150 Jahre Familienunternehmen

Bitteres Jubiläumsjahr: Kunden versüßen Gastronom Splietker den Corona-Frust

Hubertus Splietker und Sohn Louis hatten sich auf das Jubiläumsjahr der Gaststätte gefreut. Statt dessen startete ein Existenzkampf, bei dem viele treue Stammkunden helfen.
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Hubertus Splietker und Sohn Louis hatten sich auf das Jubiläumsjahr der Gaststätte gefreut. Statt dessen startete ein Existenzkampf, bei dem viele treue Stammkunden helfen.

Was war das für ein Auftakt in das Jahr 2020. Mit der Küchenparty Anfang und der Après-Ski-Party Ende Februar war der Start in das Jubiläumsjahr des Landgasthauses Splietker in Süddinker optimal verlaufen. Weitere Veranstaltungen waren über das gesamte Jahr terminiert, die Vorfreude riesengroß. Das 150-Jährige des Familienunternehmens sollte gebührend gefeiert werden. Doch dann kam das plötzliche Aus. Corona.

Süddinker – Mittlerweile steht fest, dass in diesem Jahr keine der Jubiläumsevents mehr stattfinden werden. „Das ist wirklich bitter“, kann Inhaber Hubertus Splietker sein Pech immer noch nicht fassen. „Von den Folgen des Coronavirus sind natürlich sehr viele betroffen“, weiß Splietker. Bei ihm spiele halt neben den finanziellen Einbußen auch das Emotionale eine Rolle. „Wir haben extra noch Geld für Renovierungsarbeiten in die Hand genommen und haben zwei Jahre lang dieses Jubiläumsjahr vorbereitet. Wir haben tolle Künstler und Köche für verschiedene Events gewinnen können. Am vergangenen Wochenende hätte das Ballonglühen stattgefunden. Endlich mal wieder bei gutem Wetter. Auch darauf hatten wir uns sehr gefreut.“

Das Schlimme für Splietker ist – und damit spricht er für alle Gastronomen: „Es ist ja noch gar nicht vorbei. Einen weiteren Lockdown würden wir womöglich gar nicht überstehen“, befürchtet er. Im Moment könne er die laufenden Kosten ganz gut stemmen, weil das À-la-carte-Geschäft sehr gut laufe. Das Sommerwetter habe den Biergarten voll gemacht. „Natürlich können wir aufgrund der Abstandsregelungen weniger Tische stellen. Aber wir hatten gut zu tun“, freut er sich. Ohnehin habe er sich auf seine Kunden, vor allem die Stammkunden, in den vergangenen Monaten verlassen können. „In den ersten vier Wochen des Lockdowns wusste ich gar nichts mit mir anzufangen. Alles wirkte wie im schlechten Film. Mir wurde erst einmal bewusst, was Fixkosten bedeuten, wenn nichts mehr reinkommt. Dann haben wir es trotz unserer Außenlage mit dem Außer-Haus-Verkauf versucht. Und das lief wirklich gut. Sehr viele Gäste, die ansonsten gar nicht zu uns kommen, haben uns unterstützt. Dafür kann man sich echt nur bedanken“, sagt Hubertus Splietker.

Viele Gutschein-Käufe als schnelle Hilfe

Hinzu kamen Geschenk-Aktionen. Größere Gutscheine seien gekauft worden, oftmals auch, um kurzfristig und schnell zu helfen. Auch sonst habe diese schwere Zeit auch Schönes mit sich gebracht, weiß Splietker zu schätzen. Am 7. Juni, als die große Jubiläumsfeier mit geladenen Gästen stattfinden sollte, sind die Nachbarn mit einer kleinen Überraschungsaktion zum Gratulieren gekommen. „Das hat mich wirklich gerührt“, weiß Splietker solche Gesten sehr zu schätzen.

Große Familienfeiern finden weiterhin nicht statt

Ein wichtiges Standbein für den Gastronomen ist weiterhin fast vollständig weggebrochen. Große Veranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstage oder andere Familienfeiern finden weiterhin quasi gar nicht statt. Dabei erlaubt das Land doch Familienfeiern mit bis zu 150 Personen. „Es finden aber trotzdem keine Feiern statt“, berichtet Splietker. Die Menschen haben offenbar Angst oder befürchten, dass zu viele Absagen kommen. Der Terminkalender ist jedenfalls bis zum Ende des Jahres mehr oder weniger leer“, sagt der gelernte Koch. Im Herbst finden einige Konfirmationen und Kommunionen statt. „Aber alles in abgespeckter Form oder die Familien holen sich das Essen ab. Das ist natürlich auch schön, aber vor Corona waren dies größere Gesellschaften“, so Splietker, der verschiedene Räumlichkeiten für Feiern mit bis zu 20, 40, 50 und 150 Personen vorhält. Vieles ist auf diese Familienfeiern abgestimmt, auch das Personal. Zehn Festangestellte plus mehrere Aushilfen sind dort beschäftigt. In der Biergartensaison konnte er sie um Teil aus der Kurzarbeit wieder herausholen. Entlassen musste er noch niemanden. „Ich bin meinen Mitarbeitern auch extrem dankbar“, lobt Splietker. „Denn sie müssen mit uns ja sämtliche Hygienevorschriften umsetzen. Jeder Stuhl muss desinfiziert werden. Sie müssen ständig Maske tragen und vieles mehr“, nennt Splietker nur einen Teil der Auflagen. Immerhin sei ein Großteil der Gäste sehr nett und verständnisvoll und sogar bereit, etwas mehr Trinkgeld zu geben.

Veranstaltungen werden nachgeholt

Das, was in diesem Jahr weggefallen ist, kann das Landgasthaus im kommenden Jahr nicht neu verdienen. Aber der Inhaber hofft inständig, dass schon bald wieder normale Gastronomie betrieben werden kann. Anfragen für Familienfeiern im nächsten Jahr habe er wieder. „Wir wollen auch unbedingt, einige Veranstaltungen aus dem Jubiläumsprogramm in 2021 nachholen“, kündigt er an.
Das echte Jubiläum sei das zwar dann nicht mehr, aber Veranstaltungen wie das „Sheffield Steel – A Tribute To Joe Cocker“ mit Reinhard Bialas (eigentlich geplant für den 14. November) möchte Splietker unbedingt nachholen.

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