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Jugendliche treten „Light-Rider“ vom Fahrrad - Hoffen auf Entschuldigung

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Von: Sarah Hanke, Raphael Haag

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Karl Jehle und sein demoliertes Leucht-Rad bei Tageslicht.
Karl Jehle und sein demoliertes Leucht-Rad bei Tageslicht. © Andreas Rother

Eigentlich wollen die „Light-Rider“ die Menschen in Hamm zum Lächeln bringen. Doch am Samstag endete ihre Tour schmerzhaft. Möglich, dass die dafür verantwortlichen Jugendlichen mit einem blauen Auge davon kommen.

Bockum-Hövel – Mit seinem leuchtenden Drahtesel sorgt Karl Jehle aus Herbern abends regelmäßig für „leuchtende“ Gesichter am Straßenrand. Jehle, der unter Fahrradfreunden in der Region auch unter dem Namen „Diskallico“ bekannt ist, war auch am Samstagabend zusammen mit fünf Mitfahrenden – teilweise auch aus Hamm – wieder unterwegs, besuchte unter anderem das Reggae-Festival auf Radbod. Doch dann erlebte die Gruppe der „Light-Rider“ einen Zwischenfall, den es in Hamm in dieser Form noch nicht gegeben hat. Zumindest ist der Polizei kein solcher Fall aus der Vergangenheit bekannt.

Die Gruppe wurde, so berichtet es Jehle, von zwei jugendlichen E-Bike-Fahrern verfolgt und während der Fahrt im Straßenverkehr offenbar vorsätzlich bedroht. Schließlich gelang es den Jugendlichen gegen 22 Uhr, Jehle und dessen leuchtendes Disco-Rad am Bockumer Weg durch gezielte Tritte gegen das Heck des Fahrrads zu Fall zu bringen. Die Folgen: Jehle hat Verletzungen davon getragen, zum Glück nicht allzu schwere: Der Herberner sei, das sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion, mit Blutergüssen, Prellungen und Bänderdehnungen glimpflich davon gekommen. Das „Leuchtrad“ aber ist stark reparaturbedürftig.

Durch Tritte gegen das Heck seines Fahrrads brachten die Jugendlichen Karl Jehle während der Fahrt zu Fall.
Nachgestellt: Nachgestellt: Durch Tritte gegen das Heck seines Fahrrads brachten die Jugendlichen Karl Jehle („Diskallico“) während der Fahrt zu Fall. © Andreas Rother

Jugendliche fielen durch unflätiges Benehmen auf

Zuvor am Abend war die Gruppe der Discoradler mit ihren dank hunderter kleiner Lämpchen leuchtenden Rädern bei einem Fotoshooting bei Rewe Dörholt und anschließend zu Besuch beim Reggae-Festival auf Radbod gewesen. An beiden Orten seien ihnen bereits zwei Jugendliche durch unflätiges Benehmen aufgefallen. Die Discoradler hätten sich belästigt gefühlt, und auf den Versuch, die Jugendlichen zum Aufhören zu bewegen, wurde ihnen der Mittelfinger gezeigt. Als sie ihre Fahrt über die Hammer Straße Richtung Innenstadt fortsetzen wollten, hätten die Jugendlichen sie weiter verfolgt.

Zunächst hätten die Jugendlichen die Spaßfahrradfahrer durch penetrantes und dichtes Umkurven in Schlangenlinien zum Abbremsen und Ausweichen gezwungen. Nach kurzer Pause und erfolgter Weiterfahrt auf dem Bockumer Weg seien die Jugendlichen, die sich zwischenzeitlich hinter einer Hauswand versteckt hätten, wieder aufgetaucht, hätten die Discoradler abermals bedroht – und dann auch zu Tritten gegen Jehles Hinterrad angesetzt. „Beim dritten Versuch – mitten auf der befahrenen Straße an der Kreuzung Stettiner Straße/Bockumer Weg – ist es einem der beiden gelungen, mich zum Stürzen zu bringen“, berichtet Jehle.

Die Gruppe Light-Rider aus Herbern und Hamm-Bockum-Hövel und der Region beim Kurparkfest
Karl Jehle ist einer der „Light-Rider“. Eigentlich will die Truppe den Menschen in Hamm Freude bereiten. (Archivfoto) © Claudia Krogul

Kein Abbringen von der Mission als Diskallico

Ein Großteil des Frontpaneels sei zerstört und auch die Beleuchtung müsse erneuert worden. Jehle schätzt den entstandenen Schaden auf 400 bis 500 Euro. „Schade, dass wir uns von zwei Halbstarken den Spaß an der Sache nehmen lassen müssen“, sagt er, stellt aber auch klar: Von seiner Mission als Diskallico wolle er sich nicht abbringen lassen. Schon bald soll es für ihn und sein Rad wieder auf Tour gehen.

Bei der Polizei hat Jehle am Montagmorgen Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Beleidigung erstattet. Gut möglich aber, dass er noch einmal ein Auge zudrückt. Denn: Mittlerweile ist Jehle bekannt, wer die Täter sind. Ein Vater hatte sich auf einen Aufruf Jehles in den sozialen Medien bei ihm gemeldet. Schon an diesem Mittwoch soll es zur Aussprache zwischen Jehle, den beiden Jugendlichen und ihren Eltern kommen. „Mit solchen Aktionen können sich Jugendliche ihre ganze Zukunft verbauen“, sagt Jehle – und hofft auf eine ehrliche und ausgiebige Entschuldigung.

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