16 Monate Totalausfall - aber: "Wir halten durch"

Das bittere Baustellen-Leiden der Bockum-Höveler Bäckerei Büttner

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„Wir halten durch“, sagen Detlef und Claudia Grönner (von links). Auszubildende Celine Maja Hawranke kann ihre Lehre fortsetzen.

Bockum-Hövel – „Büttner – der Sahnebäcker“, so steht es auf einer großen Reklame-Torte, die im Laden an der Bülowstraße für eine der Spezialitäten des Hauses wirbt. Doch seit im März 2018 die Straßenbaustelle vor der Türe eingerichtet wurde, läuft nichts mehr sahne.

Tiefe Einschnitte muss das Inhaberehepaar Claudia und Detlef Grönner in Kauf nehmen. Da ist zunächst ein Umsatzrückgang von rund 70 Prozent. „Dass es weniger wird, damit haben wir gerechnet. Aber dass es so schlimm kommt, konnten wir uns nicht vorstellen“, sagt Claudia Grönner.

„Die an der Hammer Straße wissen noch gar nicht, was für ein Tsunami auf sie zurollt“, meint Detlef Grönner. Denn auch dort sind in den kommenden Jahren umfangreiche Straßen- und Kanalsanierungen geplant. „Ob Döner, Pizza oder Friseure, selbst die Ärzte werden es merken“, ist er sicher.

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Harte Maßnahmen gegen mögliche Pleite

Dennoch haben beide den festen Willen und die Zuversicht: „Wir halten durch.“ Sie treten damit auch den immer wieder aufkommenden Gerüchten entgegen, sie gäben auf oder seien pleite. Um das abzuwenden, mussten sie zuletzt allerdings fünf Vollzeitkräfte entlassen. Alle waren seit Jahren bei ihnen beschäftigt, zwei davon seit mehr als 30 Jahren.

Auch das war für die Grönners ein tiefer persönlicher Einschnitt. „Einer war mein erster Lehrling. Das ist, als ob dir jemand das Herz herausreißt“, sagt Detlef Grönner und greift sich an die Brust, als täte er es selbst. „Wir mussten das tun, denn wir haben eine GmbH. Wenn wir nicht gegengesteuert hätten, wären wir am Ende wegen Insolvenzverschleppung dran gewesen“, ergänzt seine Frau.

Nur die beiden Auszubildenden im Verkauf und in der Backstube sind noch da. „Das sind Lehrverträge, die kann ich doch nicht einfach kündigen“, meint Detlef Grönner.

Der Ofen muss weiterlaufen

Um überleben zu können, hat er auch an anderen Stellen gespart: Kühlkammern, Gärschränke und Froster sind stillgelegt. So fällt die Stromrechnung schon deutlich geringer aus. Aber der Ofen muss weiterlaufen, ob nur 5 Brote drin liegen oder 20. Und zum Glück gehört den Grönners das Haus an der Bülowstraße, und sie haben eine Filiale an der Römerstraße. So können sie die Existenz des Betriebes sichern.

Auf Eis gelegt sind zudem die Pläne zur Erweiterung und Modernisierung. Denn eigentlich sollte ein großer Umbau erfolgen, und die Kunden sollten die Möglichkeit haben, durch ein großes Fenster die Arbeit in der Backstube zu verfolgen. Außerdem hatten die Grönners vor, noch eine weitere Fachkraft einzustellen, um die Arbeit im ehemals florierenden Betrieb bewältigen zu können.

Ärger über Tempokontrollen

Besonders ärgern sie sich über die Knüppel, die ihnen von außen zwischen die Beine geworfen werden. Dazu gehören zum Beispiel die vermehrten Geschwindigkeitskontrollen zur Überwachung von Tempo 30 im Baustellenbereich. Viele Kunden seien in die Bäckerei gekommen und hätten gesagt: „Das ist das letzte Mal. Ich bin schon wieder geblitzt worden.“

Insbesondere ärgert sich Claudia Grönner darüber, dass die Stadt durch den Blitzer mehr eingenommen habe, als ihr Eigenanteil am Straßenausbau beträgt. Denn bislang kassierte die Stadt durch die Knöllchen 180.000 Euro, während sie aufgrund der Landesförderung nur 80.000 Euro an Eigenmitteln für den Straßenbau aufwenden muss.

Zweifel an Fertigstellung Ende Juni

Wie es weiter geht? Das wissen beide noch nicht. Sie zweifeln daran, dass die Baustelle bis Ende Juni fertig ist, denn ursprünglich habe man ihnen ein dreiviertel Jahr Bauzeit angekündigt. Jetzt sei man schon im 16. Monat. Und in der Woche nach Pfingsten schließen sie das Geschäft an der Bülowstraße wegen der Bauarbeiten. In dieser Woche bleibt nur die Filiale an der Römerstraße offen.

Dankbar sind sie jedenfalls ihren Stammkunden, und sie hoffen, dass auch die anderen wiederkommen, wenn die Straße irgendwann endlich fertig ist.

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