"Habe kein Verhältnis und niemanden geschwängert"

Nach fast 70 Jahren: Rewe Haase verlässt Hamm

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Bild mit Symbolcharakter: In der Hand hält Benjamin Haase die gerahmte letzte Plastiktüte, die sein Team 2016 im Supermarkt verkauft hat.

Bockum-Hövel - Benjamin Haase wird Ende Juni seine beiden Rewe-Märkte in Bockum-Hövel auf- und an Rewe Dortmund zurückgeben, um beruflich einen Neuanfang in der Ferienregion Ostholstein zu wagen. Er verspricht: „Meine Mitarbeiter sollen nicht darunter leiden.“

Er habe sehr frühzeitig und kurz nach seiner endgültigen Entscheidung eine Mitarbeiterversammlung durchgeführt, um offen und ehrlich mit der neuen Situation umzugehen und alle zu informieren, sagt Haase. Die Zusammenkunft fand am vergangenen Sonntag statt. „Da war alles noch ganz frisch“, sagt er.

Auf Anfrage teilt eine Rewe-Sprecherin mit, dass die Arbeitsplätze der insgesamt rund 150 Mitarbeiter in den Märkten erhalten blieben. Die Märkte setzten weiter darauf, die Standorte mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern zum Erfolg zu führen. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine Schließungszeiten oder Änderungen geplant, so die Sprecherin. Rewe Dortmund sei bestrebt, die Standorte erneut in Kooperation mit einem selbstständigen Rewe-Kaufmann zu betreiben. Eine Nachfolge stehe aktuell noch nicht fest.

Vatertagsparty bei REWE Haase in Bockum-Hövel

Benjamin Haase zeigt sich zuversichtlich, dass die von ihm eingeführten Innovationen in seinen Märkten auch weiterhin Bestand haben werden. Dazu gehören unter anderem die enge Kooperation mit lokalen Erzeugern wie dem Landwirt Köhne, das viel gelobte Sushi-Angebot und die umfangreiche Imbiss-Theke mit Halal-Döner.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese erfolgreichen Angebote aufgegeben werden“, sagt er. Ganz werde der Name Haase auch nicht verschwinden, denn sein Bruder werde weiterhin die Lotto- und Toto-Annahmestellen in den Märkten betreiben.

Im Oktober 2017 gab es eine Bombendrohung gegen Rewe Haase.

Ganz offensiv tritt Benjamin Haase Gerüchten über angebliche familiäre und andere Probleme entgegen: „Ich bin nicht insolvent. Ich habe auch kein Verhältnis mit Kassiererinnen, noch habe ich eine Praktikantin geschwängert“, stellt er klar.

Haase: „Ich bleibe bei meiner Familie und bei der Rewe-Familie.“ Die Entscheidung für den beruflichen Neuanfang sei auch ausdrücklich keine Entscheidung gegen Bockum-Hövel gewesen.

Rewe-Markt im Rathaus-Center.

Bombendrohung im Rewe-Markt Haase aufgeklärt

In der Familie habe es schon lange den Wunsch gegeben, an die Ostsee zu ziehen. Sehr kurzfristig habe sich dann auch beruflich die Möglichkeit dazu entwickelt, dass er in der Region Ostholstein für Rewe tätig werden könne. Dort gebe es noch wenige Kaufleute, die Märkte selbstständig führten. „Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht“, sagt er.

Aber derzeit passe auch die familiäre Situation. Seine beiden Kinder verließen im Sommer den Kindergarten und könnten dann am neuen Standort die Grundschule besuchen. „Vor zwei Jahren hätte ich die Entscheidung noch nicht getroffen und in fünf Jahren würde ich das auch nicht mehr tun“, sagt Haase. „Ich bin 38 und muss noch mindestens 25 Jahre arbeiten, da haben wir die Chance jetzt ergriffen.“ Die Gespräche über den Neustart liefen mit Rewe. Da aber alles noch sehr frisch sei, könne er nicht mehr dazu sagen.

SG Bockum-Hövel und Rewe Haase starten Sammelbildaktion

Allerdings fange er ja nicht bei Null an, sondern sei mit 70 Jahren Familientradition schon ein „alter Haase“ im Geschäft. Seine Großmutter Irmgard Küster habe das Unternehmen 1949 gegründet. Seit 1952 sei es bei Rewe und dann von seine Vater Wolfgang geführt worden.

Zudem bekundet Benjamin Haase auch noch einmal seine tiefe Verbundenheit mit Bockum-Hövel. Hier liege schließlich seine Familiengeschichte, und er werde auch immer wieder zu Besuchen hierhin kommen. Auch bei den Schützen werde er nicht austreten.

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