Krankenhaus-Aktivisten enttäuscht von Lokalpolitik

BI "St. Jupp" bittet Papst um Hilfe - und der macht Mut

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Noch gibt es offenbar keinen Investor für das Krankenhaus in Bockum-Hövel.

Bockum-Hövel - Etwas ruhiger geworden war es in den vergangenen Wochen um die Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt des St.-Josef-Krankenhauses. Doch die Mitglieder waren auch weiterhin sehr aktiv. Unter anderem hat Sprecherin Marina Weber den Papst angeschrieben – und Antwort erhalten!

Das ist der Brief aus Rom. Klicken Sie rechts oben in das Bild, um das komplette Motiv zu sehen.

Die Antwort auf das Schreiben an den Heiligen Stuhl kam von Prälat Paolo Borgia, dem Assessor der Sektion für Allgemeine Angelegenheiten des vatikanischen Sekretariats. „Angesichts der Bedeutung dieses Krankenhausstandortes möchte ich Sie daher ermutigen, gegebenenfalls erneut das Gespräch mit den zuständigen Verantwortungsträgern der St. Franziskus-Stiftung Münster sowie Ihres Bistums zu suchen. Gewiss können Sie durch Ihre Überlegungen und Eingaben die Anliegen der Menschen vor Ort darlegen und einen guten Entscheidungsprozess unterstützen, damit nach sorgfältigem Abwägen eine Lösung zum größeren Wohl der Kranken und Bedürftigen gefunden wird“, schreibt er.

Von Hammer Lokalpolitik enttäuscht

Angesichts der Tatsache, dass sogar vom Papst eine Antwort auf den Brief kam, zeigt sich die BI tief enttäuscht von den meisten Politikern vor Ort. Weder CDU und SPD noch die FDP und die Grünen zeigten aktive Unterstützung. Lediglich Pro Hamm und ganz besonders Die Linke stelle sich hinter die BI, sagt Hartmut Weber. Die Lokalpolitiker müssten sich viel mehr im Sinne der Menschen in Bockum-Hövel und der Randgebiete einbringen, um eine adäquate Lösung zu finden.

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Inzwischen gebe es auch einen potenziellen Investor. Der sei sowohl bei Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, dem Stadtplanungsamt, einer Koalitionspartei sowie der St.-Franziskus-Stiftung vorstellig geworden. Besonders ärgere die Akteure der BI, dass Gerüchte verbreitet würden, dieser Interessent sei abgesprungen, sagt Weber. „Das ist nicht richtig. Ich habe erst vor wenigen Tagen mit Verantwortlichen gesprochen. Die stehen Gewehr bei Fuß.“ Man warte dort auf Unterlagen von der Stiftung.

Rundgang um das St. Josef Krankenhaus Bockum Hövel

Liste von Forderungen

Die BI führt aus in einer Liste von Forderungen auf, was sie von den Lokalpolitikern erwartet:

  • Dass sie die Bürger ernst nehmen, dass sie die Entscheidungen der St.-Franziskus-Stiftung nicht teilen,
  • dass sie sich für den Erhalt des medizinischen Leistungsangebots einsetzen,
  • dass die Gebäudesubstanz des St.-Josef-Krankenhauses unabhängig untersucht wird,
  • dass sie sich gemeinsam mit der St.-Franziskus-Stiftung um einen Investor bemühen,
  • dass sie sich um Transparenz bei der Kaufpreisfindung bemühen,
  • dass sie von der St.-Franziskus-Stiftung eine Erklärung über den künftigen Baubedarf und eine Beschreibung der medizinischen Leistungen einfordern
  • sowie eine Überprüfung des Grundbuches um zu klären, ob die Stiftung des Grundstücks durch Freiherrn von Twickel nach dem Grubenunglück im Jahr 1908 auch an den Bau eines Krankenhauses zweckgebunden war.

Das sagt die Leitung der Barbaraklinik:

Gibt es Interessenten für das St.-Josef-Krankenhaus? Zu dieser Frage hält sich die Leitung der St.-Barbara-Klinik zurück.

Auf WA-Anfrage teilte Klinik-Sprecherin Julia Kuhn lediglich mit: „Nach wie vor gilt von unserer Seite, dass wir hinsichtlich der Nachnutzung von Gebäude und Grundstück des St.-Josef-Krankenhauses das Ergebnis der derzeit laufenden städtebaulichen Rahmenplanung für Bockum-Hövel abwarten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns darüber hinaus zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu einer Nachnutzung oder potenziellen Investoren äußern.“

Aber selbstverständlich sei jeder seriöse Investor/Interessent für das Gebäude und Grundstück des St.-Josef-Krankenhauses herzlich eingeladen, sich mit der St.-Barbara-Klinik in Verbindung zu setzen, so Kuhn.

Das sagt der Oberbürgermeister:

„Es gibt einen Investor.“ Das sagt die Bürgerinitiative für den Erhalt des St.-Josef-Krankenhauses. „Ich kenne keinen einzigen Investor, und auch keine konkrete Planung für das Gebäude“, sagt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann auf Anfrage des WA an die Verwaltung.

Thomas Hunsteger-Petermann

Vor einiger Zeit hätten sich zwei Projektentwickler gemeldet. Deren Daten habe er an die St.-Franziskus-Stiftung als Eigentümer weitergeleitet. Aber das sei wohl im Sande verlaufen. „Projektentwickler, die etwas daran verdienen wollen, gibt es wie Sand am Meer“, so der Oberbürgermeister weiter.

„Wenn es einen Investor gibt, der mit dem Eigentümer klarkommt, dann wird die Rahmenplanung nicht im Wege stehen. Die können wir anpassen, konkretisieren oder präzisieren. Wir würden alles tun, was im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten liegt. Mir wäre es am liebsten, wenn in der nächsten Zeit klar wäre, was kommt. Das wäre die Ideallösung. Und ich wiederhole, jedem seriösen Investor würden wir einen roten Teppich ausrollen“, stellt Hunsteger-Petermann fest.

Entscheiden müsse die St.-Franziskus-Stiftung, ob sie mit einem Investor klarkomme. Und wenn es mehrere gebe, müsse sie sich auf einen festlegen. „Der Ball liegt zum jetzigen Zeitpunkt eindeutig bei der Stiftung. An uns scheitert das nicht“, macht er deutlich.

Erst wenn ein Investor mit der Stiftung eine Einigung erzielt habe, komme die Stadt wieder ins Spiel. Bei der Frage, was am Standort entstehe, sei dann erst der Rat am Zuge.

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