Es geschah vor 80 Jahren...

Typisch Bockum? Typisch Hövel? So kam es einst zur Einheit!

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Wuchs da zusammen, was zusammen gehört? In unserer Fotomontage verschmelzen die Höveler Kirche St. Pankratius und St. Stephanus in Bockum zu einer Kirche.

Bockum-Hövel – Typisch Bockum, typisch Hövel – auch heute hört man ab und an Aussagen wie diese. Dabei ist es schon 80 Jahre her, dass die beiden Gemeinden zusammengelegt wurden. Die Ortsheimatpfleger Günter Bachtrop und Josef Lensing erinnern für WA.de an diesen Beschluss.

Als Bockum und Hövel zusammengelegt wurden, hatten die Gemeinden ein rasantes Wachstum hingelegt: Zur Wende zum 20. Jahrhundert waren sie noch Dörfer mit 950 und 881 Einwohnern. Doch ebenso wie Radbod wuchs, wuchs auch die Einwohnerzahl: 1939 hatte Bockum 8518 und Hövel 9179 Einwohner.

Dass aus den beiden Gemeinden überhaupt ein Ort entstand, hatte mehrere Gründe. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen traf die Entscheidung, sie trat am 1. April 1939 in Kraft. Dabei ging es darum, „überflüssiges und hinderliches Nebeneinander der Verwaltungen zu beseitigen“, wie Anneliese Beeck in „Hamm unterm Hakenkreuz“ aus Protokollen zitiert. So waren vor der Zusammenlegung vier Haushaltspläne nötig: zwei für die Gemeinden, je einer für das Amt und den Schulverband. Danach brauchte man nur noch einen.

Wehren gegen Eingemeindungswünsche aus Hamm

Einer der Hauptgründe sei jedoch gewesen, sich gegen Eingemeindungswünsche aus Hamm zu wehren. 1929 sei dieses Vorhaben am Bockumer Widerstand gescheitert. Ein drei Jahre später gefasster positiver Beschluss sei nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler hintenan gestellt worden. Die Zusammenlegung sollte die Eingemeindung der Orte nach Hamm verhindern. Ohne dauerhaften Erfolg, wie längst bekannt ist, die Gemeinde Bockum-Hövel blieb nur 36 Jahre eigenständig (siehe Info unten).

Die Grenze zwischen den beiden Gemeinden verlief einst in den angelegten Bergarbeiter-Siedlungen teilweise mitten durch die Häuser. Das zeigt eine Karte, die den Ortsheimatpflegern vorliegt.

Postamt "Radbod", Bahnhof "Ermelinghof"

Der Lehrer und Heimatforscher Fritz Schumacher kommt in seinem 1958 mit Arthur Schauerte herausgegebenen Heimatbuch zu der Beurteilung, „das bedeutende Ereignis vom 1.4.1939 habe zur Vereinfachung der Verwaltung geführt und sich besonders in der Kriegszeit und nach dem Zusammenbruch günstig ausgewirkt“.

Das Postamt änderte seinen Namen „Radbod“ in „Bockum-Hövel“ und der Bahnhof „Ermelinghof“ hieß fortan ebenfalls „Bockum-Hövel“. 1940, so hat der langjährige Pfarrer Lorentz festgehalten, „wurde verfügt, daß die bisherige evangelische Kirchengemeinde Radbod die Bezeichnung Evangelische Kirchengemeinde Bockum-Hövel zu führen habe“.

Streng geheime Bürgermeisterwahl

Am 10. Mai 1939, so ist bei Anneliese Beeck zu lesen, sei in nichtöffentlicher Sitzung bei strengster Geheimhaltung unter der Leitung des Beauftragten der NSDAP, Kreisleiter Bielefeld, der bisherige Amtsbürgermeister Lothar Held zum Bürgermeister der neuen Gemeinde gewählt worden.

Der Beschluss zum Zusammenschluss erntete nicht nur Zustimmung. Das zeigt beispielsweise ein Brief des Pfarrers Johannes Wellekötter aus St. Stephanus vom 18. April 1945.

Ohne Mitwirkung der Bevölkerung

Eine Kopie des Schreibens liegt im Bistumsarchiv Münster vor - Peter Hertel zitiert ihn in seinem 2018 erschienenen Buch „Vor unserer Haustür“: „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst Versuche, Bockum und Hövel wieder zu trennen. Vor allem im Dorf Bockum grollten viele den Nazis, weil sie beide Orte zu einer Gemeinde zusammengelegt und das Zentrum in Hövel avisiert hatten. Bereits zwei Wochen nach der Befreiung schrieb der katholische Pastor Johannes Wellekötter an die britische Militärverwaltung, die Vereinigung der Gemeinden Bockum und Hövel sei ohne demokratische Mitwirkung der Bevölkerung erfolgt. Deshalb müsse sie wieder aufgehoben werden. Vergebens."

Günter Bachtrop, Josef Lensing 

Wichtige Jahreszahlen:

1908: Aus der Radbodsiedlung wird das Amt Bockum-Hövel.

1939: Die Gemeinden Bockum und Hövel werden zusammengelegt.

1956: Der Gemeinde Bockum-Hövel werden die Stadtrechte verliehen.

1975: Die Stadt wird nach Hamm eingemeindet und mit Teilen des Hammer Nordens zu einem Stadtbezirk in der neuen Großstadt Hamm.

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