Nabu bittet darum, verendete Tiere zu melden

Viele Tote Vögel: Rätsel um Blaumeisensterben geklärt

Eine Blaumeise (Cyanistes caeruleus).
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Eine Blaumeise (Cyanistes caeruleus).

Jürgen Hundorf, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Hamm, erhält derzeit täglich ein bis zwei Anrufe, weil Tierfreunde Blaumeisen entdecken, die krank wirken und kurz darauf sterben.

Hamm – In ganz Deutschland sind bis Mitte vergangener Woche bereits knapp 14000 solcher Fälle gemeldet worden. In Hamm wurden vor allem in Heessen, Uentrop und Werries tote Blaumeisen gefunden.

Mittlerweile ist der Erreger des Meisensterbens identifiziert: Es ist ein Bakterium namens Suttonella ornithocola, das bei den Vögeln eine Lungenentzündung verursacht. Mehrere Labore haben das Bakterium in toten Vögeln festgestellt.

Bakterium tötet vor allem die Kleinsten

„Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt“, erklärt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Vermutlich sind auch Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise betroffen. Seltener erkranken die größeren Kohlmeisen.“ Der Erreger ist für Menschen und Haustiere ungefährlich, betont der Nabu hier auf seiner Internetseite.

Übertragen wird das Bakterium vermutlich an Futterstellen. Deshalb bittet Hundorf darum, momentan auf Futterhäuschen und vor allem auf kleine Vogeltränken zu verzichten. Das fordert auch der Nabu-Bundesgeschäftsführer. „In betroffenen Gärten müssen Anziehungspunkte wie Futter- und Badestellen umgehend beseitigt werden, damit Vögel sich weniger leicht gegenseitig anstecken können“, rät Miller.

„Social Distancing hilft auch bei Vogel-Seuchen, Ansteckungen zu reduzieren.“ Ein Hinweis, der vielen in Zeiten von Abstandsregeln im Zuge der Corona-Krise einleuchtend erscheint.

Kranke und tote Blaumaisen sollen Nabu gemeldet werden

Damit der Verlauf, das Ausmaß und die Verbreitung der Epidemie bei den Blaumeisen ermittelt werden kann, bittet der Nabu, Fälle von kranken oder verstorbenen Vögel zu melden. Das geht hier über ein Online-Formular der Nabu.

Wer eine tote Blaumeise entdeckt, kann sich auch mit dem Ordnungsamt Hamm in Verbindung setzen. Es sorgt dafür, dass das tote Tier in Zusammenarbeit mit dem für Hamm zuständigen Veterinär in Unna ins chemische Untersuchungsamt in Arnsberg geschickt wird. Dort wird endgültig geklärt, ob das Tier an der durch das Bakterium Suttonella ornithocola verursachten Meisenkrankheit gestorben ist.

Für den Erhalt: Gärten naturnah gestalten

Damit sich der Bestand an Blaumeisen schnell wieder erhöhen kann, sei es wichtig, den Tieren gute Bedingungen für die jetzt anstehende Brutzeit zu ermöglichen, sagt Hundorf. Eine naturnahe Gestaltung der Gärten bietet dafür beste Voraussetzungen, in solchen Gärten gibt es genug Nahrung für Jungvögel.

Aufschlüsse, wie stark sich die Zahl der Blaumeisen durch die Krankheit verringert hat, dürfte die Vogelzählung ergeben, zu der der Nabu jedes Frühjahr aufruft: „Die Stunde der Gartenvögel“ ist vom 8. bis 10.Mai. 2019 lag die Blaumeise in Hamm auf Platz fünf der häufigsten Vogelarten.

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