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Neuer Spielort für die Kultur: Braucht Bockum-Hövel einen Bürgersaal?

Skaterpark in Hamm Bockum-Hövel
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Kultur statt Skaten: Auf dieser Fläche soll nach Vorstellung der SPD der neue Bürgersaal samt Tiefgarage entstehen. Der Skaterpark soll an eine andere Stelle verlegt werden.

Braucht Bockum-Hövel einen neuen Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse? Etwa einen neuen Bürgersaal? Dieser Vorschlag wird aktuell in der Politik diskutiert. Was sagen Experten dazu? Wir haben uns umgehört. Diskutieren Sie mit (Formular unten im Artikel!)

Bockum-Hövel - In der Lokalpolitik wird zurzeit heftig über das Thema diskutiert. Die CDU will die denkmalgeschützte Herz-Jesu-Kirche an der Hammer Straße sanieren und in ein städtisches „Kultur-Paradies“ umwandeln. Die SPD möchte einen neuen Bürgersaal auf dem Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz (Alter Markt) errichten.

SPD-Vorschlag sieht Platz für 300 bis 500 Leute vor

Klaus Zumbrink, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Bockum-Hövel, sagt, der Bürgersaal solle 300 bis 500 Leute fassen, um auch für größere Veranstaltungen mit bekannten Künstlern attraktiv zu sein. Er soll auch Austragungsort für stadtübergreifende Veranstaltungen wie den Klassiksommer werden. So könnten Menschen aus ganz Hamm und den umliegenden Bereichen bis Münster und Dortmund nach Bockum-Hövel gelockt werden.

Zudem soll der Bürgersaal multifunktional sein und damit auch Raum für Vereine bieten. Zusammen mit einer guten Gastronomie könnte der Saal ein Ankerpunkt für den Stadtbezirk werden und zur Attraktivierung und Belebung des Zentrums beitragen.

Nach Möglichkeit sollte auch eine Tiefgarage gebaut werden. Der Skater-Park müsste an eine andere Stelle verlegt werden. Die Herz-Jesu-Kirche hält er aufgrund des Sanierungsbedarfs und der Parkplatzsituation nicht für geeignet. Aus letzterem Grund wäre auch der Saalbau keine Alternative.

Bürgersaal für Bockum-Hövel? Das sagen Kultur-Experten

Sven Kirner, Geschäftsführer des Kulturreviers Radbod, würde einen solchen Saal nicht als Konkurrenz begreifen. „Wir stehen dem ganzen positiv gegenüber. Wenn man sich gut vernetzt und der neue Saal gut bespielt wird, sehen wir das eher als Ergänzung. Wir führen ja beide Positives im Schilde“, sagt er. Manches könne das Kulturrevier für Vereine, Privatpersonen oder andere Interessenten nicht leisten. Die könnte man an den Bürgersaal weitervermitteln. Auch wenn Seniorentanz im Kulturrevier stattfinde, richte sich der größte Teil des Angebotes eher an ein jüngeres Publikum.

Klaus Köller ist nicht nur Leiter des Stadtteilbüros Hamm-Norden, sondern auch Mitglied der Kultur AG Hamm-Norden. Er und seine Mitstreiter gestalten den Nordener Sommer. Er sagt: „Man kann sich Konkurrenz machen, man kann sich aber auch ergänzen. Es kommt darauf an, welche Veranstaltungen dort stattfinden. Es geht um Inhalte und um unterschiedliche Publikumsgruppen, die man mit seinem Programm erreicht.“ Er könne sich vorstellen, dass Bockum-Hövel einen solchen Saal braucht, zumal der Stadtbezirk ein großes Einzugsgebiet habe. Stadtweit mangele es an kostengünstigen Spielorten. „Wenn ich als Veranstalter erst einmal hohe Kosten für Miete, Technik und Hausmeister habe, lohnt es sich nicht mehr“, sagt er.

Den Umbau alter Gebäude sieht er durchaus kritisch. Es koste viel Geld, um die Voraussetzungen zu schaffen und die Ausstattung anzuschaffen. „Bestuhlung, Licht und Ton, das ist nicht mal eben mit kleinem Geld gemacht. Wenn man Kulturveranstaltungen durchführen will, braucht es Raum und eine daran angepasste technische Ausstattung“, sagt er aus Erfahrung.

Bürgersaal für Bockum-Hövel? „So viel, was brach liegt“

Martin-Luther-Viertel-Aktivist Werner Reumke vertritt eigentlich den Standpunkt, man könne nicht genug Spielorte haben. Wenn viel in einem Stadtbezirk passiert, kommen viele Menschen, um sich das anzusehen, aber auch die Gastronomie zu besuchen und vielleicht zu übernachten. Das mache einen Ort attraktiv, stärke seine Wirtschaft und schaffe Arbeitsplätze. Doch einen neuen Bürgersaal sieht er kritisch. „Wir haben hier so viel, was brach liegt“, begründet er seine Haltung und verweist auf den voll funktionsfähigen Saalbau und die denkmalgeschützte Herz-Jesu-Kirche.

Auch die sei sofort nutzbar. Es gebe viele Menschen, die dem Saalbau hinterher trauerten. Es sollte klug überlegt werden, ob man in völlig Neues investiert oder nicht besser Vorhandenes nutzt. Und vor allem über eines ärgert er sich: „Das Parteiengehacke ist demotivierend, und es macht keinen Spaß, es zu verfolgen.“ Er stellt fest, dass die Politiker sich nicht mit den Kulturschaffenden zusammensetzten. „Man muss raus und mit den Betroffenen reden. Der Bockum-Höveler versetzt Berge, wenn er sich einmal für etwas engagiert.“

Der neue Rahmenplan stellt zum Bürgersaal übrigens fest: „Ein häufig vorgetragener Wunsch aus der Bürgerschaft ist der nach zumindest einem großen öffentlichen Raum, der z.B. für stärker frequentierte kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann.“

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