Kommt sogar ein dritter Hänger?

Ein Jahr Enforcement Trailer: So effektiv ist der Superblitzer!

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Hamm - Der Betrieb der Enforcement Trailer hat sich für die Stadt Hamm nicht nur finanziell längst ausgezahlt. Sondern auch in punkto Verkehrssicherheit. Der Grund: Immer mehr Autofahrer überall in der Stadt bekommen die Quittung für zu schnelles Fahren.

Seit nunmehr einem guten Jahr gehört der gepanzerte Blitzeranhänger zum Hammer Straßenbild. Das umso mehr, seit die Stadt Ende April 2019 ein zweites Gerät anschaffte. Ein dreiwöchiger Test im April 2018 war mit rund 2650 Auslösern so eindrucksvoll verlaufen, dass die Stadt schon kurze Zeit später voll auf das moderne wie flexible Messgerät setzte.

Beide Vertragstrailer zusammen lösten bisher fast 32.000 Mal aus: Bis Mitte Juli wurden nach Angaben von Stadtsprecher Lukas Huster beim ersten Hänger rund 26.150 Verstöße dokumentiert, der zweite kam in gut zweieinhalb Monaten bereits auf rund 5600. Gemeinsam spülten sie rund 894.000 Euro aus Verwarn- oder Bußgeldern in die Stadtkasse. Diese Zahl ist allerdings nur ein Näherungswert - ausgehend vom durchschnittlichen Bußgeld des Vorjahres (28,18 Euro) - und muss reduziert werden um die Ausgaben für den laufenden Betrieb des Hightech-Blitzers (siehe Info unten im Artikel).

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Diese Standorte stechen heraus

Als besonders nachhaltig erwiesen sich im Lauf des ersten Jahres Einsätze in der Bülowstraße (Bockum-Hövel, im Baustellenbereich), in der Blücherstraße (ebenfalls Bockum-Hövel, Fahrtrichtung Osten im Januar) und im Westberger Weg (Hamm-Norden, im Einbahnstraßenbereich, Ende September 2018). An diesen Standorten wurden nicht nur die meisten Verstöße registriert, sondern teils auch die auffälligsten. So wurde in der Bülowstraße bei Tempo 30 ein Autofahrer mit 108 km/h erwischt (September 2018) und ein weiterer im Februar 2019 mit 104 km/h. Für beide hieß das: rund 700 Euro Geldbuße, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot. Insbesondere an diesem Standort setzt die Stadt daher auf Wiederholungseinsätze.

Mit umgekehrten Vorzeichen erkenntnisreich waren die Standorte Lohweg (Heessen) und Nordenwall (Mitte). Trotz drei- beziehungsweise viertägiger Standdauer wurden dort jeweils weniger als zwölf Verstöße notiert.

Achtung, Autofahrer: Hier wird in Hamm geblitzt!

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Angriffsfläche für Vandalen

Die beiden Trailer sind vielen Autofahrern ebenso ein Dorn im Auge wie die Blitzsäulen und die mobilen Messgeräte der Stadt und der Polizei. Ohne begleitendes Personal am Einsatzort bieten sie Vandalen allerdings eine ungleich größere Angriffsfläche. So wird die Sichtfläche des Trailer immer wieder mit Papier oder Pappe verklebt oder mit Gerätschaften zugestellt. Beim Einsatz an der Ahlener Straße wurde ein Anhänger im April mit Farbe beschmiert. Auffällig auch: Beim Einsatz an der Wiescherhöfener Straße im Januar hatte die Alarmanlage eine Fehlfunktion.

Stadt positiv beeindruckt

Trotz dieser und anderer kleinerer Probleme zieht die Stadt eine rundweg positive Bilanz des ersten Einsatzjahres. Der Trailer biete die Möglichkeit, mit geringem personellen Aufwand über einen längeren Zeitraum sowie ganztägig Kontrollen an verschiedenen Punkten durchzuführen, erklärt Stadtsprecher Huster: "Dadurch sind wir in der Lage, Hinweisen aus der Bevölkerung und eigenen Verdachtspunkten bezüglich Gefährdungen der Sicherheit im Straßenverkehr nachzugehen und valide Ergebnisse zu erhalten." Auch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung, insbesondere von Anwohnern in kontrollierten Straßen, seien sehr positiv.

Und zwar so positiv, dass die Stadt die Tür zu weitergehenden Maßnahmen einen Spalt geöffnet hält. Denn dem Stadtsprecher ist weder der Kauf der Trailer für ausgeschlossenen noch die Möglichkeit, einen weiteren, dritten, anzuschaffen.

Das kostet der Trailer:

Über die anfallenden Kosten schweigt sich die Stadt aus. Statt die Geräte zu kaufen, hat sie mit der Firma Vitronic einen Leasingvertrag abgeschlossen, der auch die Wartung, nötige Reparaturen sowie alle Grund- und Begleitausgaben beinhaltet sowie selbst ein Ersatzgerät bei einem Ausfall.

Auch andere Städte und Kreise gehen diesen Weg und können daher Anhaltspunkte liefern: So zahlt der Landkreis Northeim für den Betrieb eines Trailers im Monat rund 7000 Euro, bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Stadt Hamm betreibt inzwischen zwei Einheiten; die Kosten pro Stück dürften dementsprechend weniger hoch ausfallen.

In der Anschaffung würde ein Enforcement Trailer im Durchschnitt 150.000 Euro kosten.

So misst der Trailer:

Relevant ist die Geschwindigkeit im 75-Meter-Winkel vor dem Trailer. Geblitzt (also fotografiert) wird erst 50 bis 25 Meter später. Das garantiert die bestmögliche Qualität.

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