieten ihm auch, standhaft zu bleiben und nicht zu bezahlen, wenn weitere Schreiben eintreffen. Die ließen nicht lange auf sich warten: die erste Mahnung am 8. Mai (138 Euro), die zweite am 25. Juni (168 Euro) und die letzte Mahnung am 9. Juli (198 Euro). Dann meldete sich ein anderes Inkasso-Unternehmen mit Namen Herweck und schickte eine „Aufforderung zur unverzüglichen Zahlung“ über inzwischen 258 Euro. Eine bislang „Letzte außergerichtliche Zahlungsaufforderung“ über 263 Euro erreichte den Bockum-Höveler schließlich am 10. September.

„Die bekommen von mir keinen einzigen Cent“, hatte Johannes Leyer sich vorgenommen. Doch die ständige Ungewissheit, ob da nicht wieder eine dreiste Geldforderung im Postkasten liegt, ging ihm all die Monate mächtig auf die Nerven. „Ich musste jedes Mal damit rechnen, dass mich da wieder ein Mahnschreiben erwartet.“

"Viele schämen sich doch..." - und zahlen

Und er kann sich gut vorstellen, dass so mancher Senior die geforderte Summe auch überwiesen hat. „Viele schämen sich doch, mit so etwas in Verbindung gebracht zu werden“, sagt er. Vor allem ärgert er sich, dass es nicht gelingt, solche Betrüger dingfest zu machen und ihnen das Handwerk zu legen.

„Ich bin mal gespannt, ob es das jetzt war“, sagt er nach Einstellung des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft Dortmund. Trotz aller Scherereien erträgt er alles mit viel Humor. Als er gefragt wurde, ob er denn jetzt Porno-Darsteller geworden sei, antwortete er: „So weit ist es nicht gekommen. Ich war zu jung. Die haben einen 85-Jährigen geholt.“

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