Kleine Hilfen und ein Spendenaufruf

Familie nach Feuer am Frienbusch vor Trümmern der Existenz

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Alfred und Katja Schlewing (von links) und Iris Insinger, Initiatorin der Hilfsaktion.

Bockum-Hövel – Nach dem Hausbrand und dem Feuerwehreinsatz in der Straße am Frienbusch Anfang April steht die Familie Schlewing vor dem Nichts. Dem WA berichtete sie jetzt von ihrem Drama. Eine Spendenaktion soll helfen.

Alfred und Katja Schlewing haben immer noch sehr mit ihren Eindrücken vom Brand am 4. April zu kämpfen: In ihrer Wohnung am Frienbusch in Bockum-Hövel löste die Strahlungswärme eines Kamins ein Feuer aus, wodurch das ganze Haus und sämtliche Bewohner in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sie und ihre drei Söhne konnten sich nur mit den Kleidern am Leib aus den Flammen retten und stehen nun vor den Trümmern ihrer Existenz.

Jetzt berichteten sie erstmals, was sich inzwischen getan hat: „Wir kommen gerade von unserem Haus, wo wir alles ausräumen müssen“, sagt Alfred. Seine Frau ergänzt, was das Feuer nicht vernichtet habe, sei durch das Löschwasser zerstört.

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Ein Sohn hatte während des Feuers Angst, dass Familienmitglieder oder ihre Haustiere noch in der Wohnung seien. Er zog sich Schnittwunden zu, als er eine Scheibe einschlug. Die anderen Bewohner wurden mit dem Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung im Krankenhaus untersucht. Zwar sei zum Glück niemand ernstlich verletzt worden, aber das sei momentan auch der einzige Trost.

„Wir konnten nur noch raus aus der Wohnung und standen dann fassungslos vor dem Feuer“, erinnert sich der Vater.

Brand im Mehrfamilienhaus in Bockum-Hövel

Während der 63-Jährige bereits relativ gefasst wirkt, machen die Ereignisse seiner Frau noch deutlich stärker zu schaffen: „Du stehst barfuß da draußen, musst dir das hilflos mit ansehen und siehst dann noch Menschen, wie sie mit ihren Handys filmen“, sagt Katja Schlewing fassungslos. Am Tag nach dem Brand habe zudem noch eine Nachbarin angerufen und mitgeteilt, dass Unbekannte im Hause seien.

Diebe und haltlose Unterstellungen

„Man hat alles verloren, die Feuerwehr ist gerade weg und dann kommen schon die ersten Diebe um zu schauen, ob nicht noch was zu gebrauchen sei“, sagt sie. Als sie an ihrem geräumten Mehrfamilienhaus ankamen, hatten die Diebe noch Sachen aus dem Garten an der Straße stehen lassen. „Da weißt du gar nichts mehr“, sagt Alfred angesichts dieses Verhaltens.

Zu diesem unglaublichen Vorgang kamen auch noch haltlose Unterstellungen im Internet: „Meine Schwester sagte mir nur, ich solle mir das nicht anschauen“, sagt Katja. Sie seien gerade noch mit heiler Haut davongekommen und wildfremde Leute spekulierten über Brandstiftung. „Da sind wir froh, dass die Brandgutachter diesen Unsinn widerlegt haben.“

Chefin der Ehefrau hat im Betrieb gesammelt

Momentan befinden sich alle früheren Bewohner des Hauses in einem Schwebezustand: Der 78-jährige Mieter aus dem Dachgeschoss wurde zwischenzeitlich in einer betreuten Wohnanlage untergebracht, und die Familie teilt sich eine über die Stadt vermittelte, teilmöblierte Wohnung der HGB mit ihrer Nachbarin und deren Tochter. „Wir sind für diese schnelle Hilfe durch die Stadt wahnsinnig dankbar“, sagt Alfred Schlewing erleichtert. Die Chefin der Ehefrau hatte im Betrieb für sie gesammelt. Dadurch konnte die Familie sich zumindest eine Erstausstattung von einem Textil-Discounter kaufen.

Bis hin zur Zahnbürste war alles weg

„Außer dem, was sie anhatten, war alles, bis hin zur Zahnbürste, weg“, sagt Iris Insinger, eine Freundin der Familie. Das könne man sich nur vorstellen, wenn man es selbst erlebt habe. Alfred Schlewing erklärt, dass sie in der Wohnung mit sieben Personen zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen. Das derzeitige Ausräumen sei Fluch und Segen zugleich: Man brauche zwar nicht rumzusitzen, sei aber ständig mitten im Thema.

Dabei waren die Ostertage sogar ein Hindernis, wie der Vater erklärt: Die ganzen zerstörten Möbel stünden auf dem Grundstück und der Sperrmüll-Blitzservice habe die Abholung vor den Feiertagen nicht mehr geschafft. „Aber zumindest bei den Nachbarn hoffe ich auf Verständnis“, sagt der Vater.

"Derzeit steht einfach alles still"

Einige Gutachter waren bereits vor Ort und haben festgestellt, dass zumindest keine Einsturzgefahr bestehe. Aber alle Wohnungen seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Um die notwendige, umfassende Sanierung durch Fachfirmen veranlassen zu können, muss Schlewing zunächst die Zusage der Versicherung abwarten.

Wie es dann insgesamt weitergehe, wisse er auch noch nicht: Alfred Schlewing hatte früher einen Kiosk betrieben. „Da waren Arbeitstage von zwölf Stunden und mehr keine Seltenheit“, sagt der Vater.

Nachdem ihnen das Mehrfamilienhaus gehörte, wollten sie es ruhiger angehen lassen. Er hat nur noch einen Teilzeit-Job, und seine Frau arbeitet in einer Pizzeria. Komplett bei null anzufangen, wirke wie eine Herkules-Aufgabe, so die Eheleute. „Derzeit steht einfach alles still“, erklärt Alfred Schlewing.

Spendenkonto bei der Sparkasse

Für die Familie wurde ein Spendenkonto bei der Sparkasse Hamm eingerichtet. Wer helfen möchte, kann folgende Iban nutzen: DE69 4105 0095 0001 7721 85.

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