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Das Ende von „St. Jupp“: alles Brauchbare bald in Heessen

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Von: Ulrich Wille

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Mitarbeiter des St.-Josef-Krankenhauses helfen beim Umzug
Kistenpacken: Die Mitarbeiter des St.-Josef-Krankenhauses helfen beim Umzug nach Heessen. © Robert Szkudlarek

Die Entscheidung stand lange fest, jetzt ist sie Realität geworden: Das St.-Josef-Krankenhaus wird derzeit leergezogen und vermutlich bald ganz verschwunden sein. Bockum-Hövel hat dann ein weiteres Stück seiner Identität verloren.

Bockum-Hövel - Ein auf große Umzüge spezialisiertes Unternehmen bewältigt dieser Tage den Umzug der Abteilungen in die etwa sechs Kilometer entfernte St.-Barbara-Klinik im Rahmen des Projektes „Wir werden eins“. Alles, was noch brauchbar ist, wird von Bockum-Hövel nach Heessen geschafft: Geräte, Schränke, Möbel, Medikamente. „Die Versorgung der Patienten steht natürlich im Mittelpunkt“, erklärt Pflegedirektor Jens Alberti. 60 Patienten befanden sich zuletzt noch in Bockum-Hövel. Sie sollen nun das nagelneue Bettenhaus in der Barbara-Klinik beziehen.

Start des Umzugs war mit dem Adipositas-Zentrum bereits am 8. November, das an seinem neuen Standort in Heessen auch schon in Betrieb ist. Am 14. November folgte die Klinik für Urologie, Kinderurologie und Uro-Gynäkologie und am Dienstag ist die Handchirurgie, Mikrochirurgie und die plastische Wiederherstellungschirurgie an der Reihe. Letzter Akt des Umzugs wird am 20. Dezember der Umzug der Klinik für Innere Medizin IV, Hämatologie und Onkologie sein. Die medizinische Notfallversorgung endete am Dienstag, 15. November.

MVZ bleibt vor Ort

Die noch in der Klinik ansässigen Ärzte des Medizinischen Versorgungszentrums werden ebenfalls umziehen, und zwar – nach einigen Umbauten – in die Verwaltungsgebäude der Bockum-Höveler Klinik. Das betrifft immerhin drei Praxen:

Später – so sei es unter anderem auch in der Städtischen Rahmenplanung vorgesehen – könne auf dem ehemaligen Klinikgelände ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen. „Wir stehen zurzeit mit zwei Investoren in Verhandlung“, sagte Barbaraklinik-Geschäftsführer Thorsten Keuschen. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Man hoffe, Ende des Jahres den Abschluss zu besiegeln.

Keuschen geht aber ziemlich sicher davon aus, dass das St.-Josef-Krankenhaus dann abgerissen wird. Und er betont noch einmal: „Durch die Zusammenführung der Krankenhäuser geht nichts verloren: weder in der medizinischen Versorgung noch an Arbeitsplätzen“. Die St.-Barbara-Klinik werden zu einem medizinischen Vollversorger für Hamm, und das auf höchstem Qualitätsniveau.

Emotionen im Spiel

Die Mitarbeiter sähen den Umzug und das Ende des St. Josef-Krankenhauses natürlich mit einem weinenden und einem lachenden Auge, erklärt Pflegedirektor Jens Alberti. „Viele haben sehr lang im Bockum-Höveler Krankenhaus gearbeitet, einige sogar 30 Jahre. Natürlich kommen auch Emotionen ins Spiel“, sagt er. Da falle es schon sehr schwer, sich zu verabschieden. „Die meisten freuen sich auf der anderen Seite aber auch auf einen Neuanfang in einem modernen Haus“, so Alberti weiter.

Nach WA-Informationen werden aber nicht alle Pflegekräfte mit nach Heessen gehen, einige suchen sich einen woanders einen neuen Job. Damit die Bockum-Höveler Klinik-Mitarbeiter schon mal einen Einblick in die künftige Arbeit in Heessen bekommen konnten, haben sie seit einem Jahr im Rotationsverfahren auch in der Barbara-Klinik gearbeitet. Beim Umzug seien die Mitarbeiter voll dabei – teilweise sogar in ihrer Freizeit.

Strom wird abgeschaltet

„Wir sind überzeugt davon, dass die Entscheidung richtig war“, sagte Geschäftsführer Keuschen. Der enorme Sanierungsbedarf des Gebäudes und die gesetzlichen Vorgaben für die Krankenhäuser, die in Bockum-Hövel kaum zu erfüllen gewesen wären, hätten keine andere Entscheidung zugelassen.

Die Lichter gehen im St.-Josef-Krankenhaus dann – im wahren Wortsinn – zum Ende des Jahres aus. Strom und Heizung werden abgeschaltet. „Allein, um die zurzeit enormen Energiekosten – etwa 2000 Euro am Tag, Tendenz steigend – für das dann leerstehende Gebäude zu sparen“, erklärte der Kaufmännische Direktor der Barbara-Klinik, Peter Potysch.

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