Erfolgsmodell „YouCard“

Bildungsleistungen für arme Kinder: Hamm bundesweit vorn

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Hamm - Die Stadt Hamm ist bundesweiter Spitzenreiter bei Bildungsleistungen für arme Kinder. Ein ungewöhnlich unkomplizierter Prozess macht es möglich, dass Städte wie Münster und Mülheim deutlich abgehängt werden.

Kinder und Jugendliche aus armen Familien haben Anspruch auf Zuschüsse für das Schulessen, die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder die Teilnahme am Musikunterricht. Bundesweit werden die Mittel aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket das Bundes kaum abgerufen, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband festgestellt. Die einsame Ausnahme ist Hamm. Dank der „YouCard“ bekommen hier 91,3 Prozent der Berechtigten ihr Geld.

Seit 2011 können Eltern, die selbst nicht genug Geld haben, Zuschüsse für kostenpflichtige Programme im Kindergarten-, Schul- und Freizeitbereich beantragen. Dazu gehören beispielsweise die Mittagsverpflegung, außerschulisches Lernen und die Kosten für den Schulbedarf. Zuständig für die Umsetzung sind die Kommunen. Doch aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist das Modell gescheitert: Bundesweit rufen nach Erhebungen des Verbandes weniger als 15 Prozent der Berechtigten das Geld auch ab.

Die „YouCard“ wurde 2011 eingeführt.

Anders in Hamm. Die Stadt wird in der jüngst veröffentlichten Studie des Paritätischen lobend erwähnt. Mit 91,3 Prozent hat Hamm bundesweit die höchste Teilnehmerquote; innerhalb Nordrhein-Westfalens schaffen es außer Hamm nur noch Münster (80,4) und Mülheim an der Ruhr (55,4) sowie die Kreise Borken (71,6) und Steinfurt (78,6) über die 50-Prozent-Marke. Die meisten Städte und Kreise bleiben sogar unter zehn Prozent.

Den Grund dafür sieht man beim Verband in der 2012 eingeführten „YouCard“, einer Scheckkarte, die Kinder und Jugendliche aus Hartz-IV-Familien bekommen. Caterer, Schulen und Sportvereine können ihre Leistungen über diese Karte bei der Stadt abrechnen, aufwändige Einzelanträge und Abbuchungen sind damit überflüssig.

„Hamm ist ein Best-Best-Practice-Beispiel, was die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets angeht“, sagt Dorothée Schackmann, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Hamm. Mit unkomplizierten Verwaltungsverfahren ist es gelungen, das Bildungs- und Teilhabepaket in die gesamtstädtische Strategie gegen Armut einzubetten.

Für Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ist dies eine Bestätigung der „YouCard“: Man habe sich 2012 ganz bewusst dafür entschieden, bürokratische Hürden so niedrig wie möglich zu halten und so dafür zu sorgen, dass das Geld bei den Kindern ankommt.

Die „Youcard“ in Zahlen:

Gesamtaufwendungen der Stadt für Maßnahmen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes (seit 2012 gibt es die „Youcard“):

2011: 1,028 Millionen Euro,

2012: 1,653 Millionen Euro,

2013: 2,272 Millionen Euro,

2014: 2,640 Millionen Euro,

2015: 2,812 Millionen Euro,

2016: 3,035 Millionen Euro,

2017: 3,298 Millionen Euro.

Die größten Kostenpunkte im vergangenen Jahr waren die Lernförderung (748.000 Euro), Schulbedarf (684.000 Euro) sowie Klassenfahrten und Tagesausflüge (635 000 Euro). Aktivitäten zur sozialen und kulturellen Teilhabe sind mit 260.000 Euro ein eher kleinerer Punkt.

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