Bewegte Handelsgeschichte in Bockum-Hövel

100 Jahre Fahrradhaus Schwarz - Seltenes Jubiläum wird gefeiert

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Ulrich Schwarz hat eine lange Spanne der Fahrradentwicklung mitgemacht: In der Hand hält er ein Rennrad aus dem Jahr 1948, vorne prangt in Rot ein modernes Pedelec.

Bockum-Hövel – „Das Fahrrad ist ein umweltfreundliches Produkt, das beste Fortbewegungsmittel überhaupt.“ Das sagt Ulrich Schwarz nicht nur, sondern er strahlt die Begeisterung für dieses Verkehrsmittel geradezu aus und versteht es, sie auf andere zu übertragen.

Seit 100 Jahren gibt es das Fahrradhaus Schwarz in diesem Jahr in Bockum-Hövel. Ulrich Schwarz führt das Traditionsunternehmen jetzt in dritter Generation und trägt seit 1962 die Verantwortung. Auch mit 71 denkt er nicht ans Aufhören, sondern verspricht seinen vielen Stammkunden, dass er noch mindestens fünf Jahre weitermachen will.

Ein so seltenes Firmenjubiläum ist für ihn auch Anlass zu feiern. Am Samstag, 24. August, plant er von 10 bis 13 Uhr einen kleinen Empfang für alle, die sich mit dem Fahrradhaus verbunden fühlen.

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Ausstellung mit historischen Rädern

Und für alle, die etwas über Fahrradgeschichte insbesondere in Bockum-Hövel erfahren wollen, bereitet er zurzeit eine Ausstellung mit historischen Rädern und anderen Exponaten vor. Von 1948 stammt das älteste Fahrrad, ein Rennrad, mit dem im Jahr 1952 Günter Knoll die deutsche Jugendmeisterschaft gewann. Angesagt haben sich an diesem Tag auch ein Oldtimer-Fahrradclub sowie ein Sammler historischer Mofas.

Von den Anfängen seines Geschäfts kann Ulrich Schwarz nur aus Erzählungen und alten Aufzeichnungen berichten. Als sein Großvater Karl zum Geldverdienen nach Bockum-Hövel gekommen sei, habe er nicht, wie die meisten anderen, auf der Zeche angeheuert. „Die ganzen Kumpel müssen doch auch irgendwie zum Pütt kommen“, sei dessen Idee gewesen, berichtet Schwarz. Und so verkaufte er ihnen Fahrräder. Auch Haushaltswaren, Nähmaschinen, Spielwaren, Kinderwagen und Musikinstrumente holte er ins Sortiment.

Doping beendete die gute alte Zeit

Ulrich Schwarz selbst ging bei seinem Vater Erwin in die Lehre und übernahm 1980 nach dessen Tod das Geschäft. In 57 Berufsjahren hat er die ganze Bandbreite der Entwicklung mitgemacht: Von der Dreigang-Rixe mit funzeligem Licht und schlechten Bremsen bis hin zum S-Pedelec, das den Piloten bis zu Tempo 40 unterstützt, den Weg mit seinen LED-Leuchten fast wie ein Auto erhellt, und mit Anti-Blockier-System an den Bremsen für Sicherheit sorgt.

Die schönste Zeit waren für ihn die 1970er und 1980er Jahre. „Da hat es mir am meisten Spaß gemacht. Der Radsport hatte ein gutes Image und Rennräder standen hoch im Kurs. Darauf habe ich mich spezialisiert und als einer der ersten die hochwertigen Marken nach Hamm geholt. Ich hatte immer den Hang, etwas Besseres anzubieten“, erinnert er sich.

Mehr Sicherheit für Elektrofahrräder

Die gute alte Zeit endete jedoch mit Bekanntwerden des Dopings im Radsport. Danach brachen die Verkaufszahlen rasch ein. Aktuell ist die Zweiradbranche wieder stark im Aufwind, weil Pedelecs enorm gefragt sind. „Vor allem bei der Generation 50 plus. Die S-Pedelecs, die bis Tempo 40 unterstützen, werden von jüngeren Menschen gekauft. Da setzen sich die Älteren gar nicht drauf“, hat er beobachtet.

Bis heute begeisterter Rennradfahrer

Schwarz war auch selbst immer sportlich unterwegs: In der Jugend als Fußballer; er hat Tischtennis gespielt und ein Jahr lang auch geboxt. Viele Jahre lang war er Sportkegler, trainierte viermal die Woche dafür und schaffte es bis in die Regionalliga. Beim Radrennsport ist er allerdings nie ganz vorne mitgefahren. „Dafür hat es nicht gereicht“, sagt er.

Dennoch ist er bis heute begeisterter Rennradfahrer. So gründete er 1978 den Radsportclub Taifun mit und trainierte zweimal in der Woche. Ebenso fuhr er an den Wochenenden Radtouristik-Touren, die auch schon mal 150 Kilometer lang waren. Bei der Gründung des Radteams Hamm war er dabei. Mit seinem großen praktischen Erfahrungsschatz kann er daher die sportlich orientierten Kunden ebenso gut beraten wie den Alltagsradler. Zudem hat er viel Humor, und er entlässt jeden Kunden mit einem Lächeln im Gesicht.

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