Unter Lippe und Kanal: 680 Meter lange Bohrung für die neue Gas-Fernleitung der OGE

Schräg in die Erde gebohrt: Von Herringen aus unterquert die neue Gasleitung Lippe, Kanal, alte Lippe und FFH-Gebiet in Bockum-Hövel auf einer Länge von 680 Metern.
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Schräg in die Erde gebohrt: Von Herringen aus unterquert die neue Gasleitung Lippe, Kanal, alte Lippe und FFH-Gebiet in Bockum-Hövel auf einer Länge von 680 Metern.

Drei neue Gas-Fernleitungen mit einer Gesamtlänge von 11,7 Kilometern baut die Open Grid Europe (OGE) im Bereich von Hamm und Bergkamen. Teile davon, auch auf Bockum-Höveler Gebiet, sind bereits verlegt.

Bockum-Hövel – Unter anderem wurde die drei neuen Gas-Fernleitungen Anfang des Jahres ein großer Lagerplatz an der Janssenstraße eingerichtet. Ein rund 4,2 Kilometer langes Teilstück liegt zwischen Stockum nach Bockum-Hövel. Der anschließende rund 1,9 Kilometer lange Abschnitt führt von Merschhoven nach Daberg und unterquert dabei die Lippe, den Kanal und das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet mit der Alten Lippe.

Während für den größten Teil der neuen Leitung ein Graben ausgehoben wurde, musste das Naturschutzgebiet natürlich unberührt bleiben. Auch unter Lippe und Kanal konnten keine Erdarbeiten durchgeführt werden. Zum Einsatz kam hier das Horizontal-Directional-Drilling-Verfahren (HDD), auf Deutsch Horizontalspülbohrverfahren. Für dieses Teilstück wurde die Baustelle in der Nähe des Yachthafens in Herringen eingerichtet.

Bodenproben für neue Gas-Fernleitungen

Ein lenkbares Bohrgestänge wurde unter Lippe, Kanal und FFH-Gebiet hindurchgetrieben. Genaue Informationen über Tiefe und Standort des Bohrkopfes lieferte ein Kreiselkompass dem Maschinenführer, der dadurch die Abweichungen von der Ideallinie korrigieren konnte. Mit diesem Verfahren ist es möglich, auch durch Fels zu dringen.

Durch Einspülen von Bentonit wurde der Bohrkopf gekühlt und gleichzeitig das Material herausgetragen. Bodenproben im Vorfeld hatten Aufschluss über den Untergrund gegeben.

Nur noch ein Rohr schaut heraus: Projektleiterin Wiebke Klawon und OGE-Sprecher Helmut Roloff erklären, wie die Bohrung gemacht wurde.

Schwierigkeiten bei 680 Meter langen Bohrung

„Problematisch war an diesem Abschnitt der stark zerklüftete Untergrund. Ursachen dafür sind zum einen die hier vorhandene geologische Formation, zum anderen aber auch die Bergsenkungen“, berichtet Bauleiter Jürgen Thallmayer. Am Ende sei aber alles beherrschbar gewesen und nach Plan verlaufen. Man sei an der gewünschten Stelle herausgekommen. Lippe, Kanal, Alte Lippe und das FFH-Gebiet drumherum blieben von der Baustelle unberührt. Die Leitung liegt dort jetzt in rund 15 Metern Tiefe und kam nach rund 680 Metern in einem angrenzenden Acker wieder zutage.

Der Bau der Leitung war aus Stockum kommend über Bockum-Hövel in Richtung Herringen erfolgt. Lediglich das Teilstück unter der Lippe erfolgte in die andere Richtung. Grund hierfür war der geringe Platz für die Einrichtung der Bohr-Baustelle auf Bockum-Höveler Gebiet. „Über den Lippehof wäre es fast unmöglich gewesen, mit all dem Gerät zur Baustelle zu kommen. In Herringen hatten wir einfach mehr Platz“, so Thallmayer. Gebohrt wurde schließlich zweimal parallel, einmal für die Gasleitung und einmal für die Steuer- und Nachrichtenkabel.

Auch wenn dieser Leitungsabschnitt jetzt verlegt ist, wird das Lager an der Janssenstraße noch nicht komplett aufgelöst. Denn im kommenden Jahr soll noch ein weiterer Leitungsabschnitt auf Bockum-Höveler Gebiet unter die Erde gebracht werden. Er beginnt an den Gleisen und endet am Übergabepunkt der Stadtwerke an der Bülowstraße.

Umstellung von L-Gas auf H-Gas

Hintergrund für die Verlegung der neuen Gas-Fernleitungen ist die Reduzierung der Gasimporte aus den Niederlanden, wo L-Gas (Low-Gas mit niedrigem Brennwert) gefördert wird. Hier gehen die Lagerstätten zu Ende. Das Leitungssystem muss daher auf H-Gas (H-Gas mit höherem Brennwert) umgestellt werden, um die Versorgungssicherheit auch weiterhin zu gewährleisten.

H-Gas stammt vor allem aus Quellen in Norwegen und Russland. Das Projekt ist im von der Bundesnetzagentur bestätigten Netzentwicklungsplan 2018 bis 2028 als vordringlich aufgeführt. Die in einigen Jahren geplante Umstellung im Ortsnetz ist dann Sache der Stadtwerke Hamm. Betroffen von der Umstellung von L-Gas auf H-Gas sind Verbraucher in Nord- und Westdeutschland. Infos dazu gibt es hier auf der Internetseite der Zukunft Erdgas.

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