Erfolgsgeheimnis der Gebrüder-Grimm-Schule

Schulleiter Wagner: Darum haben wir den Deutschen Schulpreis erhalten

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Schulleiter Frank Wagner ist stolz auf sein Team und den Erfolg.

Hamm - Der Schulpreis ist super – aber er hat die Gebrüder-Grimm-Schule auch in ihrer Entwicklung unterbrochen, sagt ihr Leiter Frank Wagner. Schließlich gibt es noch viele Ziele und viel Arbeit, um die Schule weiter zu verbessern.

WA.de sprach mit Schulleiter Frank Wagner darüber, wie der Schule der Erfolg vom Mittwoch gelungen ist und wie es nun weitergeht. Er sagt: „Der erste Punkt ist Wertschätzung.“

Was ist das Besondere an Ihrer Schule, das zum Gewinn des Schulpreises geführt hat?

Frank Wagner: Das kann man an unseren drei Leitbegriffen festmachen, am Lachen, Leisten und Lesen. Der erste Punkt ist tatsächlich die Wertschätzung aller Menschen, die hier in der Schule sind, die systematische, echte Wertschätzung. Nicht die aufgesetzte: Ja, wir reden mal was Positives, dann kommen wir aber zur Sache. Durch diese Wertschätzung entsteht ganz viel Vertrauen, gutes Miteinander. Das Zweite sind die Leistungen unserer Kinder: Dadurch, dass sie mit befreitem Herzen lernen können und mit richtig großer Freude zur Schule kommen, sind sie auch leistungsbereit.

Und weil wir viele Systeme im Unterricht gefunden haben, mit dem Epochenunterricht angefangen, sehen die Kinder wirklich einen Sinn in ihrem Lernen. Sie machen es freiwillig und gerne. Sie wissen, warum sie das tun. Und was das Lesen angeht: Das ist ja das zentrale Element des Lernens, wie wir sagen. Wir legen großen Wert darauf, Skills des 21. Jahrhunderts zu trainieren.

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"...Alles andere kannst du bei Youtube googeln"

Was heißt das? 

Wagner: Wir leben nicht mehr im 20. Jahrhundert, Fabrikarbeiter wird es in Zukunft nicht mehr viele geben. Heute fährt der Staubsaugerroboter rum, da fährt der Rasenmäherroboter rum. Wir sagen, Skills wie kritisches Denken, Problemlösen, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Emotionalität brauchen unsere Kinder in der westlichen Welt, um leistungsstark zu sein. Alles andere kannst du bei Youtube googeln. Und natürlich benötigen sie trotzdem einen Pool von Basiskompetenzen. Ich muss eine lesbare Schrift haben, ich muss Rechenkompetenzen haben, das ist gar keine Frage.

Eben das macht unsere Schule aus, dass wir sagen, da gibt’s Rechtschreibung und Einmaleins lernen, das wird bei uns groß geschrieben. Eigentlich ganz banal. Aber die Kinder wissen, ich muss die Basiskompetenzen erlernen, weil ich etwas wissen will über Astronomie, Pferde, was auch immer. All das wird hier in ganz, ganz vielen systematischen Dingen gefördert.

"Wir haben noch sehr viele Ziele"

Kann man die beste Schule Deutschlands noch verbessern? 

Wagner: Ja, wir haben noch sehr viele Ziele. Hier oben hängen schon wieder der nächste Plan und unsere Talenturkunde. Wir wollen die Kinder ernsthaft noch mehr darauf hinweisen: Wo habt ihr eigentlich eure Talente? Nicht einschränkend, sondern tatsächlich ein bisschen deutlich machen: Bist du zum Beispiel emotional intelligent oder sozial empathisch? Könntest du überlegen, Politiker zu werden oder Verkäufer? Darauf wollen wir sie hinweisen.

Das geht weiter, wir haben den Anbau vor der Tür. Wir werden die Lerninseln erweitern. Wir werden das gesamte Konzept schulweiter ausbauen. Die Kinder werden ihre Basiskompetenzen in den Lerninseln trainieren. Das System ist sehr komplex. Wir sind jetzt durch diesen Preis eigentlich nur unterbrochen worden in dieser Schulentwicklung. Da kommt noch einiges. Ich könnte jetzt noch ‘ne halbe Stunde erzählen.

"Ich freue mich für unsere Stadt"

Haben Sie eine Ahnung, was auf Sie zukommt? 

Wagner: Hab ich, hab ich. Ich weiß das. Was meinen Sie, wie das bei der Preisverleihung schon abgegangen ist? Kommen Sie bitte ins Saarland, kommen Sie bitte nach Österreich. Ich glaube, das ist für uns in Hamm toll. Ich freue mich für unsere Stadt, weil das nach außen getragen wird.

Können Sie erklären, warum gerade hier in Hamm so viel gute Pädagogik und Bildung gemacht wird? Kita Uphof, Karlschule und jetzt Sie? 

Wagner: Wir haben’s drauf (lacht herzlich). Ich glaube, dass wir wirklich oft unterschätzt werden. Wenn man sich diese Emotionalität anguckt, dieses vertrauensvolle Miteinander, diese Offenheit, das ist, glaube ich, typisch für uns Westfalen. Ich darf das mal so sagen. Das ist etwas, das uns liegt. Wir können uns in die Augen gucken und auch mal sagen, hör mal, das war jetzt gerade scheiße. Wir können aber auch sagen: Super, das war klasse, richtig gut. Die Offenheit, das ist etwas Besonderes, das haben wir auch hier in Hamm.

Konzepte, Inseln und Epochen

An der Gebrüder-Grimm-Schule wird das Schuljahr in drei jeweils mehrwöchige Epochen eingeteilt.

In der Projektepoche wird die Klassenstruktur aufgelöst. Die Kinder setzen sich mit Problemen auseinander und entwickelten Strategien zur Problemlösung.

In der Kursepoche geht es um die Förderung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. „Da wird trainiert bis zum Umfallen“, sagt Schulleiter Frank Wagner. Auch hier arbeiteten die Kinder recht selbstständig und ordnen sich einzelnen Bereichen zu.

Die Klammer bildet die Klassenepoche, in der der klassische Unterricht stattfindet.

Zentrales Element des Lernens an der Gebrüder-Grimm-Schule sind die Lerninseln. Das sind Bereiche, an denen die Kinder selbstständig aktiv werden, um ihre Talente zu trainieren und ihre individuellen Ziele zu bearbeiten. Sie können selbstständig lernen, recherchieren, ihren Lernplan erledigen oder Aufgaben der Lerninseln bearbeiten.

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